Kitzingen
Fest am Fasten

Ein Training geht durch den Magen

Eine Trainingseinheit der besonderen Art hat Ralf Dieter hinter sich gebracht. Beim Kick- und Thai-Boxen war seine Ausdauer gefragt.
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Ralf Dieter und Trainer Oliver Schmidt. Für alle, die sich nicht ganz sicher sind: Ralf Dieter steht links.  Foto: privat
Ralf Dieter und Trainer Oliver Schmidt. Für alle, die sich nicht ganz sicher sind: Ralf Dieter steht links. Foto: privat
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Eine halbe Stunde kennen wir uns schon, immerhin. Trotzdem ein komisches Gefühl, dass mir Emanuel mit einer Links-Rechts-Kombination in die Magengrube boxt. Und das nicht nur einmal. Noch seltsamer: Meine zaghaften Hiebe in seinen Bauch machen ihn keinesfalls wütend. Im Gegenteil: Er macht mir Mut: "Fester, hau ruhig richtig drauf."
Montagabend, 19.30 Uhr, Kitzinger Goldberg: Im Fitnessclub bodypower stehe ich barfuß und mit bangem Herzen im Übungsraum im ersten Stock und beobachte die Menschen, die heute nicht zum ersten Mal beim Kick- und Thaibox-Ausdauertraining mitmachen. Richtig groß und richtig stark sind manche - aber Gott sei Dank nicht alle. Ganz normal gebaute Männer stellen sich an der Matte auf - und sogar ein paar Frauen. Mein Glück: Die Partnerübungen mache ich mit Emanuel - und der konnte wegen eines Fußbruchs vier Monate nicht trainieren. Seine Grundkondition ist damit nicht ganz so weit von meiner entfernt.



Genau das Gegenteil verkörpert unser Trainer - und das im wahrsten Sinn des Wortes. Oliver Schmidt scheint nur aus Muskeln zu bestehen. Und was man damit alles anstellen kann, verblüfft mich in dieser eineinhalbstündigen Trainingseinheit immer wieder aufs Neue. Liegestütze auf der Faust, Bauchmuskeltraining im Liegen, Schlagkombinationen, die die Schulterblätter zum Vibrieren bringen und Situps, die auch zwei Tage später beim morgendlichen Aufstehen noch Schmerzen verursachen. Und die Krönung: Partnerübungen, die komisch ausschauen und sowohl einen bleibenden Ein-, als auch Abdruck hinterlassen. Wir müssen abwechselnd auf einem Bein abspringen und beide Knie senkrecht nach oben stoßen oder den Partner mit dem Fuß seitlich in die Rippe treten. Nicht zu vergessen die Hiebe in die Magengrube.

Eine halbe Stunde halte ich einigermaßen durch, dann bin ich für jede Pause dankbar. Emanuel und die anderen machen derweil weiter. Drei Mal in der Woche treffen sich die Kick- und Thaiboxer zum Training am Goldberg. Mit der Zeit wird es immer besser, versichern sie mir später, als ich in der Umkleide immer noch nach Luft schnappe und den blauen Flecken mustere, der sich auf meinem Bauch ausbreitet.
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