Kitzingen

Eine hässliche Baulücke in Kitzingen verschwindet

Mitten im Herzen der Kitzinger Altstadt wird ab kommender Woche ein moderner Wohn- und Geschäftsbau entstehen. So viel ist sicher: Der Anblick der Straße wird sich ändern.
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So soll der Neubau anstelle des alten Marktcafés in Kitzingen entlang der Marktstraße aussehen. Im Erdgeschoss soll Einzelhandel unterkommen und in den beiden Oberschossen Praxen. Im Dachgeschoss entstehen Wohnungen. Foto: Marina Weigand
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Die Kitzinger Innenstadt wird in den kommenden Monaten eine Baulücke an markanter Stelle verlieren: Schräg gegenüber des Rathauses entsteht ein dreistöckiges Wohn- und Geschäftshaus. Die Arbeiten auf dem Eckgrundstück zur Grabkirchgasse, wo einst das Marktcafé stand, beginnen am Montag, 15. April.

Bekanntlich zählt dieser Altstadtbereich zu Kitzingens städtebaulichen Sorgenkindern. Die Vorgeschichte reicht lange Jahre zurück (siehe Infobox). Insoweit war es Oliver Graumann, dem Leiter des Stadtbauamts, während eines Pressetermins vor Ort am Donnerstagmittag anzumerken, dass er das große Fragezeichen, das so hinter der Zukunft der hässlichen Baulücke gestanden hat, jetzt durch einen Haken ersetzen kann. Zumal sich die gefundene Lösung seiner Ansicht nach ansehnlich in einen städtebaulichen Gesamtplan und in den Zug der historischen Fassaden der Nachbaranwesen eingliedert – trotzdem der Bau, der jetzt entsteht, auf den ersten Blick modern wirkt.

Zwei Gebäude, die miteinander verbunden sind

Tatsächlich: Der verbildlichte Planungsentwurf, den Architekt Jürgen Hertel und Hans Zapf von der dreiköpfigen Investorengruppe (es fehlte beim Ortstermin Harald Beck) mitgebracht haben, zeigt ein Gebäude mit Erdgeschoss und zwei Obergeschossen und ausgebautem Dachgeschoss entlang der Marktstraße. Ein verglaster Baukörper (Treppenhaus) mit einem dahinterliegenden Flachbau verbindet dieses Haus mit einem zweiten in der Grabkirchgasse, das auf allen Geschossebenen  mit dem ersten Haus verbunden ist. Während sich der Gebäudekomplex in seiner Höhe und mit dem steilen Dach an die Nachbarhäuser anpasst, unterschiedet sich die Fassade doch erheblich. Diese besteht aus vorgeblendeten Steinplatten, unterbrochen von großen Fensterflächen.

Dieser bislang nicht vorhandene Kontrast von modern und alt, der sich dem Betrachter künftig beim Blick in den Straßenzug zeigen wird, ist laut Bauamtsleiter Graumann das Ergebnis einer engen Abstimmung mit dem Landesamt für Denkmalpflege, Stadtheimatpfleger Harald Knobling und der Bauverwaltung. Der Stadtrat hatte erst Mitte Februar den Bau letztlich genehmigt – nachdem die letztlich zugrunde liegenden Pläne der Investoren für das knapp 380 Quadratmeter große Grundstück bereits vor gut drei Jahren dem Gremium vorgelegen haben. Ein Investorenwettbewerb, der der Stadt 50 000 Euro gekostet hat,  hatte ein dürftiges Echo hervorgerufen, so dass es die erhoffte große Auswahl an möglichen Entwürfen auch nicht gegeben hat.

Bau stellt für Firmen eine Herausforderung dar

Investor Hertel lobt das "konstruktive Miteinander" zwischen ihnen und der Stadt. Darauf werden beide Seiten auch in den kommenden Wochen immer wieder angewiesen sein. Denn die Enge im Umfeld der Baustelle wird weiterhin manchen Kompromiss nötig machen. Dies wird sich schon am Donnerstag, 18. April, zeigen, wenn der große Baustellenkran in der Marktstraße aufgestellt wird. Für etwa ein halbes Jahr, schätzt Hertel, wird dieser stehen bleiben und Durchgangsverkehr an dieser Stelle unmöglich machen. Fußgänger, betont Graumann, könnten die Baustelle jedoch während der ganzen Zeit passieren. Er sieht auch die Herausforderung für die beteiligten Firmen, den Bau quasi ringsum auf Grenzen hochziehen müssen. Anwohner und Passanten bittet die Stadt um Verständnis für unvermeidliche Behinderungen, Lärm und Dreck, den die Baustelle mit sich bringt.

Nutzer für das Gebäude stehen bereits fest

Rücksicht haben die Bauherren bereits auf den "Kitzinger Frühling" genommen. So fällt der Baubeginn auf den Tag nach dem verkaufsoffenen Sonntag in der Stadt und wird diesen nicht beeinträchtigen. Wenn alles glatt läuft, ist der Bau zum "Kitzinger Frühling" 2020 bereits fertiggestellt, hoffen die Bauherren. Nutzer für den Neubau mit der neuen Anschrift Grabkirchgasse 17 – Einzelhandel im Erdgeschoss, Praxen in beiden Obergeschossen, Wohnungen unterm Dach – gibt es laut den Investoren bereits, anders wäre die Finanzierung des geschätzt 2,2 Millionen Euro teuren Baus durch die Banken auch nicht genehmigt worden, verrät Investor Zapf. Doch Namen möchten er und Hertel derzeit nicht nennen.

Geschichte einer Baulücke
Im Jahr 2006 kauft die Stadt Kitzingen das einsturzgefährdete ehemalige Marktcafé in der ihrer Einschätzung nach 1a-Lage. Ein Teil des gut 500 Jahre alten Hauses wird kurze Zeit später eingerissen. Auch das Überleben der beiden baufälligen Nachbarhäuser ist fragwürdig. Einen 2009 gefällten Beschluss zum Abriss kippt der Stadtrat nach aufkommendem Widerstand zwei Jahre später wieder. Im Frühjahr 2017 wird das alte Marktcafé doch abgerissen, um das Eckgrundstück neu zu gestalten. Eine Investorengruppe gewinnt einen Wettbewerb (2015) zur Neugestaltung des Grundstücks und erwirbt dieses.

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