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Es wird wieder gestochen

Die Spargelsaison ist offiziell eröffnet. 29 Betriebe im Landkreis Kitzingen bauen das "weiße Gold" an. Wie hilfreich sind Trends und neue Innovationen für die Landwirte?
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Florian Wolf und seine Kollegen sind schon mittendrin in der Ernte. Foto: FotoS: Hanna Bausewein
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Es gibt ihn wieder. Pünktlich zu den milden Temperaturen sprießt er aus der Erde. Auch auf den Speisekarten im Wein-Landkreis ist er wieder zu finden: Der fränkische Spargel. Oder das weiße Gold, wie ihn Liebhaber nennen.

Aktuell bewirtschaften 29 Betriebe im Landkreis Kitzingen rund 256 Hektar Fläche Spargel. „Im Vergleich zum letzten Jahr sind das zwei Betriebe und etwas mehr als drei Hektar Spargel weniger“, sagt Christine Müller vom Amt für Landwirtschaft in Kitzingen. Die Besitzer beider Betriebe haben aus Altersgründen mit dem Spargel-Anbau aufgehört. Deutschlandweit ist Unterfranken Spitzenreiter in Sachen Spargel. Ganze 44 Prozent des Gemüses kommt aus unserer Region. „Durch den Einsatz von Folien konnten wir die Importwaren aus dem Ausland im frühen Bereich zurückdrängen. Wir haben derzeit einen Selbstversorgungsgrad von 86 Prozent mit heimischer Ware. Das ist bei keiner anderen Gemüseart der Fall“, sagt Müller.

Mehr Schwung dank Folien

Um der Nachfrage stand zu halten verwenden Landwirte vielerorts Folien. Mit der Sonnenenergie der Natur, kann die Wärme gespeichert werden und beschleunigt somit das Wachstum. „So haben die Stangen mehr Schwung und wachsen nicht langsam vor sich hin. Wegen des langen Wachstumsprozesses waren früher viele Spargelstangen holzig oder hatten aufgeblühte Spitzen“ sagt Müller. Im Idealfall kann man so die Ernte etwas verfrühen, oder sogar verspäten. Die Landwirte können die Erntezeit bis zu einem gewissen Grad manuell steuern. Mit der schwarzen Oberseite der Folie wird das Wachstum gefördert, mit der weißen eher gebremst.

Florian Wolf hat nach seiner Ausbildung zum Landwirt seinen Techniker in der staatlichen Technikerschule für Agrarwirtschaft in Triesdorf gemacht. Mit seinen Schwiegereltern Luise Nuffer und Roland Zieracker betreibt er den Spargel- und Beerenhof in Prichsenstadt. „Wichtig für den Spargel-Anbau sind sandige und tiefgründige Böden, eine Kronen-Pflanze von hoher Qualität und ein mildes Klima. Diese Rahmenbedingungen sind essenziell für ein gutes Endprodukt“, erklärt er.

Die Pflanze durchläuft einen zweijährigen Wachstumsprozess bevor sie das erste Mal geerntet werden kann. „Währenddessen halten wir das Unkraut fern, verwenden dabei wenig Herbizide, Bewässern, Düngen und so weiter“ erklärt Wolf. „In dieser Zeit steckt wahnsinnig viel Manpower dahinter.“ Die sei entscheidend für die Qualität.

Präzise Handarbeit gefragt

Mit dem Verkauf von Spargel lässt sich gutes Geld verdienen. Es gibt allerdings auch Hürden: Die Energiekosten steigen, Kühlräume müssen vorgehalten, die Vermarktung angekurbelt werden und nicht zuletzt muss ständig in neue und alte Maschinen investiert werden. „Das ist ein langer Rattenschwanz, der durch die Bürokratie alles andere als kürzer wird“, so Wolf.

Der größte Aufwand ist jedoch die Ernte. Da ist präzise Handarbeit gefragt. Das beliebte Gemüse muss erst mal gestochen, transportiert, vorgewaschen und dann gekühlt werden. „Das muss flott gehen, damit der Spargel nicht violett wird“, sagt Wolf. Dann erst wird er verarbeitet. Zunächst wird der Spargel auf circa 20 Zentimeter Länge gekürzt, dann nach der Größe sortiert. „Die Sortiermaschine nimmt uns viel Arbeit ab, aber die Feinarbeiten werden weiterhin per Hand gemacht. Ohne Handarbeit geht's beim Spargel einfach nicht“, sagt Wolf. Auf einem Seminar konnte er sich einen Roboter ansehen, der in Zukunft das Stechen des Spargels übernehmen soll. „Das dauert noch, aber es ist auf jeden Fall die Zukunft. Jeden Handgriff kann man aber nicht ersetzen.“

Ist beheizter Spargel auch die Zukunft? Wolf ist skeptisch. Im Januar werden die in der Nähe der Spargel-Pflanzen installierten Heizrohre in Betrieb genommen. Diese lassen den Spargel zügig wachsen, so dass er im März, drei Wochen vor der eigentlichen Saison, verfügbar ist. Bei diesem Verfahren wächst der Spargel ab einer Temperatur von zwölf Grad Celsius in 20 Zentimeter Bodentiefe zügig bei einer Temperatur von 17,5 bis 22 Grad Celsius. Auch hier kann der Spargel maximal acht Wochen geerntet werden. Danach muss sich der Spargel regenerieren. „Momentan beheizt in Unterfranken noch kein Landwirt seinen Spargel“, informiert Christine Müller. „Der Verbraucher will auch keinen Heiz-Spargel“ ist sich Wolf sicher.

Insgesamt 35 Hektar Spargel bewirtschaftet der Spargel- und Beerenhof. Davon sind sieben Hektar grüner Spargel. „So viel grünen Spargel wie im letzten Jahr hab ich noch nie verkauft“, sagt die Verkäuferin des Hofladens. Vor allem junge Leute kaufen den grünen Spargel. Dessen Vorteil: Man muss ihn fast nicht schälen. In den Märkten wird der weiße Spargel auch geschält angeboten. Auf Plastikschalen können die Verbraucher verzichten. „Die Schale des Spargels bietet eine natürliche Schutzhülle und ist umweltfreundlich“, sagt Florian Wolf.

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