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Emotionaler Genuss

Der Weintourismuspreis 2019 geht an die Gästeführer "Weinerlebnis Franken"
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Die Vorstandsmitglieder des Vereins Gästeführer „Weinerlebnis Franken.“: Dr. Markus Frankl (Würzburg), Martina Reiss (Würzburg), Claudia Schönmüller (Güntersleben), Dr. Gabriele Brendel (Eibelstadt), Barbara Baumann (Handthal), Ester Simon (Alzenau-Wasserlos), Angelika Körber (Erlabrunn) und Margitta Dosch-Sebold (Eisenheim). Foto: Foto: Gästeführer „Weinerlebnis Franken“
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So viele Preisträger gab es noch nie. Auf der Bühne in der Karl-Knauf-Halle ging es richtig eng zu. Der Fränkische Weintourismuspreis 2019 ging am Montagvormittag an die Gästeführer „Weinerlebnis Franken“. Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber sprach von einem längst überfälligen Schritt und überreichte Urkunde und Skulptur an die Vereinsvorsitzende Barbara Baumann.

Schon die blanken Zahlen bestätigen die Aussage der Ministerin: Im Jahr 2017 nahmen rund 125 000 Personen an über 6300 Veranstaltungen der „Gästeführer Weinerlebnis Franken“ teil. Fast 300 dieser bestens ausgebildeten Gästeführer gibt es mittlerweile. Kein Wunder, dass Kaniber von einer „einzigartigen und herausragenden Arbeit“ sprach. Die Gästeführer seien ein unverzichtbarer Bestandteil im touristischen Angebotsmix und unerreichte Spitze im bundesweiten Vergleich. Längst haben andere Weinbauregionen das fränkische Konzept übernommen.

„Die Zahlen lassen erahnen, was für ein

Wertschöpfungspotenzial hier für Weinfranken

entstanden ist.“

Michaela Kaniber, Landwirtschaftsministerin

Das nahm seinen Anfang im Jahr 1997. Dr. Herrmann Kolesch und Georg Bätz von der Landesanstalt für Wein- und Gartenbau (LWG) suchten Lösungen aus der Krise der fränkischen Weinwirtschaft und fanden sie unter anderem in einem Projekt, das 22 Jahre später „immer noch den Nerv der Zeit trifft“, wie Ministerin Kaniber betonte. Der Gast von heute suche mehr denn je die Begegnung, er wolle beim Reisen Land und Leute kennenlernen und zuhause von den Menschen, die er getroffen hat, berichten. „Der emotionale Genuss ist gefragt“, erklärte Kaniber. Die Gästeführer „Weinerlebnis Franken“ befriedigen diese Nachfrage auf professionelle und individuelle Art.

Die Zahl der Mitstreiter und Mitstreiterinnen wuchs rasch, die Nachfrage nach den Kursen war und ist groß. In den ersten zehn Jahren nach Einführung des Lehrgangs wurde jedes Jahr ein neuer Durchgang angeboten. Dabei ist die Ausbildung durchaus anspruchsvoll, umfasst 23 Tage und wird innerhalb von sechs Monaten in zwei- bis dreitägigen Blöcken durchgeführt. Themen wie die Geschichte und Struktur des fränkischen Weinbaus werden behandelt, die Grundlagen des ökologischen Weinbaus sowie kellerwirtschaftlichte Grundlagen erörtert und die „Dramaturgie der Gästeführung“ vorgestellt.

Zum Abschluss muss eine mündliche und schriftliche Prüfung abgelegt werden. 298 ausgebildete Gästeführer und Weindozenten haben diese Prüfungen mittlerweile abgelegt. In diesem Jahr werden 30 neue hinzukommen. Bei den Gästen kam das Angebot von Anfang an gut an. 721 Führungen gab es bereits im Jahr 2002. Dabei wurden 9350 Gäste erreicht. 2017 waren es mehr als zehn- mal so viele Teilnehmer. „Die Zahlen lassen erahnen, was für ein Wertschöpfungspotenzial hier für Weinfranken entstanden ist“, meinte Kaniber. Neue Kunden konnten gewonnen, ein enormer Imagegewinn erzielt werden.

Frauen und Männer, Weinfachleute und Neugierige lassen sich zum Gästeführer ausbilden. „Uns alle verbindet ein Gen“, sagt Gabriele Brendel, Vorstandsmitglied im Verein und seit dem Jahr 2000 selbst ausgebildete Gästeführerin. „Die Liebe zum Wein und zur Natur.“ Die Individualität der Gästeführer sei auch deren Stärke. Jeder kann seine besonderen Talente und Vorlieben in sein persönliches Konzept einbringen. Und so gibt es Angebote wie „Die musikalische Weinprobe“ oder einen Stadtrundgang bei Nacht mit Laterne und Weinproben an ausgewählten Standorten – und vieles mehr.

Mittlerweile ist die Nachfrage an der Ausbildung so groß, dass interessierte Kandidaten ausgewählt werden. Sie müssen eine Bewerbung vorlegen und versichern, dass sie im Anschluss an die Ausbildung auch tatsächlich Führungen anbieten. „Ein Empfehlungsschreiben vom Bürgermeister oder dem örtlichen Weinbauvorsitzenden ist hilfreich“, sagt Brendel. Trotz der großen Zahl an Gästeführern gibt es immer noch weiße Flecken in Weinfranken.

In diesem Frühjahr wird nach zweijähriger Pause erneut ein Kurs angeboten. „Wir brauchen wieder neue Mitglieder“, sagt Brendel. Die Pioniere der ersten Stunde danken langsam ab, die Aufgaben und Termine werden aber nicht weniger. Neben Führungen im Ort, stehen auch Messebesuche auf dem Programm. Einmal im Jahr organisieren die Gästeführer Weinerlebnistage in einer anderen fränkischen Region. Bei den kostenlosen Führungen wird Geld für einen guten Zweck gesammelt.

„Uns alle verbindet ein Gen. Die Liebe zum Wein und zur Natur.“
Dr. Gabriele Brendel, Vorstandsmitglied

Gabriele Brendel hat sich „gigantisch“ über den Preis gefreut. „Wir werden damit als anerkannter Bestandteil im Fränkischen Weintourismuskonzept ernst genommen“, sagt sie und hofft auf neuen Schwung.

Vereinsvorsitzende Barbara Baumann nahm die Auszeichnung stellvertretend für ihre Kolleginnen und Kollegen entgegen. „Dieser Preis bestärkt uns“, meinte sie. „Und er motiviert uns.“ Dann rief sie alle anwesenden Gästeführer in der Karl-Knauf-Halle nach vorne. Während sich der Saal langsam leerte, wurde der Platz auf der Bühne immer enger.

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