Kitzingen
Etwashäuser Kerm

Etwashäuser Kirchweihbursch durch und durch

Von Kindesbeinen an hat sich der Ebshäuser Bernhard Günther für die Kirchweih in der Gärtnervorstadt begeistert. Logisch, dass er auch heuer dem Umzug am Sonntag entgegenfiebert.
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Bernhard Günther ist ein Gärtner mit Leib und Seele. Obwohl er eigentlich schon in Rente ist, steht der Etwashäuser noch (fast) jeden Tag auf dem Acker. Kein Wunder, dass  sein Wirsing prächtig gedeiht.  Foto: wa
Bernhard Günther ist ein Gärtner mit Leib und Seele. Obwohl er eigentlich schon in Rente ist, steht der Etwashäuser noch (fast) jeden Tag auf dem Acker. Kein Wunder, dass sein Wirsing prächtig gedeiht. Foto: wa
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"Wer hat Kerm? Mir ham Kerm!" So heißt es am Sonntag wieder in Etwashausen. Schon früher war das Kirchweihfest in Kitzingens "Gärtnervorstadt" ein besonderes Ereignis. "Vom Freitag bis zum Kerwa-Dienstag wurde jeden Abend getanzt", erinnert sich der Etwashäuser Gärtner Bernhard Günther. "Da ist jeder gern hingegangen."
Der 68-Jährige stammt aus einer alteingesessenen Gärtnerfamilie und hat die "Kerm" von Kindheit an miterlebt. "Früher wurden die Wägen in der Fexerscheune in der Flugplatzstraße geputzt", erzählt er. Mit "geputzt" meinen die "Ebshäuser" das Schmücken und Herrichten der Umzugswägen, die am Kirchweihsonntag von vielen Schaulustigen aus Nah und Fern bestaunt werden. Als Schulbub durfte Bernhard Günther dabei öfters zusehen. Später war er dann Anführer der Ausgraber, führte einmal als Vorreiter den Kerwa-Umzug an und half bei den Vorbereitungen mit.

Pferde statt Traktoren


Vieles hat sich seit Bernhard Günthers Kinder- und Jugendzeit verändert. Noch in den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts fuhren etliche Gärtner oder Landwirte mit dem Pferdefuhrwerk aufs Feld. Auch beim Kirchweihumzug wurden die Wägen bis Mitte der 60er Jahre noch von Pferden gezogen. Als die Vierbeiner immer seltener wurden, musste der Etwashäuser verschiedene Ortschaften aus der Umgebung "abklappern", um genügend Gespanne beizubringen.
Nicht nur beim Festzug wurden die Vierbeiner im Laufe der Zeit durch Traktoren ersetzt. Auch der traditionelle Kerwa-Baum wurde später damit hoch gezogen. Daran kann sich Bernhard Günther noch gut erinnern. "Das war schon eine aufregende Sache", sagt er. Mitunter habe man das Zuggefährt an der Alten Mainbrücke befestigen müssen, damit es nicht weggerutscht sei. Anschließend seien die Burschen in die ,Goldene Gans' oder ins Gasthaus ,Zur Rose' gegangen, wo es zur Belohnung eine Maß Bier gab.
Ein Kindheitserlebnis ist dem 68-Jährigen besonders im Gedächtnis geblieben: "Als der Kerwa-Umzug in den 50er Jahren einmal ausgefallen ist, haben wir Dorfkinder unseren eigenen Umzug organisiert. Mit Handwägeli sind wir damals zu den örtlichen Gastwirtschaften und zur ehemaligen Bäckerei Scheingreber gezogen", erzählt er. In der Kitzinger Zeitung stand dann: "Es gab doch einen Festzug an der Etwashäuser Kerm." Darauf seien er und die anderen Kinder richtig stolz gewesen.
Noch heute weiß Bernhard Günther den genauen Wortlaut des Sprüchleins, das sein Bruder seinerzeit beim "Kerwa-Umzug" der Dorfkinder aufgesagt hat: "Ich hab´ gehört, Ihr habt geschlacht und habt recht große Würscht gemacht. Wir wünschen Euch ein frohes Jahr. Für jeden Stecken gebt uns paar." Schmunzelnd erinnert er sich auch noch daran, wie er einmal den traditionellen Kerwa-Plootz mit dem Fahrrad vom Bäcker abgeholt hat und eine Windböe den Käsekuchen zu Boden segeln ließ...

Der Plootz gehört dazu


Überhaupt - der Kerwa-Plootz: Der war früher etwas ganz Besonderes. "Außer einem Gugelhupf gabs ja unterm Jahr nichts", schildert der Etwashäuser seine Kindheitserinnerungen. Umso mehr habe man man sich auf den leckeren Käse- oder Zwetschgenkuchen gefreut, der jedes Jahr zur Kirchweih gebacken wurde. Weil die Kuchenbleche so groß waren und nicht in den heimischen Ofen passten, wurden sie zum örtlichen Bäcker gebracht - meist nicht nur einer, sondern oft drei oder vier auf einmal. Über den frischen Kerwa-Plootz freuten sich auch die vielen Gäste, die - wie heute noch - im privaten Kreis gerne zur Kerm eingeladen wurden. Früher bekamen die Kunden der Gärtner ein "Kerwabündel" mit dem traditionellen Kerwa-Plootz geschenkt. Einige davon nahmen die Etwashäuser Gärtnersfrauen mit nach Würzburg, wo sie bis zum Zweiten Weltkrieg auf dem Marktplatz ihr Gemüse feil boten.
Ein besonderer Höhepunkt im dörflichen Leben war der Kerwa-Tanz: "Von Freitag bis zum Kerwa-Dienstag wurde jeden Abend getanzt, auch am Kirchweihsonntag nach dem Festzug", berichtet Bernhard Günther. Besonders in den 50er und 60er Jahren hätten sich die Veranstaltungen im ehemaligen Gasthaus ,Weißes Lamm' - jetzt China-Restaurant Po Wah - großer Beliebtheit erfreut. Für Stimmung sorgte die Tanzkapelle Fritz Schad und der inzwischen verstorbene Emil Engelbrecht. "Der hat sogar einen Kopfstand auf dem Tisch gemacht."

Burschenball zum Abschluss


Krönender Abschluss der Kirchweihfeierlichkeiten war der Burschenball am Kerwa-Dienstag. Dort ging es besonders lustig zu, wie sich auch der 83-jährige "Schorsch" Kreßmann erinnert. "Am Ende haben wir die Kerm mit einer Trauerzeremonie feierlich begraben", erzählt er. "Es wurde ein Trauermarsch gespielt und die Burschen haben gegrinnen, weil die Kerm zu Ende war."
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