MAINSTOCKHEIM

Eine neue Kultur der Achtsamkeit

Alexander Prier hat auf dem Weg zu sich selbst viele Umwege in Kauf genommen. Seine Erfahrungen will er als "Feelgood-Manager" weiter geben.
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Landkreis Kt Er hat schon viel erlebt. Und er hat viel gesehen von dieser Welt. Dabei ist Alexander Prier erst 41 Jahre alt. Zwei Berufskarrieren hat er abgeschlossen, mit allen Höhen und Tiefen. Er hat viel Geld verdient, ohne dabei dauerhaft Glück und Zufriedenheit zu finden. Die sucht er in seiner dritten Karriere. Alexander Prier ist Feelgood-Manager.

Sie haben an der Börse innerhalb kurzer Zeit richtig viel Geld verdient. Warum sind Sie nicht dabei geblieben?

Alexander Prier: Eine Weile hat sich das sehr stimmig angefühlt. Ich bin die Welle geritten, wie man so schön sagt. Aber ich spürte Anfang des Jahrtausends, dass der Höhepunkt erreicht war. Als die Börsenweisheit hieß: „Kaufen, wenn die Kanonen donnern“, habe ich damit abgeschlossen.

Weil das nicht mehr Ihre Welt war?

Alexander Prier: Es war für mich immer wichtig, Verantwortung zu übernehmen. Baue ich mit dem Geld Krankenhäuser oder Bomben?

Also sind Sie ausgestiegen?

Alexander Prier: Ja. Mir fehlte die Wertschätzung für das, was ich tat. Gerade von meinem Vater. Heute bin ich mit ihm in Frieden und für vieles dankbar. In der Aussöhnung mit unseren Eltern liegt ein großes Potenzial für unsere Persönlichkeitsentwicklung. Aber das sollte ich erst später kapieren. Ich hatte viele Jahre nach nichts anderem als Aufmerksamkeit gesucht. Ich dachte, dass ich sie durch eine besondere Leistung im Beruf erreichen würde. Der falsche Weg.

Also haben Sie einen anderen Weg eingeschlagen.

Alexander Prier: Ja und Nein. Ich habe etwas völlig anderes gemacht, war wieder sehr schnell erfolgreich und erneut in einem Hamsterrad.

Alexander Prier ist in Segnitz aufgewachsen, war in der Schule nach eigener Aussage eher durchschnittlich. Eine handwerkliche Ausbildung interessierte ihn nicht. Dafür faszinierte ihn an der FOS die Wahrscheinlichkeitsrechnung. Parallel zu einer Lehre bei der VR-Bank in Kitzingen startete er an der Börse durch, stieg nach ein paar Jahren aus und begann seine zweite Karriere. Er wurde DJ, Redakteur, Herausgeber und Blogger.

Sie haben vor tausenden Fans Musik aufgelegt, waren im In- und Ausland gefragt, haben als Veranstalter viele Stars entdeckt und nach Würzburg geholt. An Anerkennung kann es nicht gemangelt haben.

Alexander Prier: Für mein Ego war diese Zeit gut, an der Oberfläche ist mein Selbstbewusstsein gewachsen. Aber ich konnte auch diese Erfolge nicht genießen. Eigentlich wollte ich ja etwas ganz anderes schaffen. Eine Oase, wo die Menschen Kraft tanken können. Stattdessen kam es mir wie das Gegenteil vor.

Es fühlte sich falsch an?

Alexander Prier: Für mich schon. Ich weiß noch genau, wann ich die Entscheidung getroffen habe, dass es so nicht weiter gehen kann. Am 23. Dezember 2006. Ein Tag vor Weihnachten. Eine lange nicht beachtete innere Stimme hat geklingelt. 2007 habe ich mich wieder neu ausgerichtet und bin den Jakobsweg bis nach Santiago gepilgert. Das hat mir sehr geholfen.

Inwiefern?

Alexander Prier: Weil ich endlich zu mir gefunden habe. Mir wurde klar, dass ich immer die Extreme gesucht hatte. Hilfreich war ein Satz von Benedikt von Nursia: Nur wer seine Grenzen kennt, findet seine Mitte. Da wartet Gott. Dieses Vertrauen in mich selbst musste ich erst lernen.

Nach der Rückkehr aus Spanien geht Alexander Prier einen ganz anderen Weg. Als DJ widmet er sich zunächst den Heilwirkungen von Musik. Bei Lehrern wie Anselm Grün und Willigis Jäger lernt er Achtsamkeit und Meditation, bei Kräuterhexen und Schamanen wie Wolf-Dieter Storl Heilpflanzenkunde. Er macht Ausbildungen zum Heilpraktiker für Psychotherapie und zum Wildnispädagogen. Aktuell absolviert er eine mehrjährige Fortbildung in der Focusing Therapie. Zwölf Jahre hat diese Reise zu sich selbst gedauert. Jetzt ist Alexander Prier bereit für seine dritte Karriere.

Zwölf Jahre Fortbildung in eigener Sache sind eine lange Zeit.

Alexander Prier: Das ist wahr, doch was ist Zeit? Ich habe Geduld und Demut nach all den schnellen Erfolgen erst lernen dürfen. Einstein sagt: „Schau tief in die Natur, dann verstehst du alles besser.“ Man kann nicht das ganze Jahr beziehungsweise das ganze Leben ernten. Gelassenheit ist in der uns umgebenden, ständigen Beschleunigung ein seltenes Gut.

Was haben Sie in dieser Zeit vor allem gelernt?

Alexander Prier: Die beste Investition ist die in sich selbst. Die vielen unterschiedlichen Begegnungen brachten mich weiter. Auch in 50 Jahren möchte ich noch voller Freude aus jeder Begegnung lernen und mit meiner Arbeit Menschen dienen. Jetzt habe ich meine Rolle gefunden. Dafür bin ich sehr dankbar.

Sie bezeichnen sich als Feelgood-Manager. Was kann man sich darunter vorstellen?

Alexander Prier: Wie es der Name sagt: Ich zeige Menschen Wege auf, damit sie sich gut fühlen. Mit sich selbst, der Familie, aber auch mit ihrer Umwelt, mit den Kollegen, den Kunden.

Aber zuerst mit sich selbst?

Alexander Prier: Ja, das ist die Basis. Mein Ziel ist es, dass die Menschen, mit denen ich arbeiten darf, einen herzlichen Umgang mit sich selbst lernen. Das bringt letztendlich auch der Firma einen Gewinn.

Klingt ein wenig esoterisch.

Alexander Prier: Mag sein. Aber das ist es, was das Leben mich gelehrt hat. Erst wenn man sich selbst wertschätzt, kann man auch andere wertschätzen. Heute fehlt vielen diese Wertschätzung.

Und die lässt sich lernen?

Alexander Prier: Man steigt aus dem Hamsterrad aus, wenn man bei sich selbst anfängt. Was man sät, das erntet man. Feelgood-Management ist ein Weg, neue, gute Samen zu säen und Achtsamkeit in sein System zu bringen. Beruflich und privat.

Wie lange dauert dieser Prozess?

Alexander Prier: Ein Leben lang. Dabei ist jede Sekunde, die wir bewusst uns selbst wahrnehmen, Gold wert. Ich vergleiche diese Entwicklung gerne mit einem Garten. Die Samen in uns, denen wir unsere Aufmerksamkeit schenken, werden wachsen. Jeder von uns hat auch Anteile, die er nicht gerne sieht. Achtsamkeit hilft, dass sie keine Nährstoffe mehr bekommen und damit ihre Macht über uns verlieren.

Sie sind sich sicher, dass jeder diese Kompetenz lernen kann?

Alexander Prier: Davon bin ich überzeugt. Meist ist eine Hilfe von außen sinnvoll. Meine Stärke ist es, diese Qualitäten einfach und mit Humor mitzuteilen.

Wie schauen Ihre Impulse aus?

Alexander Prier: Ich arbeite gerne in der Natur. Im Freien kommen festgefahrene Denkmuster in Bewegung, hier lässt sich am einfachsten eine emotionale Intelligenz trainieren. Das liegt sicher auch daran, dass ich für mich den größten Reichtum nicht an der Börse, sondern in der Natur gefunden habe. Hier lernen wir, dass wir uns entscheiden können, wohin wir uns ausrichten und wachsen möchten. Durch zunächst fünf Phasen wird eine neue Kultur des achtsamen Miteinanders implementiert.

Und dieses achtsame Miteinander hilft im Arbeitsleben?

Alexander Prier: Absolut. In den Firmen wird eine neue Kultur der Achtsamkeit aufgebaut, die gerade jungen Fachkräften immer wichtiger ist. Die Teilnehmer sind motiviert, da sie etwas lernen, was sie auf der Arbeit und im Alltag glücklicher macht. Darum geht es mir letztendlich: Ich will den Menschen das ermöglichen, was ich selbst lange vermisst habe: Freude und Dankbarkeit im (Arbeits-)Leben.

Das befindet sich im Wandel. Die Digitalisierung verändert vieles. Auch die Anforderungen an Arbeitnehmer.

Alexander Prier: Klar, die Digitalisierung bringt viel Unsicherheit mit sich. Achtsamkeit, Wertschätzung, Herzlichkeit, all das wird weiterhin gefragt sein. Wahrscheinlich sogar mehr als je zuvor.

Kontakt: Alexander Prier, Tel. 0151/10540754; Homepage: www.alexanderprier.de

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