MÖNCHSONDHEIM

Eine starke Gemeinschaft

Mit ihrem Hobby bereichern die Musiker des Posaunenchors Mönchsondheim seit fünf Jahrzehnten das Dorfgeschehen.
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Vor 50 Jahren wurde der Posaunenchor Mönchsondheim gegründet und bereichert seitdem mit seinen Auftritten das Dorfgeschehen. Obmann Rainer Steudtner (rechts) und seine Musiker freuen sich nun auf den großen Festgottesdienst zum Jubiläum. Foto: Foto: Reinhard Hüßner
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Weit über 5000 Stunden. Am Stück wären das deutlich mehr als 200 Tage. So lange haben Georg Weigand und Günter Wolf schon für den Posaunenchor Mönchsondheim ihre Instrumente geblasen. Jetzt steht ein besonderer Auftritt für die beiden Gründungsmitglieder und ihre Musikerkollegen an: Am Sonntag, 22. September, wird das 50-jährige Jubiläum des Posaunenchors mit einem Festgottesdienst gefeiert.

Die Gruppe, die seit fünf Jahrzehnten das Dorfleben musikalisch bereichert, haben die Mönchsondheimer einem Zugezogenen zu verdanken. Als Günther Kohr ins Dorf eingeheiratet hatte, vermisste er die Musik. Also regte er an, man könne doch einen Posaunenchor gründen. Seine Idee traf auf fruchtbaren Boden. 14 Mönchsondheimer zeigten Interesse, „aber wir haben keine Noten gekonnt“, blickt Georg Weigand zurück. Also übernahm Hauptlehrer Karl Werzinger die musikalische Grundausbildung. Die Instrumente wurden erst mal geliehen, dann konnten dank einer Dorfsammlung einige angeschafft werden. 14 Gründungsmitglieder sowie Dekan Joachim Bomhard waren bei der offiziellen Geburtsstunde des Posaunenchors Mönchsondheim dabei.

Heute treffen sich 18 Musiker mit ihren Trompeten, Tenorhörnern und Posaunen regelmäßig einmal wöchentlich zur Chorprobe, darunter Gründungsmitglieder wie Georg Weigand und Günter Wolf, sechs Frauen und mehrere Jugendliche. „Unsere Musiker sind 13 bis 69 Jahre alt“, erzählt Obmann Rainer Steudtner nicht ohne Stolz. Schließlich ist es in vielen Orten nicht einfach, Nachwuchs für Musikchöre zu finden. In Mönchsondheim läuft das gut, wohl auch, weil der Nachwuchs über die Musikschule Kitzingen/Zweigstelle Iphofen ausgebildet wird.

„Dadurch erreichen wir viele Musiker aus der Hellmitzheimer Bucht.“ Sechs junge Mönchsondheimer besuchen derzeit die Musikschule – eine beachtliche Zahl bei 163 Einwohnern im Ort. Korbinian Kohr ist 14 Jahre alt und spielt Zugposaune. Er ist quasi familiär vorbelastet, hat schon im Alter von etwa zwei Jahren probiert, ob er den Instrumenten der Eltern einen Ton entlocken kann. Seit zwei Jahren gehört er jetzt fest zum Chor, kommt zu den Proben, nimmt an den Auftritten teil. Und das sind nicht wenige: Der Posaunenchor spielt in der Kirche bei Gottesdiensten, bei Geburtstagen und Beerdigungen, bei Festen im Ort und den Veranstaltungen des Kirchenburgmuseums, bei der Fränkischen Weihnacht und sogar an Silvester. Ein zeitintensives Hobby also, das aber Spaß macht. Und das nicht nur denen, die erst seit einigen Jahren dabei sind, wie Korbinian oder den jungen Trompetern Sebastian Frieß und Nils Schiffermüller. Sogar noch nach 50 Jahren, wie Georg Weigand versichert: „Ich gehe immer gern auf Probe.“ Gefehlt hat er nur, wenn es beruflich mal nicht gepasst hat, aber das ist sehr selten. Ansonsten können sich die Chorleiterinnen Katharina Kohr und Elvira Weigand darauf verlassen, dass er mit seiner Trompete zuverlässig bei den Veranstaltungen und Proben dabei ist. Genauso wie Günther Wolf und sein Tenorhorn.

Lieblingsstücke haben die beiden Gründungsmitglieder nicht. „Vielleicht den Steigerwaldwalzer“, sagt Georg Weigand. Und auch der Nachwuchs hat keinen echten Favoriten. „Gott gab uns Atem“, ein Kirchenlied, gefällt Korbinian Kohr sehr gut. Im Repertoire sind natürlich viele kirchliche Stücke enthalten, schließlich spielen die Musiker oft in den Gottesdiensten. Aber auch Volkslieder werden einstudiert, Märsche, Walzer, „Yesterday“ von den Beatles sowie Swing und Stücke des US-amerikanischen Posaunisten Richard Roblee, der in Iphofen lebt. Obwohl die Geschmäcker vielleicht doch ein bisschen auseinander gehen. Die Jüngeren wollen eher flottere Stücke mit mehr Bass, haben die Chorleiterinnen festgestellt – das merkt man auch an den „Wunschliedern“, die bei Geburtstagen gespielt werden. Sogar „Highway to Hell“ haben sie da schon vorgetragen. Dass die Literatur moderner wird, zeigt sich auch an den Notenheften, die der Verband bayerischer Posaunenchöre alle vier Jahre herausgibt, findet Rainer Steudtner.

Was ihnen am Posaunenchor so gut gefällt? Da müssen die Mitglieder nicht lange überlegen: „Man spielt sein Leben lang in einer Gemeinschaft“, sagt Rainer Steudtner. „Ein anderes Instrument kann man oft nur alleine spielen.“ „Man tut was fürs Dorf“, fügt ein anderer hinzu. „Man trifft sich“. „Wir haben eine schöne Gemeinschaft.“ Und wer im Studium oder aus beruflichen Gründen umzieht, findet am neuen Wohnort schnell wieder Anschluss, schließlich gibt es alleine in Bayern weit über 900 Posaunenchöre. „Da hat man gleich einen Anknüpfungspunkt“, findet Elvira Weigand.

Festgottesdienst: Der Posaunenchor Mönchsondheim feiert dieses Jahr sein 50-jähriges Bestehen. Dazu gibt es am Sonntag, 22. September, um 9.30 Uhr in der Dorfkirche Mönchsondheim einen Festgottesdienst mit Ehrung langjähriger Bläser. Ein Stehempfang im Saal der alten Wirtschaft rundet die Feier ab.

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