KITZINGEN

Es gibt noch viel zu tun in der Kitzinger Siedlung

Im größten Stadtteil hat sich mit dem Projekt "Soziale Stadt" einiges bewegt. Jetzt geht es um eine sinnvolle Fortführung.
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Schön ist was anderes: Das denken sich auch viele Menschen in der Siedlung. Die Häuserzeilen entlang der B8 gelten jedenfalls als ein Grund für ein negatives Image des größten Kitzinger Stadtteils. Foto: Foto: Daniela Röllinger
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Das Interesse war nicht besonders groß. Zumindest nicht an diesem Abend. Etwa 20 Menschen verloren sich ein wenig im Stadtteilzentrum. Dabei ging es um die Zukunft der Kitzinger Siedlung. Um Projekte, die in den nächsten Jahren das Gesicht des größten Kitzinger Stadtteils verändern dürften.

Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept (ISEK). Vor etwa neun Jahren tauchte dieses Wortmonster zum ersten Mal in der Siedlung auf. Der Stadtteil wurde ins Programm „Soziale Stadt“ aufgenommen. Viel ist seither erreicht worden: Der Kleistplatz wurde als Mehrgenerationenplatz gestaltet, ein (wechselnder) Quartiersmanager wurde als Ansprechpartner und Koordinator implementiert – ab Januar füllt Sebastian Restetzki diesen Posten nach einem Jahr Vakanz wieder aus. Und vor allem wurde das Stadtteilzentrum als sichtbarer und gut genutzter Ort für die Bevölkerung in der Siedlung errichtet.

Wunsch nach einem Ärztehaus

Etwa 5200 Menschen leben auf beiden Seiten der B8. Die Besonderheit: Überproportional viele bleiben ihrer Siedlung treu. Bei durchschnittlich 20 Jahren liegt die Wohndauer bundesweit – in der Siedlung ist bei einer Befragung der doppelte Wert herausgekommen. Von einer hohen Wohntradition und einer sehr intensiven Bindung sprach denn auch Stadtplaner Gunter Schramm, der die Ergebnisse der letzten Jahre analysierte und das Projekt „Soziale Stadt“ in die Zukunft begleiten soll.

Die „Siedler“ sind größtenteils mit ihrem Wohnumfeld zufrieden, mit der Gemeinschaft und der Nachbarschaft, mit der Grundversorgung und der Stadtnähe. Weniger gut gefällt ihnen der Zustand des „öffentlichen Raumes“ – genauer gesagt: Der Zustand so mancher Straßenzüge, vor allem entlang der Mainbernheimer Straße und der Breslauer Straße, wird als negativ fürs gesamte Image des Stadtteils angesehen. Außerdem wünschen sich die Befragten ein Restaurant, einen Biergarten und ein Ärztehaus.

Preiswerter Wohnungsbau

Genau da setzen auch die Ziele und Maßnahmen für die Zukunft an. Die Themen Wohnen, Verkehr und soziale Infrastruktur sollen bearbeitet werden. Konkret heißt das: An einer Verknüpfung beider Stadtgebiete – nördlich und südlich der B8 – soll gearbeitet werden. Schramm kann sich eher eine Unterführung als eine Brücke vorstellen. Vor allem, wenn ein anderes verkehrspolitisches Ziel verwirklich wird: Ein Kreisel anstelle der Kreuzung B8/Böhmerwaldstraße. „Dessen Praktikabilität muss aber erst geprüft werden.“

Konkreter ist da die Schaffung von neuem Wohnraum im Bereich der Breslauer Straße/Galgenwasen. Preiswerten Mietwohnungsbau kündigte Schramm in diesem Bereich an. Keine Luxuswohnungen. „Wir sollten auf die Nachfrage achten.“ In der Breslauer Straße sind Neubauten bis zur Hausnummer 32 schon geplant. In diesem Bereich kann er sich auch die Ansiedlung von Gastronomie, Einzelhandel und eventuell eines Ärztehauses vorstellen. „Der Schwerpunkt sollte aber auf dem Bereich Wohnen liegen.“

Überhaupt: Der Wohnungsbau. Etliche Häuserzeilen in der Siedlung sind ins Alter gekommen. Schramms Rat: Die Ausweisung eines Sanierungsgebietes. Bei Modernisierungen könnten die steuerlichen Abschreibungen so erhöht werden. Eventuell kann die Stadt das Ansinnen mit einem kommunalen Förderprogramm begleiten.

Grüne Zonen besser erreichen

An Ideen für die künftige Entwicklung mangelt es nicht. In Arbeitsgruppen und Besprechungen haben sich die Siedler mit der lebenswerten Zukunft ihres Stadtteiles auseinandergesetzt. Immer wieder ging es dabei auch um Grünanlagen. Im Bereich Mainbernheimer Straße/Breslauer Straße sei so eine Aufwertung sicher notwendig, meinte Schramm. Generell plädierte er allerdings für eine bessere Erreichbarkeit der Flächen links und rechts der Siedlung. Relativ schnell komme man zu Fuß an den Rödelbach beziehungsweise in den Sickergrund. Diese Bereiche müssten für Spaziergänger natürlich entsprechend aufgewertet werden.

Bürger sind weiterhin gefragt

Eine Aufwertung wäre auch im so genannten Notwohngebiet wünschenswert. Schon der Name sei mehr als unglücklich, kritisierte Schramm. Als vorübergehendes Heim für Obdachlose gedacht, hat sich das „Notwohngebiet“ mittlerweile zu einem festen Bestandteil der Siedlung entwickelt. „Manche Menschen leben dort schon seit 40 Jahren.“ Konflikte seien auch deshalb vorprogrammiert. Schramm riet dazu, die Belegung der vier Häuser auf lange Sicht zu begrenzen und für Obdachlose zu reservieren. Von einer rasanten Entwicklung riet er jedoch ab. Den Menschen müsse eine gute Wohnalternative geboten werden.

Der vorläufige Entwicklungsplan soll im Stadtteilzentrum ausgehängt, die Details in der Arbeitsgruppe „Soziale Stadt“ beraten werden. Mit den Ergebnissen soll dann der Stadtrat im kommenden Jahr konfrontiert werden.

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