ESCHERNDORF

Ein Riese mit großem Kuschelfaktor

Ein Kaninchen ist kuschelig und klein. Für gewöhnlich. Nicht aber die, die Rainer Steindorf in Escherndorf züchtet: Deutsche Riesen. Sie sind in Dettelbach zu sehen.
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Nein, das ist kein überfütterter Stallhase, sondern ein prächtiger Deutscher Riese. Rainer Steindorf stellt neun von ihnen bei der Bayerischen Landesclubschau in Dettelbach aus. Die Begeisterung für diese Kaninchenrasse wird schon jetzt von Sohn Anton geteilt. Foto: Foto: Conny Puls
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Ein Kaninchen ist kuschelig und klein. Für gewöhnlich. Nicht aber die, die Rainer Steindorf seit 2002 erfolgreich in Escherndorf züchtet: Deutsche Riesen. Neun dieser Tiere stellt er bei der 23. Bayerischen Landesclubschau an diesem Wochenende in der Dettelbacher Frankenhalle aus.

Der Deutsche Riese macht seinem Namen alle Ehre. Riesig sind nicht nur Kopf und Ohren. Auch die Pfoten, auf denen er daher gehoppelt kommt, sind überdimensional. Verständlich, müssen sie doch sieben bis elfeinhalb Kilo Gewicht – auf etwa 72 Zentimeter Länge verteilt – tragen. Hinter dieser Rasse kann sich leicht ein Kleinkind verstecken, wie der eineinhalbjährige Sohn der Steindorfs, Anton, anschaulich demonstriert. Gleich 50 dieser Prachtexemplare – inklusive Jungtiere – hat Steindorf derzeit zu verpflegen. Ein Hobby, das es in sich hat.

Mit acht Jahren hat Rainer Steindorf sein erstes eigenes Zwergkaninchen bekommen. Gut drei Jahre später fing er an zu züchten. „Der Großvater hatte immer Stallhasen, die mich schon als Kind begeistert haben“, berichtet er von den Anfängen. Irgendwann entdeckte er schließlich die Deutschen Riesen für sich. „Die machen halt was her“, so der 35-Jährige, der vor allem für seine Züchtungen in Wildfarben und Gelb bekannt ist.

Seinen größten Erfolg feierte er im Januar 2015 mit einem gelben Riesen auf der Bundesrammlerschau in Ulm. „Nur ein halber Punkt fehlte mir zum Bundessieger. Das hat mich schon gewurmt“, so Steindorf. Dennoch, er ist deshalb nicht minder stolz auf seinen Rammler.

Insgesamt 100 Punkte können die Preisrichter vergeben, die „jedoch keiner erreicht. Dann bräuchten wir nicht weiter zu züchten“, beschreibt er den langwierigen Prozess, um einen bestimmten Farbschlag zu perfektionieren. Das könne durchaus einige Generationen dauern. Blaue und gelbe Riesen lägen derzeit im Trend, aber auch wild- und hasenfarbig, blau-grau, weiß sowie dunkel- und eisengrau präsentieren sich die Tiere auf den Zuchtschauen. Dort werden sie auf Gewicht, Körperform, Gesamterscheinung, Fellhaar, Kopf und Ohren, Deckfarbe und Schattierung, Zwischen- und Unterfarbe sowie Pflegezustand geprüft.

Der Zentralverband Deutscher Kaninchenzüchter e.V. gibt dies für über 49 Rassen in 346 Farbenschlägen in Deutschland vor.

„Die haben hier schon ein Fünf-Sterne-Hotel.“
Rainer Steindorf über seinen Stall

Strenge Regeln also, die es bei einem solchen Hobby einzuhalten gilt. Hinzu kommen Vorschriften wie Stallgröße und der enorme Zeitaufwand, den man bereit sein muss zu investieren.

Täglich eine Dreiviertelstunde verbringt der Familienvater im angrenzenden Gartengelände, nur um seine Riesen zu füttern. „Und manche von denen sind so zutraulich, dass sie auf ihre Streicheleinheiten bestehen.“ Wenn dann noch das Ausmisten der 120 mal 90 Zentimeter großen Boxen dazu kommt, ist man einen ganzen Tag beschäftigt, meint Steindorf, der als Rettungssanitäter im Schichtdienst das große Glück hat, diese Zeit aufbringen zu können.

Ein weiterer Glückfall für ihn: sein Schwiegervater ist Landwirt im benachbarten Neuses am Berg und sorgt für Heu, Stroh und Futterrüben. Immerhin vertilgt ein Kaninchen täglich 30 Gramm Kraftfutter pro Kilo Körpergewicht. Da kommt bei den 50 Riesen mit einem durchschnittlichen Gewicht von zehn Kilo ganz schön was zusammen: Vier bis fünf Tonnen Futterrüben im Winter und zwei Tonnen Kraftfutter mümmeln seine Langohren pro Jahr weg. Hinzu kommen 100 Büschel Heu und Stroh.

Ein Grund vermutlich, warum sich nur wenige Kleintierzüchter auf die Riesen spezialisieren. Auch die Stallgröße schreckt viele ab. Rainer Steindorf ist derzeit dabei, seine zurzeit 65 Quadratmeter große Stallung auf 100 Quadratmeter zu erweitern. „Die haben hier schon ein Fünf-Sterne-Hotel“, meint er schmunzelnd.

Windgeschützt und wegen ihres dichten Fells scheint ihnen die Kälte wenig auszumachen. „Minus 20 Grad ist denen allemal lieber als 30 plus“, erklärt der Hobbyzüchter, der sich für seine Tiere nicht noch einen Sommer wie im vergangenen Jahr wünscht. Trotz Kühlakkus und Ventilatoren sind etliche Tiere verendet. Allemal ein emotionaler Verlust.

Nur gut, dass keiner der Rammler und Häsinnen einen Namen hat. „Wenn ich mit meiner Frau über die Tiere spreche klingt das eher so: „Wie geht's 1-5-1?“ „Gut und auch 0-1-6 entwickelt sich prächtig.“ Die Ziffern beziehen sich auf das Ohr-Tattoo, das Geburtsmonat, -jahr sowie die fortlaufende Nummer verrät.

Die Namenlosigkeit der Tiere liegt nicht nur in der großen Anzahl begründet. Sie trägt sicher auch dazu bei, eine nicht allzu große emotionale Bindung aufzubauen. Denn bei einem Nachwuchs von bis zu 90 Jungtieren pro Jahr bleibt auch Rainer Steindorf nichts anderes übrig, als das eine oder andere Kaninchen irgendwann zu schlachten: „Wir haben zwar einen großen Garten, aber die Kapazität ist irgendwann erschöpft.“

Landesclubschau in Dettelbach

2900 Rassekaninchen von 465 bayerischen Züchtern werden am Samstag und Sonntag, 23. und 24. Januar, in der Frankenhalle in Dettelbach bei der 23. Bayerischen Landesclubschau präsentiert. Geöffnet ist die Schau am Samstag von 7-18 Uhr, und am Sonntag von 8-14 Uhr. Die offizielle Eröffnung übernimmt am Samstag um 10 Uhr Bezirkstagspräsident Erwin Dotzel. Ausstellungsleiter ist Josef Steinack aus Geroldshausen.

In Dettelbach dürfen nur Züchter ausstellen, die Mitglied eines Clubs sind. Rainer Steindorf gehört dem Riesenclub Mittelfranken an. Außerdem ist er im Kleintierzuchtverein Burggrumbach, wo er als Ausstellungsleiter und Tattoo-Meister fungiert.

Rainer Steindorf wurde mit einem wildfarbigen Tier zweimal in Folge unterfränkischer Bezirksmeister. 2014 wurde er mit einer kleineren Rasse (3,5 Kilo) bayerischer Landesmeister in Straubing. Mit einem gelben Rammler erzielte er 2015 seinen bislang größten Erfolg auf der Bundesrammlerschau in Ulm. Das Kaninchen kommt nackt und blind auf die Welt – anders als der Hase.

Der Deutsche Riese kommt ursprünglich aus Flandern (seit 1825) und hieß Belgischer Riese.

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