PRICHSENSTADT

Einigung auf der Zielgeraden

Ende gut, alles gut: In Prichsenstadt wird es auch weiterhin eine Hausarztpraxis geben. Es fehlt nur noch die Zusage der Kassenärztlichen Vereinigung, dass der Arztsitz auch nach dem Jahr 2020 in Prichsenstadt verbleiben kann.
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Das Ärztehaus in Prichsenstadt. Nach langem Hin und Her bleiben die Allgemeinärzte Alexander Schöpfel und Eleonara Rieger jetzt doch im Ort. G. Chuleck Foto: Archivfoto:
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Ende gut, alles gut. Bis auf eine Kleinigkeit lässt sich das im Fall des Prichsenstädter Hausärztestreits sicherlich so konstatieren. Es fehlt nur noch die Zusage der Kassenärztlichen Vereinigung, dass der Arztsitz auch nach dem Jahr 2020 in Prichsenstadt verbleiben kann.

Rückblick: Im Sommer diesen Jahres war es eines der am meisten diskutierten Themen in Prichsenstadt und Umgebung. Die langjährigen Hausärzte Alexander Schöpfel und Eleonora Rieger hatten ihren Abschied aus Prichsenstadt angekündigt. Die Vertragsverlängerung für die Vermietung der rund 160 Quadratmeter großen Praxis war gescheitert, die Gespräche im Sand verlaufen. Zur Erinnerung: Das Ärztehaus in der Bahnhofstraße ist als Spitalstiftung im Besitz der Stadt und 2004 generalsaniert worden, um den Zahnärzten im Obergeschoss ein gutes Arbeiten zu ermöglichen.

„Ein Vorgespräch wäre mehr als sinnvoll gewesen.“
René Schlehr Bürgermeister

Im Januar 2006 zogen die beiden Hausärzte ins Erdgeschoss ein, entschieden sich 2011 für einen Verbleib im Ort und gegen einen Umzug ins damals neu erbaute Ärztehaus nach Wiesentheid. Der Stadtrat senkte die Miete, dieser Vertrag sollte im Jahr 2019 in einen unbefristeten umgewandelt werden. Die Stadt schickte jedoch in diesem Sommer eine Änderungskündigung mit einer Verdreifachung der Miete. Und das alles ohne Vorankündigung – was Bürgermeister René Schlehr in der jüngsten Bürgerversammlung als Fehler einräumte. „Ein Vorgespräch wäre mehr als sinnvoll gewesen.“

Wie auch immer: Mit dem Versenden der Änderungskündigung kamen Stadt und Ärzte auf keinen gemeinsamen Nenner mehr. Im August kündigten die Ärzte an, ins benachbarte Wiesentheid zu ziehen. Ein Kaufvertrag für ein Grundstück war schon unterzeichnet, ein Architekt beauftragt. Die Eröffnung war fürs Jahr 2020 anberaumt. Umso überraschender das Happy-End. In der Prichsenstädter Bürgerversammlung Mitte Oktober deutete sich bereits ein Umdenken an. Auf die Frage eines Bewohners, ob es nicht doch noch eine Einigung geben könne, ob ein Mietpreis von sieben Euro pro Quadratmeter nicht eine annehmbare Kompromisslösung für alle Seiten sein könne, setzte offensichtlich ein erneutes Nachdenken ein.

„Wir haben uns danach zusammengesetzt“, bestätigt Alexander Schöpfel auf Nachfrage dieser Zeitung. Alle drei Prichsenstädter Bürgermeister, die beiden Ärzte und Dr. Georg Klose als Mediator führten offenbar ein klärendes Gespräch. „Es war eine konstruktive Atmosphäre“, bestätigt Schöpfel. „Und jetzt haben wir einen guten Vertragsinhalt.“

Die Notar- und Architektenkosten, die er in Wiesentheid bereits investiert hat, sind für Schöpfel nicht entscheidend. „In der Summe ist es für alle Beteiligten besser, wenn wir in Prichsenstadt bleiben“, sagt er. Die Wiesentheider seien in Bezug auf eine ärztliche Versorgung bereits gut aufgestellt, was Wiesentheids Bürgermeister Dr. Werner Knaier auf Nachfrage bestätigt. Knaier hatte von der Wende bislang nur gerüchteweise gehört. „Ich habe damit emotional überhaupt kein Problem“, versicherte er. Selbst wenn das vorgesehene Grundstück im Gewerbegebiet wieder zurückgegeben wird, sei das kein Problem. „Wir haben andere Anfragen vorliegen“, so Knaier, der sich freut, dass die Ärzte in der Region bleiben.

Sein Prichsenstädter Amtskollege will sich nicht mehr groß über die Angelegenheit äußern. „Wir haben uns friedlich geeinigt. Wir sind alle zufrieden und sollten jetzt auch Gras über die Sache wachsen lassen.“ Entscheidend sei das Ergebnis und das sei nicht nur kurzfristig, sondern auch auf lange Sicht erfreulich für die Prichsenstädter.

„Wir wollen nach vorne blicken und nicht mehr nach hinten.“
Alexander Schöpfel, Hausarzt

Alexander Schöpfel bestätigt, dass er und seine Kollegin längerfristig planen und am liebsten bis zu ihrem Ruhestand in Prichsenstadt praktizieren wollen. Das einzige, formale Hindernis ist jetzt noch die Zustimmung des Zulassungsausschusses für Hausärzte in Unterfranken. Der hatte einem Umzug und damit einer Verlegung des Arztsitzes ab 2020 nach Wiesentheid bereits zugestimmt und wurde nun schriftlich gebeten, diese Zusage wieder rückgängig zu machen – damit der Arztsitz auch offiziell in Prichsenstadt verbleiben kann. Vor der Genehmigung einer Praxissitzverlegung hat der Zulassungsausschuss zu prüfen, ob sich die Verlegung nachteilig auf die bereits bestehende Versorgungslage auswirkt, informiert der Vorstandsbeauftragte der KVB Unterfranken, Dr. med. Christian Pfeiffer, auf Nachfrage. Er stellt aber klar: In der Regel sollte der Verbleib eines Arztes an seinem bisherigen Vertragsarztsitz kein Problem darstellen.

Das letzte halbe Jahr war in Prichsenstadt nicht einfach. Die verhärteten Fronten haben allen zugesetzt. „Die Vermittlung durch Dr. Georg Klose war hilfreich. Vielleicht hätte uns das allen von Anfang an geholfen“, sagt Alexander Schöpfel auf Nachfrage. Jetzt sei es Zeit, die Vorkommnisse zu vergessen und einen Neustart zu wagen. „Wir wollen nach vorne blicken und nicht mehr nach hinten.“

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