Würzburg
Gericht

Erst Brandstiftung, dann volltrunken stiften gegangen

Mit knapp drei Promille ist ein junger Mann fast 50 Kilometer gefahren. Vorher hat er die Wohnung seiner Vermieter angezündet. Mit einem brennenden Strafbefehl, den er aufs Bett warf.
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Erst hat ein 23 Jahre alter Mann in seiner Einliegerwohnung, früh gegen fünf Uhr, das Bett angezündet, dann fuhr er mit knapp drei Promille und ohne Führerschein mit einem nicht zugelassenen Fahrzeug von Estenfeld zu seinen Großeltern nach Oberschwarzach und hat dort seinen Rausch ausgeschlafen. Heute wurde der junge Mann vor einer Großen Strafkammer unter anderem wegen schwerer Brandstiftung angeklagt.

Als er am frühen Morgen des 13. März 2012 nach durchzechter Nacht nach Hause kam, habe er sich über einen Strafbefehl aufgeregt, den er einige Tage vorher von der Justiz für Fahren ohne Fahrerlaubnis erhalten hatte, so der Angeklagte. Deswegen habe er beschlossen, das Papier zu vernichten und anzuzünden. Er habe den Strafbefehl einfach weg geworfen und zufällig sei der aufs Bett gefallen.


Passant rettete die Schlafenden


Als das Bett in Flammen stand, sei er in Panik geraten und geflohen. Dass im Stockwerk über ihm die Vermieter schliefen, daran habe er nicht gedacht. Die überlebten den Brand in der Einliegerwohnung nur mit viel Glück. Ein Passant, der früh unterwegs war, hatte die Flammen gesehen und die tief schlafenden Hauseigentümer durch heftiges Klopfen geweckt. So kam es nur zu Sachschaden in Höhe von knapp 70.000 Euro.


Wie er von Estenfeld im Landkreis Würzburg nach Oberschwarzach im Landkreis Schweinfurt kam, wisse er nicht mehr, so der junge Mann mit abgebrochener Ausbildung in einem Würzburger Hotel. Angeblich hatte er einen "Filmriss".

Unterwegs muss er, so die Ermittlungen der Polizei, nach Unfallspuren am Fahrzeug mindestens einen Leitpfosten umgelegt haben. Auf Frage des Gerichts, ob er nicht ausgestiegen sei, als es knallte, es hätte doch auch ein Fußgänger sein können, sagte der Angeklagte nein, er sei sicher gewesen, dass es nur ein Pfosten war.
Als er bei seinen Großeltern ankam, früh am Morgen und erkennbar betrunken, will er die gebeten haben, Feuerwehr und Polizei zu verständigen. Doch die hätten das nicht ernst genommen, sondern ihm was zu essen hingestellt und gesagt, er solle dann erst mal ins Bett und ausschlafen.

Der 23- Jährige trinkt nach eigenen Angaben seit vielen Jahren nicht regelmäßig, aber oft. "Ich habe kein Alkoholproblem", erklärte er den Richtern. "Ich kann nur dann, wenn ich trinke, nicht aufhören." Immer wieder sei es daher schon zu einem totalen "Kontrollverlust" und "black out" gekommen.


Vorgeglüht mit Wein und Bier


Bevor er gegen Mitternacht mit einem Taxi nach Würzburg fuhr, habe er daheim wie üblich "vorgeglüht", mit fünf oder sechs Flaschen Bier und einer Flasche Rotwein. Der Türsteher einer Disko in der Würzburger City, wo sich der Angeklagte bis zum Morgen aufhielt, kannte den Gast bereits, weil der dort immer unangenehm aufgefallen und schon wiederholt rausgeworfen worden war. "Es hat immer Ärger gegeben, weil er so voll war", so der Zeuge. Dann sei der junge Mann aggressiv und laut geworden. Er habe Gäste , Servicepersonal und Türsteher erheblich beleidigt und Frauen sehr derb angemacht. In der Nacht, die mit einer Brandstiftung endete, sei in der Disko auch wieder keiner so betrunken gewesen wie der Angeklagte.

Vier Vorstrafen haben mit Alkohol zu tun, bei einem Verkehrsunfall ging man von Suizid-Absicht aus. Wiederholt, aber nur kurz, war der Angeklagte bereits in der Psychiatrie untergebracht. Er habe schon immer versucht aufzufallen, sagte ein Freund, der ihn seit der Schulzeit kennt: An einem Würzburger Gymnasium war er als Schüler mit seinem BMW- Cabrio bis fast vor die Schultüre gefahren,. Das Abitur schaffte er trotz wiederholter Klassen nicht und in den Jahren danach kam er über Gelegenheits-Jobs in der Gastronomie nicht hinaus.
"Feiern" war ein Schwerpunkt seines Lebens und darunter ist, erfuhr das Gericht auf Nachfragen, erheblicher Alkoholkonsum zu verstehen und wohl auch Drogenkonsum zum Wachbleiben beim "Feiern".


Überschäumende Gefühle


Wiederholt sprach das Gericht die Intelligenz des Angeklagten an. Er hätte doch merken müssen, dass es so nicht weiter gehen kann. Und der 23-Jährige antwortete fast theatralisch geschraubt: Unmittelbar vor der Brandstiftung habe es ein "Überschäumen der Gefühle" gegeben, seine subjektive Einschätzung habe ihm gesagt, dass er zu Unrecht zu einer Geldstrafe verurteilt wurde. Das habe ihn zum Zorn verleitet und ihn den Strafbefehl anzünden lassen.

Häufig sagt er "man", wenn er "ich" meint. Ja, bestätigt er dem Gericht, bei dem erheblichen Alkoholkonsum mit totalem Kontrollverlust hätte man sich professionelle Hilfe suchen müssen. Nach den Plädoyers soll am Freitag das Urteil verkündet werden.




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