Obernbreit
Siedlungsgeschichte

Ein Verein befasst sich mit einem untergegangenen Dorf

Der Legende nach ist der Weiler Rügerrieth im Moor versunken, aber nun gibt es sogar einen Bürgermeister und einen Verein, der die Geschichte des Rügerriehts lebendig hält.
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Denkmalweihe an der Stelle eines unvollendeten Bahndammes und eines möglicherweise untergegangenen Dorfes. Foto: Archiv(G. Bauer)
Denkmalweihe an der Stelle eines unvollendeten Bahndammes und eines möglicherweise untergegangenen Dorfes. Foto: Archiv(G. Bauer)
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Das Flurbereinigungsverfahren Rügerrieth ging 2005 nach zwölf Jahren mit der Einweihung der Gedenkanlage inmitten des Rügerrieths zu Ende. Die ehemalige Körperschaft Rügerrieth gibt es dadurch zwar nicht mehr, die rund 40 Grundstücksbesitzer sollen jedoch weitermachen.

"Und zwar wie bisher", kündigte 1. Vorsitzender Ludwig Döppert an. Die Mitglieder haben sich mit der Bezeichnung "Heimat- und Kulturverein Rügerrieth" einen neuen Namen gegeben.

Gemeinsame Aktionen

Nach Abschluss der Flurneuordnung werden sie sich auch weiterhin um den Erhalt des Wegenetzes im rund 145 Hektar großen Gebiet kümmern, Wege frei schneiden und Gräben putzen. Schädlingsbekämpfungsaktionen gegen Eichenprozessionsspinner oder Schwammspinner sollen gemeinsam erfolgen.
Döppert, der sich als Rügerrieth-Bürgermeister bezeichnen darf, ist wichtig, dass der inzwischen am Pfingstmontag Tradition gewordene Feldgottesdienst im Rügerrieth am Flurdenkmal in freier Flur weiterhin stattfindet.

Erinnerung an die ungeklärte Geschichte

Die Namensgebung des neuen Vereins zeigt auf, dass den Rügerriethern nicht nur am Erhalt des Flurnamens gelegen ist, sondern sie auch an die nicht eindeutig geklärte Geschichte erinnern wollen. Über die Geschichte des einstigen Weilers gibt es nur wenige historische Aufzeichnungen. Nach einer Legende gab es einen Weiler namens Rügerrieth. Der Ort wurde 1337 erstmals in einer Urkunde, mit dem Namen Berthold von Rügrith verbunden, erwähnt. Von 1365 gibt es Aufzeichnungen des Domkapitels Würzburg und des Klosters Ebrach.

1438 hatte Engelhard von Seinsheim zu Wässerndorf das Gut erworben, wie eine Urkunde im fürstlichen Archiv Schwarzenberg beweist. Obwohl der Weiler 1448 an das burggräflich-nürnbergische Haus kam und jährlich drei Mal Hochgericht oder Ruggericht (davon soll sich der Name Rügerrieth ableiten) gehalten wurde, wird der Weiler bereits 1496 als Wüstung erwähnt. Wegen sehr hoher Abgaben und geringer Erträge waren die letzten acht Einwohner nach Obernbreit geflüchtet.

Der Bahndamm, auf dem das Denkmal steht, gilt als Kulturerbe. Nach dem verlorenen Krieg gegen Frankreich 1861 hatte das bayerische Kriegsministerium moniert, dass bayerische Truppen wegen der vorwiegend in Nordsüdrichtung laufenden Bahnverkehrsadern nicht schnell genug von Ost nach West verlegt werden konnten. Erst in den dreißiger Jahren wurden die Arbeiten ernsthaft aufgenommen, seit 1939 unter Einsatz französischer Kriegsgefangener.

Fränkische Landnahme

Die Flurgeschichte basiert auf der fränkischen Landnahme und dem frühmittelalterlichen Landesausbau, als Einzelhöfe und lockere Hofgruppen zu Weiler wurden, die sich erst später zu Haufendörfern verdichteten.
Zwischen 1000 und 1300, der spätmittelalterlichen Rodungsphase, entstanden Ortsnamen mit Endungen wie "-heim", in einer weiteren Welle mit "-reuth" (von Roden) oder "-rieth", das auf eine feuchte oder sumpfige Gegend deutet.

Die Kultivierung des Rügerrieth ist zeitlich in dieser Zeit zu suchen. Weiler und Siedlungen auf ungünstigen Agrarstandorten verschwanden im 13. bis 15. Jahrhundert wieder.

Kirche und Häuser Rügerrieths versanken der Legende nach im Moor.

Seit etwa 1861 zählt Rügerrieth zur Steuergemeinde Mainbernheim, obwohl nie Steuern zu erwarten waren. Dennoch hat die Stadt bislang Wege und Gräben sowie Naturschutzflächen übernommen und kam für die Pflegearbeiten aller naturschutzrelevanten Flächen auf.

Die Flurbereinigung war aus der damaligen Flurbereinigung Willanzheim III hervorgegangen und sollte die auf die umliegenden Gemeinden Mainbernheim, Marktsteft-Michelfeld, Obernbreit und Willanzheim verteilte Flur neu ordnen.

Ein Flurdenkmal auf dem seit 1871 geplanten und 1939 begonnenen, aber vollendeten Bahndamm erinnert an die Geschichte von Rügerrieth. Es beschreibt den Bahndamm und französische Kriegsgefangene, die dort zuletzt gearbeitet haben. Der Stein soll auch Mahnung am 60. Jahrestag des Kriegsendes sein und an eine Friedenszeit, wie es sie so lange nie gegeben hat.
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