MARKTBREIT

Endlich auf die Socken machen

„Monday Socks“ – so heißt die vierköpfige Band, die beim Zukunftsfestival „We for future“ am 27. Juli in Marktbreit für mehr Klimaschutz auftritt. Dass sich die jungen Musiker – allesamt Anfang 20 – nicht nur musikalisch, sondern auch umweltpolitisch auf die Socken machen, gehört zu ihrer Lebensphilosophie.
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Hier lassen sie mal die Beine baumeln. Ansonsten treten die „Monday Socks“ aber vehement auf: für Klimaschutz mit Musik. Foto: Foto: Ramsteiner
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„Monday Socks“ – so heißt die vierköpfige Band, die beim Zukunftsfestival „We for future“ am 27. Juli in Marktbreit für mehr Klimaschutz auftritt. Dass sich die jungen Musiker – allesamt Anfang 20 – nicht nur musikalisch, sondern auch umweltpolitisch auf die Socken machen, gehört zu ihrer Lebensphilosophie.

Habt Ihr Angst vor der Zukunft?

Veronika: Um ganz ehrlich zu sein, mache ich mir schon Sorgen, dass sich nicht genug ändert und die Klimaerwärmung und damit die Veränderung unserer Ökosysteme auf der Erde nicht mehr aufzuhalten sind. Die Vorstellung, dass die Generationen nach uns – und schon jetzt die Menschen auf anderen Teilen der Erde – mit den Problemen zu kämpfen haben, die unser Verhalten hervorruft, bereitet mir Bauchschmerzen.

Klingt pessimistisch.

Veronika: Ich wäre da gerne optimistischer. Es gibt ja schon viele Bemühungen und Initiativen, die sich für Nachhaltigkeit einsetzen, aber das Gefühl, es könnte nicht genug sein, sitzt mir immer im Nacken.

Noah: Wenn ich Bilder sehe vom sogenannten „Ewigen Eis“, das mehr und mehr abnimmt, wird mir angst und bange. Südafrika geht das Wasser aus und auf der anderen Seite werden ganze Städte bald vom steigenden Meeresspiegel verschlungen.

Muriel: Es ist seltsam, dass die Menschheit in Sachen Forschung und Entwicklung schon so weit ist, aber die Folgen des Klimawandels einfach noch nicht jeder verinnerlicht hat.

Mit Musik geht alles besser – auch Klimaschutz und Nachhaltigkeit?

Noah: Wenn mit Musik die Aufmerksamkeit auf existenzbedrohende Probleme gelenkt wird, hat sie

ihren Job gut gemacht!

Muriel: Ich bin mir sicher, dass Musik Botschaften transportieren kann, auch Themen wie Klimaschutz und Nachhaltigkeit.

Ihr tretet ohne Gage beim Zukunftsfestival auf. Mit welcher Botschaft?

Veronika: Es geht nicht immer nur um den eigenen Vorteil. Manchmal muss man auch für etwas Wichtigeres als man selbst eintreten!

Muriel: Uns ist es ein Anliegen, mindestens einmal im Jahr für einen guten Zweck aufzutreten und die Menschen für Zukunftsthemen zu sensibilisieren.

Ihr seid altersmäßig noch recht nah dran an der „Generation Greta Thunberg“. Was haltet Ihr von deren Initiative?

Veronika: Ich unterstütze ihre Initiative voll und ganz!

Noah: Es geht um die Zukunft unserer Generation und da ist es eben auch mal nötig, durch Schulstreiks international Aufsehen zu erzeugen! Der nächste Schritt muss jetzt sein, konkrete Forderungen an die Politik zu stellen und dann, wenn die Forderungen nicht erfüllt werden, die Streiks weiter auszudehnen!

Muriel: Ich finde es super, wenn man in so jungem Alter schon kapiert, was in der Welt passiert! Und dann auch noch den Mut zu haben, den Mund aufzumachen und so eine Bewegung zu starten – das verdient meinen höchsten Respekt!

So mancher wirft den jungen „Fridays for Future“-Demonstranten vor, nur Schule schwänzen zu wollen, aber sich sonst nicht nachhaltig zu verhalten, Klamotten in Billigläden zu kaufen, Handys zu benutzen, für die wertvolle Rohstoffe abgebaut werden, und so weiter...

Veronika: Am besten ist es natürlich, wenn man sich in möglichst vielen Bereichen für ein nachhaltiges Leben einsetzt. Nichtsdestotrotz ist das Engagement in einem Bereich besser als gar keines. Hier geht es auch um die Frage, wer für den Klimaschutz zuständig ist – jeder Mensch? Oder die Wirtschaft und die Politik? Ich finde es wichtig, dass jeder Einzelne versucht, sein Leben nachhaltig zu führen, aber ich denke, dass Wirtschaft und Politik einen Großteil dazu beitragen können. Es ist gut, dass da Druck gemacht wird. Die Demos sind enorm wichtig. Da ist es für mich zweitrangig, ob die Jugendlichen sich „einwandfrei“ nachhaltig verhalten. Immerhin gehen sie einen Schritt in die richtige Richtung!

Muriel: Bestimmt gibt es auch Mitläufer, die die Demos ausnutzen, um nicht zur Schule zu müssen. Aber ich bin mir sicher, dass einem Großteil der Jugendlichen die Zukunft am Herzen liegt. Sie fühlen sich mitverantwortlich für eine bessere Welt.

Wie verhaltet Ihr Euch privat in Sachen Klimaschutz?

Veronika: Ich beschäftige mich seit ein paar Jahren damit, mein Leben nachhaltiger zu gestalten. Meine Ernährung ist jetzt größtenteils vegan, im Badezimmer habe ich das Meiste ersetzt, was unnötig Müll produziert, so gut wie alle Strecken in der Stadt fahre ich mit den öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Rad und auf Flüge verzichte ich generell, soweit es irgendwie geht. An meinem Wasserverbrauch muss ich noch arbeiten. Oft hilft nur Ausprobieren und kreativ sein. Indem man immer wieder kleine Gewohnheiten ändert, ist ein nachhaltigeres Leben machbar!

Noah: Meine Freundin und ich versuchen, so gut es eben geht, auf Plastik beim Einkauf zu verzichten. Auch öffentliche Verkehrsmittel und das Fahrrad nutzen wir häufig. Wobei es uns die Stadt Würzburg nicht so einfach macht! Außerdem informieren wir uns auch, welche Parteien welchen Standpunkt zum Klimaschutz haben und lassen das in unsere Wahlentscheidung einfließen.

Muriel: Schon von klein auf bin ich es gewohnt, den Müll richtig zu trennen oder beim Zähneputzen das Wasser nicht laufen zu lassen, da haben meine Eltern uns viel mitgegeben. In meinem Alltag bleibt das Auto stehen, ich nutze Bus und Straßenbahn, um zur Uni zu kommen. Außerdem versuchen wir, regionale Produkte wie Obst und Gemüse auf dem Markt zu kaufen und sind vor kurzem beispielsweise auf Glasflaschen bei der Milch umgestiegen. Das alles ist aber leider verhältnismäßig teuer und deshalb nicht konsequent umsetzbar, wenn man noch studiert.

Wenn Ihr politisch das Sagen hättet, was würdet Ihr ändern? Welche Gesetze würdet Ihr erlassen?

Veronika: Spontan würde ich sagen: Der Stadtverkehr muss eingeschränkt werden. Stattdessen müssen mehr bezahlbare, öffentliche Verkehrsmittel angeboten werden. Insgesamt muss eine umweltfreundliche Infrastruktur geschaffen werden. Außerdem müssen Fleisch und tierische Produkte teurer werden. Generell brauchen wir mehr Richtlinien, was Massentierhaltung betrifft. Am liebsten würde ich diese ganz abschaffen. Auch würde ich Unternehmen und andere Institutionen, die sich für Nachhaltigkeit einsetzen, mehr subventionieren und dafür alles, was schädlich für die Umwelt ist, höher besteuern.

Noah: Eine CO2-Steuer wäre meines Erachtens nach sinnvoll. Genauso wie ein konkretes Datum, ab wann keine neuen Autos mit Verbrennungsmotor mehr zugelassen werden. Außerdem sollte mehr Geld in Forschung für synthetische Kraftstoffe und das Wasserstoffauto gesteckt werden. Fahrradwege sollten ausgebaut und Busse elektrifiziert werden!

Muriel: Eines liegt mir ganz besonders am Herzen. Ich würde versuchen, die Nahverkehrsmittel so günstig wie möglich zu machen. Die Leute wollen sie ja nutzen, für viele ist es aber einfach nicht machbar, wenn man für eine Kurzstrecke schon fast zehn Euro zahlt!

Wer Euch live erleben will, kann das am 27.7. beim „We-for-Future-Festival“ in Marktbreit. Worauf dürfen sich die Besucher freuen?

Noah: Gute, handgemachte Musik!

Muriel: Wir haben Lieder für alle Generationen. Uns ist es wichtig, dass für jeden etwas dabei ist. Uns wird nachgesagt, dass wir noch „echte“ Musik machen – unsere Songs kommen von Herzen!

ZUR PERSON:

Veronika Demuth, 22 Jahre alt, kommt aus Obernbreit, hat ihr Bachelorstudium in Pädagogik abgeschlossen und studiert nun Grundschullehramt in Würzburg. In ihrer Freizeit spielt sie Klavier und Tennis, lernt Gitarre und trifft sich gerne mit Freunden.

Noah Weißenberger ist 23 Jahre alt und Restaurantleiter. In seiner Freizeit mag der Marktbreiter gutes Essen, guten Wein und gute Musik.

Muriel Ramsteiner, 23, studiert Grundschullehramt, ist Mitglied im Verein „We for future“, mag Musik und arbeitet ehrenamtlich in der Evangelischen Jugend.

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