Biebelried

Ein schlichter Rahmen für wertvolle Kunst

Die Sanierung der Biebelrieder Kirche ist beendet. Am Sonntag weiht Weihbischof Ulrich Boom den neuen Altar.
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Die wertvollste Figur in der St. Johanneskirche in Biebelried ist der Christus Salvator von Tilmann Riemenschneider. Durch den neuen goldenen Hintergrund kommt er besser zur Geltung als bislang.
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Schlicht. Modern. Und doch festlich. So lässt sich der neu gestaltete Altarraum der St. Johanneskirche in Biebelried mit wenigen Worten beschreiben. Gesehen haben ihn bislang vor allem die Handwerker. Die verlassen nun das Gotteshaus, denn am Sonntag geht die Sanierung mit der Altarweihe durch Weihbischof Ulrich Boom offiziell zu Ende.

Pfarrer Gerhard Spöckl und Architekt Thomas Geiger stehen zwischen den Kirchenbänken und schauen sich den Altarraum an. Was sie sehen, gefällt ihnen. Und aus Gesprächen mit einigen Leuten, die schon während der Sanierungsphase mal durch die Kirchentür gespitzt haben, wissen sie, dass es auch den Bürgern ganz gut gefällt, was da entstanden ist. „Modern“, habe der eine oder andere gesagt, „aber schön“.

Das „modern“ bezieht sich auf die Sakralmöbel. Altar, Ambo und Taufstein sind ganz bewusst schlicht gehalten, geschaffen aus schwarz brüniertem, gewachstem Stahl, schmucklos bis auf schmale goldene Linien. Der Entwurf stammt von Matthias Engert aus Zell, ausgewählt hat ihn die Kunstkommission aus vier Vorschlägen, die in einem Künstlerwettbewerb eingereicht worden waren.

Dass die Kirchenmöbel schlicht gehalten wurden, kommt den Figuren zugute, die den Altarraum schmücken. Die Intention des Künstlers sei es gewesen, die Kircheneinrichtung zurückhaltend zu gestalten, weil er sie nur so in Kontrast setzen kann zur Fülle der Figuren, erklärt Pfarrer Spöckl.

Bislang nämlich kamen die Schätze, die die Johanneskirche birgt, nicht richtig zur Geltung. „Man hatte immer das Gefühl, es ist zu viel Holz im Raum“, sagt Pfarrer Gerhard Spöckl über die alte Gestaltung. Die blau gehaltenen Hintergründe der Altäre schluckten förmlich die Schönheit der Figuren des Hauptaltares aus der Riemenschneider-Schule, vor allem aber den Christus Salvator auf dem Seitenaltar, 1509/10 von Tilman Riemenschneider selbst geschaffen. Jetzt leuchten die Hintergründe in goldener Farbe und geben den Figuren damit einen würdigen Rahmen. Die Beleuchtung ist zurückhaltend, indirekt angebracht. „Keine klassische Kirchenbeleuchtung“, sagt Pfarrer Spöckl.

Verändert hat sich auch die farbliche Umrahmung der Fenster, der Treppenzugang zur Empore und die ehemalige Sakristei. Sie wurde in eine Seitenkapelle umgestaltet, in der die Krippe dauerhaft ihren Platz findet und mehrere Bänke die Gläubigen zur inneren Einkehr einladen. Insgesamt wurden im Zuge der Außen- und Innensanierung des Kirchengebäudes 815 000 Euro investiert.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich die Biebelrieder Kirche deutlich verändert. 1606 wurde sie gebaut, an der Stelle, an der zuvor mindestens 350 Jahre lang die St. Peterskirche gestanden hatte. Der erste größere Umbau ging auf Einflüsse der Natur zurück: Am Nachmittag des 6. Juni 1804 zog ein Sturm über die Region und warf den Biebelrieder Kirchturm auf das Langhaus, wie in der Euerfelder Pfarrchronik nachzulesen ist. Dies dürfte der Grund dafür gewesen sein, die Kirche 1822 zu erneuern. Dabei wurde sie auch deutlich vergrößert. Der Hochaltar stand nicht länger im Osten, wie zu Zeiten des Baus, sondern wechselte an die Nordseite. Die Eingangspforte befand sich von da an im Süden, die Gläubigen betraten die Kirche direkt von der Straße aus.

1903 folgte die nächste Erweiterung. Wieder wurde der Eingang verlegt, diesmal in den Westen. Der heutige Chor wurde angebaut, die Kirche nach Süden ausgerichtet. Vom Grundriss her entsprach die Kirche damit der heutigen Form, doch die Ausstattung war eine völlig andere.

Hochaltar und Seitenaltäre waren mit großen hölzernen Aufbauten versehen, die Stirnwand schmückte ein aufwändig gestaltetes Bild der heiligen Dreifaltigkeit. Dazu ein riesiger Kronleuchter, der den Raum völlig überfrachtet wirken ließ.

Das Wandgemälde ist längst verschwunden, es wurde schon 1957 bei einer Renovierung abgeschlagen und überstrichen, heißt es in der Chronik zur 1110-Jahrfeier von Biebelried. Die Aufbauten der Altäre wurden entfernt, der Raum wirkte deutlich schlichter. 1978 wurde dann erneut renoviert. Alles in und um die Kirche wurde überholt, einschließlich des Turms. Knapp 30 Jahre später geht nun eine weitere große Sanierung zu Ende.

Wenn Weihbischof Ulrich Boom am Sonntag um 16 Uhr zur Altarweihe in die Kirche einziehen wird, entspricht dieser Einzug endlich auch der Bedeutung dieses Wortes. Bislang nämlich befand sich der Haupteingang an der Seite, noch vor den ersten Kirchenbänken. Der Weg durch die Gläubigen entfiel. Im Zuge der Sanierung wurde der Eingang an die nördliche Seite verlegt, dorthin, wo sich früher der Friedhof befand. Außen geht es vorbei am neu gestalteten Kirchenumfeld.

„Wir wollten eine Oase in der Gemeinde schaffen“, erläutert Gerhard Spöckl das Ziel dieser Umgestaltung. Zudem sollte ein barrierefreier Zugang zur Kirche und zum benachbarten Rathaus geschaffen werden. 480 000 Euro wurden für die Außenanlagen investiert. Unter der Führung von Landschaftsarchitekt Norbert Stieber (Güntersleben) ist in Zusammenarbeit mit der Gemeinde und dem Amt für ländliche Entwicklung eine Ruhezone entstanden, mit Bänken, aber auch den bisher dort befindlichen, jetzt neu formierten Grabsteinen und Christus am Kreuz als Zentrum. Ein Platz, der zum Innehalten einlädt – und der dem neuen Gesicht der Johanneskirche gerecht wird.

Altarweihe: Die Altarweihe der neugestalteten St. Johanneskirche mit Weihbischof Ulrich Boom findet am Sonntag, 26. November, um 16 Uhr statt.



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