"Das war schon heftig. Ich meine, das hätte er nicht machen müssen," erzählt die Geschädigte vor Gericht. Ein Freund ihres Sohnes, 16 Jahre alt, hätte die 54-Jährige mit den Worten "Was willst du blöde Alte?" beleidigt.
Der Angeklagte streitet alles ab - fast alles. Er gibt zu, etwas nicht gerade Nettes gesagt zu haben. "Was willst du? Das ist nicht dein Haus," wären seine Worte gewesen. "'Du blöde Alte' ist überhaupt nicht meine Redensart," verteidigt er sich. "Ich benutze andere Worte, wenn ich jemanden beleidige." Egal, welcher Wortlaut nun stimmt. Aus heiterem Himmel kam es dazu nicht. Am 29. April 2011 soll ein weiterer Freund des Angeklagten, 17 Jahre alt, den Sohn der Geschädigten erpresst haben. Der Angeklagte leistete dem 17-Jährigen dabei angeblich Beihilfe. "Wenn die meinem Sohn Sachen wegnehmen wollen, bin ich damit natürlich nicht einverstanden", erklärt die 54-Jährige.
Es ging um eine Jacke, welche die beiden Jungs von dem Sohn der Geschädigten einforderten. Nach einigen Diskussionen und Wortgefechten wollte der Sohn die Jacke holen. Die Jungs folgten ihm ins Haus und dort hat sich dann die Mutter eingemischt: "Ich habe sie rausgeschmissen und gedroht, die Polizei zu rufen, wenn sie nicht gehen." Als die Geschädigte kurz mit dem Angeklagten allein im Laubengang des Hauses war, sei die Beleidigung gefallen. Anschließend verließ auch der Angeklagte das Haus.
Was die Mutter allerdings nicht wusste: Ihr Sohn wollte die Jacke tatsächlich verschenken. Dies bestätigte er vor Gericht und somit sprach der Richter die beiden Jungs frei - zumindest teilweise.
Denn auch wenn die Geschädigte die Beleidigung als "nicht so schlimm" empfindet, muss das Gericht dem Vorfall nachgehen. "Es liegt deswegen nun mal eine Strafanzeige vor," erläutert Richter Wolfgang Hülle.
Die 54-Jährige macht in der Verhandlung kein Geheimnis daraus, dass sie den Angeklagten nicht gerne in der Nähe hat: "Früher waren wir per Du. Jetzt mag ich den Umgang mit ihm nicht mehr." Der Grund dafür sei, dass es wegen ihm öfter Ärger gab und ihr Sohn dafür den Kopf hinhalten musste. Dass die Frau dem Angeklagten deshalb mit der Strafanzeige eins auswischen wollten, glaubt nur der Verteidiger. Vertreter der Staatsanwaltschaft und Richter sind anderer Auffassung.
Der Angeklagte hat mit seinen 16 Jahren schon so einige Straftaten ausgeübt. "Seine Entwicklung seit dem Vorfall ist aber relativ gut", erwähnt die Jugendgerichtshelferin. Dieser Punkt kommt dem Angeklagten stark zu Gunsten. Der Staatsanwalt hält deshalb einen Arrest nicht für notwendig und fordert 40 Stunden soziale Hilfdienste. Rechtsanwalt Buchinger verkürzt die Forderung auf 20 Stunden. Doch schlussendlich entscheidet keiner der beiden.
"Das Gericht hat keine Zweifel, dass die Beleidigung stattgefunden hat", begründet Richter Hülle seine Entscheidung. Er verurteilt den Angeklagten zu 40 Stunden soziale Hilfsdienste. Die Parteien verzichten auf Rechtsmittel, das Urteil ist somit rechtskräftig.