KITZINGEN

Eine Beziehung voller Konflikte

Der 37-Jährige hatte sich mal wieder nicht unter Kontrolle und landete wegen eines Streits mit seiner Partnerin vor Gericht. Hier hat er allerdings das Opfer gespielt.
Artikel drucken Artikel einbetten
Strafrecht (Symbolbild)
Strafrecht (Symbolbild) Foto: Boris Roessler (dpa)

Wenn es um Ausflüchte geht, ist der 37-Jährige gleich dabei: Er kann nichts dazu, er hat nichts gemacht, alles nicht wahr. Er ist das Opfer. So läuft das zunächst bei der Verhandlung vor dem Kitzinger Strafrichter. Erst nach dem mehrfachen Hinweis, dass womöglich nur ein Geständnis den vorbestraften Mann vor dem Gang ins Gefängnis bewahrt, führt zum Einlenken: Ja, sagt der Angeklagte schließlich nach einer längeren Beratung mit seinem Verteidiger, es könne durchaus alles so gewesen sein, wie es in der Anklage steht.

Demnach flogen Mitte Mai vergangenen Jahres mal wieder die Fetzen bei dem getrennt wohnenden Pärchen. Wie so oft. An diesem Tag eskalierte der Zwist am späten Nachmittag in der Wohnung des Mannes: Er war wütend, weil sie ihn hatte warten lassen. Als sie dann endlich kam, wollte er sie umgehend wieder vor die Tür setzen – mit roher Gewalt: Der Mann schlug seine Lebensgefährtin zweimal mit der flachen Hand ins Gesicht, packte sie am Oberarm und stieß sie gegen die Brust.

Mutter sorgte für Anzeige

Die Frau selber wäre wahrscheinlich trotz des Übergriffes – wie schon oft zuvor – wieder nicht zur Polizei. Diesmal jedoch schaltete sich die Mutter ein: Nachdem sie die Verletzungen bei ihrer Tochter gesehen hatte, sorgte sie dafür, dass Anzeige erstattet wurde.

Das Opfer brachte kurz nach der Gewalttat auch die Kraft auf, sich von dem rabiaten Mann zu trennen. Der Polizei gewährte sie damals Einblicke in die Konflikt-Beziehung: Der 37-Jährige habe sich oft nicht unter Kontrolle, es gebe „immer Ausraster“. All das hinderte die Frau jedoch nicht, wenig später die Beziehung wieder fortzusetzen. Viel geändert scheint sich nicht zu haben: Die Polizei war, so die Aussage der als Zeugin geladenen Sachbearbeiterin, vor einiger Zeit erneut in der Wohnung des Mannes, weil es wieder zu Auseinandersetzungen gekommen war.

Für den 37-jährigen Hartz-IV-Empfänger geht es um viel. Elf Vorstrafen kamen seit 2002 zusammen, von Körperverletzung, Hausfriedensbruch und Beleidigung bis zu Trunkenheit im Verkehr und Betrug ist alles dabei. Zuletzt holte sich der Angeklagte im Jahr 2004 wegen einer Schwarzfahrt eine fünfmonatige Freiheitsstrafe ab, die zu vier Jahren Bewährung ausgesetzt wurde.

Am Ende bewahrt das späte Geständnis den Mann wohl davor, hinter Gitter zu müssen. Das Gericht spricht eine Geldstrafe über 3000 Euro (200 Tagessätze zu je 15 Euro) für die – laut Urteilsbegründung – „konfliktbehaftete Beziehung“ aus.

Für diesen Artikel wurde die Kommentarfunktion deaktiviert.