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"Ein verheerendes Signal"

Bund Naturschutz kritisiert die Bekämpfung des Schwammspinners in Teilen des Landkreises
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Der Schwammspinner macht den Eichen zu schaffen. Die Ausbringung des Pestizids Mimic auf rund 200 Hektar Waldfläche im Landkreis wird vom Bund Naturschutz kritisiert. Foto: Foto: P. Aichmüller
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Der BUND Naturschutz in Bayern (BN) kritisiert massiv, dass die Forstverwaltung Eichenwälder mit dem Pestizid Mimic wegen einer Massenvermehrung des Schwammspinners behandelt. Davon sind Eichenwälder in Unterfranken auf einer Fläche von zirka 800 Hektar betroffen. Im Landkreis Kitzingen werden rund 200 Hektar Waldfläche behandelt.

Hohe Zahl an Gelegen festgestellt

„Derartige flächige Vergiftungen der Eichenwälder vom Hubschrauber aus sind vor dem Hintergrund des sehr erfolgreichen Volksbegehrens „Artenvielfalt“ überhaupt nicht mehr zeitgemäß und ein verheerendes Signal zum Abschluss des Rundes Tisches Arten- und Naturschutz“, bedauert der Kreisvorsitzende des BN Kitzingen, Manfred Engelhardt. Nicht nur die Zielart Schwammspinner, sondern Schmetterlinge und andere Insekten würden dabei getötet. In der Folge verhungere die Brut der einheimischen Vögel. Auch Fledermäuse, Amphibien, Hirschkäfer und Laufkäfer verlieren laut Engelhardt ihre Futtergrundlage. „Wir kritisieren, dass die Forstverwaltung das Insektensterben im Wald forciert, ohne dass sie bisher belegen kann, dass die flächigen Gifteinsätze notwendig sind, um die Eichenwälder in ihrer Substanz zu erhalten.“

Hoher Insektenreichtum auf Eiche

Ende April hatte die Forstverwaltung in Kitzingen die Einsätze angekündigt. Der Wald sei, auch wegen des Trockensommers 2018, stark geschwächt, die Zahl der Gelege sei in vielen Gebieten erschreckend hoch gewesen.

Etwa 350 Hektar Wald gelten nach den Worten von Peter Aichmüller als gefährdet. Aus pflanzen- und naturschutzrechtlichen Gründen würden etliche Flächen allerdings nicht beflogen. Abstand wird beispielsweise zu Waldrändern gehalten, zu Flächen, die von Biolandwirten genutzt werden und zu Fischgewässern. Wo Fledermausbestände nachgewiesen sind, findet ebenfalls keine Befliegung statt.

Etwa 16.000 Hektar Waldbestand gibt es im Landkreis Kitzingen, rund die Hälfte sind von Eichen bewachsen. Jetzt werden rund 200 Hektar beflogen. „Alle auf ausdrücklichem Wunsch der Waldbesitzer“, betont Aichmüller. Das Mittel werde ganz gezielt und fein dosiert ausgebracht, versichert er. Für Bienen oder Maikäfer sei es nicht gefährlich. „Im übrigen ist es in Obstanlagen zugelassen“, so Aichmüller.

Für den Bund Naturschutz ist die Maßnahme dennoch falsch. „Die Vergiftungsaktionen in Eichenwäldern sind besonders gravierend, weil die Eiche von allem Baumarten den mit Abstand höchsten natürlichen Insektenreichtum aufweist. Auf keiner anderen heimischen Baum- oder Pflanzenart leben mehr Insektenarten als auf der Eiche“, erinnert der Geschäftsführer der BN Kreisgruppe, Klaus Petter. Der Fraß durch die Schwammspinnerraupen könne zwar auch zum Kahlfraß führen. Da die Eichen aber im Sommer in der Regel einen Johannistrieb ausbilden, komme es bei einem reinen Schwammspinnerfraß nach seiner Überzeugung nur zum Ausfall einzelner Bäume. „Ausfälle dürften sich deshalb im Rahmen der üblichen Durchforstung bewegen“, meint Petter.

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