IPHOFEN

Ein Jahr der Schönheit im Knauf-Museum

Zwei Sonderausstellungen mit ägyptischen Schmuck und japanischen Netsuke-Figuren werden in diesem Jahr nach Iphofen locken. Dem Hexenwahn folgt Schmuck aus Ägypten.
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Schmuck im alten Ägypten: Ein Wandbild aus der Grabanlage des Mereruka gibt schon erste Hinweise auf eine Ausstellung im Knauf-Museum in Iphofen zum Thema Ägypten. Museumsleiter Markus Mergenthaler ist mitten in den Vorbereitungen. Foto: Foto: Gerhard Krämer
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In zwei Holzkästen schiebt Markus Mergenthaler filzummantelte Holzklötzchen hin und her, stellt sie an die Wände oder mitten in den Raum. Nein, dabei handelt es sich nicht um einen Baukasten für Erwachsene, oder vielleicht doch im übertragenen Sinne, denn Mergenthaler plant im Vorfeld am Modell genau, wo welche Vitrine für die nächste Sonderausstellung stehen soll, damit die Objekte optimal präsentiert werden. Wie die Anordnung auf Besucher wirken könnte, das verraten maßstabsgetreue Figuren.

Fertige zur Ausstellung geschaffene Wandbilder zieren die Räume bereits, die Vitrinen sind noch leer und warten auf ihre Bestückung mit Jahrtausende alten Dingen. Nach dem „Hexenwahn in Franken“ und dem „Barbarenschatz“ widmet sich das Museum schönen Dingen: dem Schmuck im alten Ägypten. Schmuck im Alltag, als Luxusgut oder als Schutzobjekt – die drei Bereiche kommen gleichberechtigt zur Geltung.

Ein kopiertes Wandbild aus der Grabanlage des Mereruka, des altägyptischen Wesirs unter Pharao Teti (6. Dynastie, um 2300 v. Chr.), zeigt detaillierte Szenen der Metallbearbeitung. Diese spielt auch in der Ausstellung eine Rolle, denn Metalle waren wichtige Materialien zur Schmuckherstellung.

Es wird ab Sonntag, 13. März, die siebte Schau sein, die Ägypten zum Inhalt hat. Die Ausstellungstücke stammen vom Ägyptischen Museum in Berlin, zu dem das Knauf-Museum seit vielen Jahren gute Beziehungen unterhält. Da es neben der weltberühmten Büste der Königin Nofretete weitere Köpfe gibt, hatte Mergenthaler ursprünglich gehofft, solche Gipsköpfe aus der Amarna-Zeit einmal in Iphofen präsentieren zu können, was sich aber nicht realisieren ließ. Möglich war aber eine Schmuck-Ausstellung. Die Stücke aus Berlin stammen zum größten Teil aus dem Magazin. Viele sind noch nie gezeigt worden.

Ebenfalls mit schönen Dingen wird sich eine weitere Sonderausstellung beschäftigen. Ab 3. Juli sind japanische Netsuke-Figuren aus der Sammlung des 1796 in Würzburg geborenen Philipp Franz Balthasar von Siebold zu sehen. Die Figuren sind aus Elfenbein geschnitzt und sind im Prinzip ein Gegengewicht zu einem am Gürtel eines Kimonos befestigten Gegenstandes.

Mit Siebold, der sich als Japanforscher einen großen Namen gemacht hat, beschäftigt sich Mergenthaler schon seit 1999 und hatte seitdem viele Stücke aus der Münchner Siebold-Sammlung schon selbst in der Hand. Da derzeit in Japan eine große Siebold-Ausstellung geplant ist, war auch Mergenthaler nach Japan gereist und war dort mit im Kuratorium, das die Ausstellung vorbereitet. Sehr angetan ist der Museumsleiter von den dortigen akribischen Vorbereitungen.

Mergenthaler nutzte die Gelegenheit, die japanischen Wirkungsstätten des deutschen Malers Wilhelm Heine (1827 – 1885) zu besuchen. Ihm war es zum Beispiel möglich, Zeichnungen aus dem damals noch für Ausländer gesperrten Edo zu machen. Das Knauf-Museum wird unter dem Titel „Siebold Netsuke treffen japanische Schönheiten“ neben den Netsuke-Figuren Heines Farbholzschnitte mit Frauen aus der Edo-Zeit präsentieren.

Eine Zusammenstellung dieser Art hat es laut Mergenthaler noch in keinem Museum gegeben.

Auch das Projekt „Kunst geht fremd – und macht schön“ passt zu den schönen Ausstellungen in diesem Jahr. Das Knauf-Museum schickt eine Schmink-Palette in die Schweinfurter Kunsthalle, aus dem Würzburger Kulturspeicher kommt ein Gemälde ins Haus. Zu den Ausstellungen kommt am 23. September noch ein Museumskonzert mit Hagen Petzold, der auf nachgebauten alten Instrumenten Musik aus der Antike spielt. Petzold lieferte übrigens zur Barbarenschatz-Ausstellung die Hintergrundmusik.

Das Konzert passt von der Musik her zur Dauerausstellung des Museums, die ab diesem Jahr ergänzt wird. Multimedia wird laut Mergenthaler Stück für Stück Einzug halten. Mit einem Teil der ägyptischen Ausstellung werde begonnen, im Peru-Raum werde eine Wandprojektion kommen. Das Objekt stehe nach wie vor im Vordergrund, die Besucher könnten sich aber noch weiteres Bild- oder Textmaterial ansehen.

Die Sonderausstellung „Alltag – Luxus – Schutz Schmuck im alten Ägypten“ geht diesmal über die komplette Öffnungszeit vom 13. März bis 6. November. Die Ausstellung „Siebold Netsuke treffen japanische Schönheiten“ dauert vom 3. Juli bis 6. November. Mergenthaler hofft, auch mit diesen Ausstellungen und Veranstaltungen wieder Besucher nach Iphofen ins Museum zu locken. 24 800 Besucher waren es trotz der Hitze im vergangenen Jahr.

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