Kitzingen
Konzert

Eine klangvolle Premiere

Er sei eben neugierig auf Musik, sagt der Kitzinger Hermann Seidl. Viele Stücke hat er bereits komponiert. Morgen wird seine erste Messe in der evangelischen Stadtkirche uraufgeführt. Er hat sie für die Paul-Eber-Kantorei geschrieben.
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Der Komponist Hermann Seidl  am Klavier. Sein neuestes Werk ist  morgen erstmals zu hören. Fotos: Liane Thau
Der Komponist Hermann Seidl am Klavier. Sein neuestes Werk ist morgen erstmals zu hören. Fotos: Liane Thau
Morgen erlebt der Kitzinger Musiker und Musiklehrer Hermann Seidl einen großen Tag. Der über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannte Komponist darf die Uraufführung seiner ersten Messe in der evangelischen Stadtkirche als Zuschauer erleben. Es ist auch ein bedeutsamer Tag für Kitzingen, wenn ein Bürger der Stadt ein großer Werk wie die "Missa St. Franciscus" erstmals zu Gehör bringt.

Hermann Seidl, Jahrgang 1958, stammt nicht aus einer Musikerfamilie, er besuchte nicht einmal ein musisches Gymnasium, sondern machte sein Abitur am AKG in Kitzingen. Aber seine musikalische Begabung blieb nicht verborgen - im Alter von zehn Jahren durfte er Klavier lernen, was, wie er betont, damals nicht alltäglich war. Schon im Schulunterricht machte er Bekanntschaft mit dem Tonsatz und versuchte sich damals an ersten kleinen Kompositionen. Seinen erster Auftritt erlebte er bei der Aufführung einer Kantate in Albertshofen, bei der er den Part an der Orgel übernahm.

Sein Weg führte ihn nach Würzburg, wo er von 1979 bis 1984 Schulmusik an der Hochschule für Musik studierte. Das Klavier blieb sein erstes Instrument, sein zweites wurde das Violoncello. Noch heute ist er froh, das in seiner Ausbildung die Betonung auf dem künstlerischen Teil lag und die Pädagogik erst mit dem Referendariat begann.

Viele Jahre war er als Musiklehrer am AKG und als Referent in der regionalen und überregionalen Lehrerfortbildung in den Bereichen Schulspiel, Komposition und Computer tätig.
Ein mehrjähriger Lehrauftrag für das Fach Tonsatz führte ihn zurück an die Hochschule für Musik in Würzburg. Heute leitet er das Kammerorchester Kitzingen und organisiert das "Forum Junger Musiker" zur Nachwuchsförderung und das "Forum pro", das schon professionelle Musiker betreut.

Als Komponist hat Hermann Seidl Kammermusik, Orchester- und Chorwerke für traditionelle Besetzungen erarbeitet. Darüber hinaus hat er elektronische Musik, Jazz und Rock für experimentelles Musiktheater und, in Zusammenarbeit mit bildenden Künstlern, audiovisuelle Installationen geschaffen. Die ersten Kompositionen wurden 1983 in Würzburg aufgeführt. Seitdem erfolgten viele weitere Aufführungen in Deutschland, Europa und Übersee. Für seine kompositorische Arbeit wurde Seidl mit einer Reihe von Preisen ausgezeichnet.

Wenn man ihn fragt, wie es ihm gelingt, in seinen Kompositionen ein Spektrum von Klassik bis Rockmusik zu entfalten, dann meint er schmunzelnd: "Vielleicht deshalb, weil ich nicht Komposition studiert habe!"
"Ich bin eben neugierig auf Musik", ergänzt er. Ob Jazzrock der 70er Jahre oder Bach oder fernöstliche Klänge, er könne sich begeistern und aus allem Inspiration schöpfen. Kein Wunder, dass bei so viel Musikalität auch seine drei Kinder gute musikalische Gene haben und Instrumente spielen. Tochter Claudia ist sogar studierte Saxophonistin und wird bei der Uraufführung die Querflöte spielen und Sohn Wolfgang, Architekturstudent und Musiker, wird das Schlagzeug bedienen.

Hermann Seidl, der bereits den Sonnengesang des heiligen Franziskus vertont hat, widmete diesem Heiligen auch seine erste Messe für Soli, Chor und Kammerorchester. Direkte Textauslegungen gibt es eher selten, wichtig war Seidl, Stimmungen zu erzeugen. Er komponiere ähnlich wie ein abstraktes Gemälde entstehe, erklärt Seidl, er arbeite mit Proportionen und Klangfarben.

"Ich habe die Messe für die Paul-Eber-Kantorei und für Carl Friedrich Meyer geschrieben", sagt der Komponist, den mit Meyer eine herzliche und kreative Freundschaft verbindet. Unter dessen Leitung gelangt die "Missa St. Franciscus" nun auch zur Uraufführung. Von ihm selbst, erzählt Meyer, sei der Vorschlag, die Uraufführung in der Petrinikirche zu halten.

"Die Messe", schwärmt der Dekanatskantor, "ist wirklich spannend mit der ungewöhnlichen Besetzung aus Streichern, zwei Flöten, Saxophon, Schlagwerk und Klavier. Sie hat sehr klangvolle, große Tutti - Stellen, die an Filmmusik erinnern." Daneben gebe es aber leise, kammermusikalische Motive, die einen starken Kontrast darstellten. Die Tonsprache der Messe sei eine große Herausforderung für den Chor. "Ich freue mich darauf, die Uraufführung mit Chor und Orchester gestalten zu dürfen", ergänzt Meyer lächelnd.

Die Uraufführung: Es musizieren das Kammerorchester Kitzingen und die Paul-Eber-Kantorei. Die Solisten sind Nicole Winterstein (Sopran), Edeltraud Rupek (Alt), Oliver Trandorf (Tenor) und Bernd Wille (Baß). Das Konzert G-Dur für Orgel und Streicher von Johann Christian Bach wird das Programm ergänzen. Beginn ist um 17 Uhr, der Eintritt ist frei.
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