Szene 1: Männer und Frauen stehen in einem Laubwald. Das Sonnenlicht schimmert schräg durch die Blätter. Ein Mann in Jägergrün spricht, die anderen hören zu. Ein anderer Mann mit schwarzem Hemd, Kopfhörern und Videokamera steht völlig bewegungslos zwischen den anderen Menschen.
Als eine weitere Person das Wort ergreift, schwenkt der Kameramann auf den Redner. Dann verfällt er wieder in seine starre, aber konzentrierte Körperhaltung.
Szene 2: Christian Gimperlein sitzt in seinem Arbeitszimmer in Dornheim und schaut auf den Bildschirm seines Computers. Über die Mitte verläuft eine Linie von Bildschnipseln, darüber sind größere Bilder zu sehen. Auf einem extra Monitor rechts davon tauchen die selben Standbilder in Großformat auf - von einem Video mit Aufnahmen aus Iphofen. An diesem Arbeitstisch schneidet der 30-Jährige das Videomaterial zu, das er zuvor aufgenommen hat.
Christian Gimperlein produziert Werbefilme für alle gewerblichen Bereiche und macht Videomarketing für weltweit agierende Unternehmen. Er zeigt in seinen Filmen, wie Maschinen arbeiten oder wie beispielsweise eine Fußbodenheizung verlegt wird.
Der Produzent kümmert sich vom ersten Briefinggespräch bis zum fertigen Film um alles, das heißt, um das Drehbuch, die Aufnahmetechnik, die Beleuchtung, die Schauspieler, die Regie, den Schnitt, die Vertonung mit Sprecher und Musik, um Texteinblendungen, Animationen und DVD-Authoring.
Für die Stadt Iphofen produzierte Christian Gimperlein einen Imagefilm, der das besondere historische Flair der Stadt zeigt.
Dass er so nah an seinem Geschäftssitz tätig ist, ist eher die Ausnahme. Denn die meisten seiner Auftraggeber sind nicht in Dornheim, Iphofen oder im Landkreis Kitzingen ansässig. Der hauptsächliche Teil seiner Aufträge spielt sich im gesamten nordbayerischen Raum ab. Aber auch Sachsen, Thüringen, Baden-Württemberg, Hessen und Nordrhein-Westfalen gehören zu seinem Einzugsgebiet, wo er schon des öfteren für Produktionen unterwegs war.
Christian Gimperlein hat sein Hobby zum Beruf gemacht. Alles begann vor etwa zehn Jahren, als er sich eine kleine Filmkamera kaufte. "Ich habe sie noch", sagt er grinsend und hält das Gerät in die Luft. Das Ganze habe sich dann weiterentwickelt, erzählt er, zunächst mit Auftragsarbeiten für den Bekanntenkreis. Dann bekam er ein Volontariat bei einem regionalen Fernsehsender in Köln und lernte das Filmen und Videos drehen von der Pike auf. Es folgte die Festanstellung in einer Werbeagentur.
Ende 2009 hat sich Christian Gimperlein selbstständig gemacht. "Im Laufe der Zeit hatte ich mir das Know How dazu angeeignet. Ich arbeitete mit anderen professionellen Leuten zusammen", sagt er. In zwei Gebäuden in Dornheim hat er sich gewerbsmäßig und fachmännisch eingerichtet. Da täuscht das Arbeitszimmer mit seinen Grünpflanzen und der Sitzecke etwas. Wenn er nicht filmt, spielen sich sein Handwerk und seine Kunst im Computer ab.

Im Nachbargebäude ist ein Zimmer zum Audio-Studio der Firma CHG Multimedia umfunk-tioniert: mit Teppichboden an den Wänden, einem Schlagzeug und verschiedenen E-Gitarren sowie einem Mischpult mit zig Reglern und Knöpfen.

Image-, Prozess-, Produkt-, Messe- und Eventfilme entstehen in Dornheim. Zu Gimper-leins Ausrüstung gehören unter anderem zwei Kameras, ein Licht-Koffer mit Scheinwerfern zum Ausleuchten, ein Stativ und ein Kran, den er auf sechs Meter Länge ausziehen kann. Damit kann er die Kamera auch an ungewöhnlichen Stellen positionieren, was aufregende Blickwinkel erzeugt. "Mit dieser Ausrüstung setze ich die Motive in Szene", erklärt der Profi-Videofilmer. "Es ist gut gemacht, wenn nichts weiter auffällt, sondern alles ganz natürlich wirkt."
In machen Fällen holt er sich freie Mitarbeiter und mietet zusätzliches Equipment. Für viele Produktionen setzt er professionelle Sprecher ein. Die Sprachaufnahme ergibt eine Datei, die er unter die Videoaufnahme schneidet. Mit Hintergrundmusik, für die er eine extra Software verwendet, geht es ähnlich. Sie wird entsprechend neu geschnitten. Die Lautstärke und die Dominanz von Instrumenten können verändert werden. In seinem Audio-Studio macht er die Musik manchmal auch selbst. Gimperleins Ziel: "Es muss alles wirken wie aus einem Guss."
Nun die Auflösung von Szene 1: Christian Gimperlein wurde von der Stadt Iphofen damit beauftragt, ein D.7-Video über das Life+-Naturprojekt "Wälder und Waldwiesentäler am Stei-
gerwaldrand bei Iphofen" zu drehen und damit einer Münchner Filmproduktionsfirma zuzuarbeiten. Für dieses Video begleitete er die Stadträte in die Iphöfer Waldungen, wo Stadtförster Rainer Fell über Naturverjüngung, Pflanz- und Pflegemaßnahmen sprach. Das Ganze soll drei Filme zu je sechs Minuten Länge ergeben - für Christian Gimperlein war es einer von vielen langen Drehtagen.

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