SULZFELD

Ein Stolperstein vor St. Sebastian

Das Vertrauen in die Kirche ist erschüttert.- Dieser bittere Satz in einem Schreiben von Uwe Hering hat den Ursprung in seiner Hochzeit, die beinahe als Fehlstart begonnen hätte.
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Eingerüstet: In der katholischen Kirche St. Sebastian in Sulzfeld wollte das Ehepaar Hering sich evangelisch trauen lassen und scheiterte – wenige Wochen vor der Hochzeit. Foto: Foto: Sophia Lother

„Das Vertrauen in die Kirche ist erschüttert.“ Dieser bittere Satz in einem Schreiben von Uwe Hering hat den Ursprung in seiner Hochzeit, die beinahe als Fehlstart begonnen hätte: Gut sechs Wochen vor dem Trauungstermin platzte die geplante Zeremonie in der Sulzfelder Kirche St. Sebastian. Der Grund: Uwe Hering und seine Frau Barbara wollten sich in dem katholischen Gotteshaus nach evangelischem Ritus das Eheversprechen geben.

Hering stammt aus Sulzfeld: Und weil er – laut Mail an diese Zeitung – „in dem schönen Weinort aufgewachsen“ ist und sich „Sulzfeld verbunden“ fühlt, will er hier heiraten. Frau Barbara fragt im Herbst 2014 beim Pfarrgemeinderat, ob eine „rein evangelische Trauung“ in St. Sebastian möglich sei. Nach gut einer Woche sei dem zugestimmt worden, so Hering: „Zum damaligen Zeitpunkt gab es keinen für Sulzfeld zuständigen Pfarrer, weswegen es uns normal erschien, dass eine Genehmigung so lange dauerte.“

Gut hundert Einladungen

Nun gingen die Einladungen für „gut hundert geladene Gäste“ raus – mit dem Trauungsort St. Sebastian. Dort tat sich im April ein erstes Problem auf: Das Gotteshaus war wegen einer Sanierung ringsum eingerüstet. Weil das künftige Ehepaar Hering sich unsicher ist, ob der Bau so für ihre Hochzeit angemessen ist, schauen sie sich nach Alternativen um.

Die Suche wird im Mai zum Muss. Pfarrer Gerhard Spöckl, seit Anfang des Monats neuer Seelsorger im Ort, informiert das Paar, dass die evangelische Trauung in der katholischen Kirche nicht möglich sei. Er will beiden aber eine Brücke bauen und schlägt eine ökumenische Hochzeit vor, die er gemeinsam mit einem evangelischen Kollegen durchführen würde. Die Herings lehnen ab: „Wir wollten unserem Diakon nicht einen Pfarrer vorsetzen, der zwingend die Trauung vollziehen müsse, was Bedingung gewesen wäre.“

„Hausherr ist der Pfarrer“

Die Enttäuschung der Herings („Versprechen sollte man halten, wird den Kindern bereits im Kindergarten beigebracht“) kann Spöckl nachvollziehen. Bei der Zusage zur Trauung in der Sulzfelder Kirche sei ein Fehler gemacht worden, denn: „Hausherr ist der Pfarrer“ und nur der könne sein Ja geben. Dass dies nicht möglich war, habe er erst bei einem Anruf im Ordinariat in Würzburg erfahren.

Stolperstein sind die Konfessionen der Herings: Er ist katholisch, sie evangelisch. Hier greift laut Spöckl seit 1970 eine Vereinbarung zwischen der Katholischen Bischofskonferenz und dem Rat der Evangelischen Kirche. Deutschlandweit gelte danach die Regel, dass es für „konfessionell gemischte Trauungen“ die Möglichkeit der ökumenischen Hochzeit gibt. Auf den Fall Hering angewendet hieße das: Da St. Sebastian katholisch ist, würde Spöckl die Trauung durchführen, assistiert von einem evangelischen Pfarrer.

Weil die Eheleute Hering in ihrem Schreiben die Ablehnung so deuteten, als sei – aus Spöckls Sicht – eine evangelische Hochzeit „unchristlich“, versucht der Pfarrer dem entgegenzutreten. So habe er am Montagabend den evangelischen Dekan Hanspeter Kern besucht und mit ihm die Stellungnahme zur innerkirchlichen Vereinbarung verfasst: „Wir haben ein gutes Miteinander“. Es gebe im Kreis auch kein ökumenisches Problem.

Ein gutes Ende erlebten auch die Herings – mit einer Hochzeit in der evangelischen Stadtkirche von Kitzingen. Trotzdem bleibt für Uwe Hering ein galliger Geschmack zurück: Zusagen der Sulzfelder Kirche werde er keinen Glauben mehr schenken.

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