NORDHEIM

Ein Kopfstand für die neue Weinkönigin

Nach ihrem Wahlsieg in Würzburg wurde Christina Schneider in Nordheim begeistert empfangen. Im Weingut am Vögelein wurde bis tief in die Nacht gefeiert.
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Glückwunsch: Selbstgepflückte Blumen schenkte dieses kleine Mädchen der Fränkischen Weinkönigin Christina Schneider. Rund 300 Gäste kamen nach dem Umzug durch Nordheim zur Spontanfeier im Weingut am Vögelein; im Hintergrund Markus Schneider und seine Frau Senta. Foto: Foto: Matthias Endriß

Als Christina Schneider das Plakat beim Einbiegen ins elterliche Weingut am Vögelein erblickt, da ist sie echt baff: „Fränkische Weinkönigin 2016/2017, Christina Schneider“ steht da zu lesen – riesengroß, weithin sichtbar. Darunter aufgeschichtete Weinkisten als Halterung, ein offenes Feuer, Bistrotische, Kerzenbeleuchtung: Eine prächtige Kulisse für die Spontanfeier an diesem kühlen, klaren Abend.

„Das war einer meiner Gänsehautmomente“, erzählt die 21-Jährige zu später Stunde, als nach all den Glückwünschen mal Zeit für einen kleinen Plausch ist. „Damit habe ich überhaupt nicht gerechnet.“ Genau das wiederholt die neue Hoheit auch bei einem anderen Gänsehautmoment: Oma Christl aus Köhler hat es sich nicht nehmen lassen, sich in die Schar der rund 300 Gratulanten einzureihen. Die (fast) 88-Jährige hat sich fest untergehakt bei ihrer Begleiterin, Gehen und Reden fällt ihr offensichtlich schwer. Doch Omas Augen sprechen Bände, sagen mehr als tausend Worte: sie ist selig.

Gefühlt Puls 180

Fürs Reden im Weingut ist vor allem der Herr Papa zuständig, der während der Wahlveranstaltung jedoch einen Puls von gefühlt 180 gehabt haben dürfte. „Es gibt einen im Saal, der ist viel aufgeregter als ich – mein Papa“, hatte Christina bei ihrer Fragerunde mit Nicole Then und Axel Robert-Müller keck verraten. Nachher, als Christina als Siegerin feststand, war Markus Schneider völlig aus dem Häuschen. Er vollführte sogar einen Kopfstand auf der Bühne, wie er zuvor versprochen hatte. Allerdings erst, nachdem er seine Tochter innig geherzt, ihr gratuliert hatte. „Die vom BR hätten den Kopfstand lieber gleich gehabt. Aber nicht vor dem Gratulieren: Die richtige Reihenfolge muss schon sein.“

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Auf der fröhlichen Busfahrt von Würzburg nach Nordheim („So sehen Sieger aus“ „Hoch soll sie leben“) foppte Bürgermeister Guido Braun den Weingutschef: „Das hat dich fünf Jahre deines Lebens gekostet“, so Braun. „Im Gegenteil: Ich fühle mich jetzt fünf Jahre jünger“, bekam er zur Antwort. In der Stunde des Erfolgs übte Markus Schneider zudem Selbstkritik. „Als mir Christina gesagt hat, dass sie zur Wahl antritt, habe ich entgegnet: 'Enttäusch mich nicht'“.

Das sei ein blöder Spruch gewesen, bekannte er im Bus und zog direkt an die Königin gerichtet noch einmal ganz tief die Mütze. „Du hast mich total überrascht. Danke, dass du das Wagnis eingegangen bist.“

Am Morgen danach herrschte schon weit vor neun Uhr Gewusel im Weingut: Draußen wurden die Überreste der Feier beseitigt, Glasscherben und Zigarettenstummel eingesammelt. Drinnen herrschte Betriebsamkeit mit Blick auf das stramme Programm: Samstag Heckenwirtschaft, Sonntag früh Empfang für Christina im Nordheimer Reathaus, am Nachmittag Mandelfest in der Hauptstraße. „Das passt schon“, ist Markus Schneider guter Dinge. „Ist doch wunderbar, dass Christina das Mandelfest jetzt als Fränkische Weinkönigin eröffnen darf.“

Fotos und Alben

Allerdings wird die Psychologie-Studentin nun kaum noch Zeit haben, in der Heckenwirtschaft zu bedienen: Dort muss jetzt wohl öfters das große Bild in der guten Stube genügen, während die Königin einen ihrer 400 Termine absolviert. Sicher gibt es dann zuhauf neue Fotos von ihr, und wenn Christina Glück hat, auch viele neue Alben. „Ich habe sie schon als Kind mit großer Begeisterung angeschaut. Mama hat alles gesammelt, ihr verdanke ich auch den Zeitungsausschnitt mit dem Mädchentraum von der Weinkrone.“

Nach Weinprinzessin jetzt also Fränkische Weinkönigin – und es spricht aus heutiger Sicht nichts dagegen, dass sich Wunsch drei – Mutter zu werden – nicht auch noch erfüllen sollte. Spätestens dann dürfte der nächste Kopfstand im Weingut am Vögelein fällig werden: „Den kriege ich auch noch mit 80 hin“, versprach Markus Schneider.

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