MARKTSTEFT

Ein Jahr als Juniorbotschafterin in die USA

Maxime Haag aus Marktsteft startet im August mit dem Patenschaftsprogramm des Bundestags nach Übersee.
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Maxime Haag aus Marktsteft geht als Stipendiatin des Parlamentarischen Patenschafts-Programms des Deutschen Bundestages für ein Jahr in die USA. Dass sie sich schon immer gerne mit der englischen Sprache beschäftigt und englische Bücher liest, wird ihr dort sicherlich das Einleben erleichtern. Foto: Foto: Daniela Röllinger

Sie mag die englische Sprache. Sie interessiert sich für Politik. Sie engagiert sich gern in der Gesellschaft. Das alles kann Maxime Haag bald unter einen Hut bringen: Im August geht die junge Frau aus Marktsteft als Stipendiatin des Parlamentarischen Patenschafts-Programms (PPP) des Bundestags für ein Jahr in die USA.

1983 haben der Kongress der Vereinigten Staaten von Amerika und der Deutsche Bundestag einen beidseitigen Jugendaustausch vereinbart. Das Ziel: ein Netzwerk persönlicher Verbindungen zwischen jungen Menschen in den USA und Deutschland zu knüpfen, um gemeinsame politische Wertvorstellungen zu festigen und unterschiedliche Lebensweisen im anderen Land kennenzulernen. Mehr als 35 Jahre sind seitdem vergangen, zahlreiche Politiker verschiedenster Parteien standen an der Spitze der beiden Länder, und doch hat die Idee nichts an ihrer Aktualität verloren.

Maxime Haag ist im Sommer vergangenen Jahres auf das Programm aufmerksam geworden. Sie besuchte den Abschlussjahrgang der Realschule, als dort ein Flyer verteilt wurde. Der Zettel hat ihre Neugier geweckt, zumal sie vorher schon mal überlegt hatte: „Eine Zeit lang ins Ausland gehen, das wäre cool.“ In Taizé war sie schon mal für ein paar Tage, außerdem eine Woche mit der Schule in England. Dass ihr jetzt ein Angebot des Bundestages in die Hände fiel, war besonders passend, denn die 17-Jährige engagiert sich gerne für andere, war Schülersprecherin, ist politisch aktiv. Sie ist Beisitzerin im CSU-Ortsverband Marktsteft und gehört dem Vorstand des JU-Kreisverbandes Kitzingen an.

Einfach anmelden, damit ist es allerdings nicht getan beim PPP. Wie alle anderen Schüler und Azubis, die am Programm teilnehmen wollen, hat Maxime sich im Juli vergangenen Jahres beworben. Die Bewerber müssen nicht nur gute Schulleistungen und Englischkenntnisse nachweisen, sondern auch über soziale Kompetenz verfügen. Sie durchlaufen ein zweistufiges Auswahlverfahren mit Gesprächen, einer Diskussionsrunde und einem Test der allgemeinen politischen Bildung. „Entscheidend für die Auswahl ist das gesamte Persönlichkeitsbild und die Eignung, als Juniorbotschafter am PPP teilnehmen zu können“, heißt es auf der Homepage des Bundestages.

Als feststand, dass Maxime dabei sein wird, begannen die Vorbereitungen, unter anderem mit einer einwöchigen Tagung mit allen Stipendiaten, die im August nach Übersee starten. Abgehalten wurde es vom Jugendaustauschprogramm „Youth For Understanding“, das hinter dem Patenschaftsprogramm steht.

„Wir haben viele Werkzeuge in die Hand bekommen für unser Auslandsjahr“, erzählt die 17-Jährige. Da geht es ums Einleben und um Heimweh, um die Unterschiede zwischen dem Leben in Deutschland und den USA, um das Anpassen im Land, den Umgang mit Kriegsveteranen, das amerikanische Wahlsystem und vieles andere mehr. Es ist wichtig, sich auszukennen, findet Maxime. „Weil jeder Austauschschüler ja Deutschland repräsentiert“.

In welchen Staat sie kommt, in welche Familie, wie deren politische Einstellung ist – all das weiß die Marktstefterin noch nicht. Weil der Ort bislang nicht feststeht, ist auch noch offen, ob sie als Junior oder Senior zur Schule gehen wird – in den USA unterscheidet sich das Schulsystem von Staat zu Staat. Angerechnet wird Maxime das Auslandsjahr nicht, das sie nach ihrem ersten Jahr in der Kitzinger Fachoberschule einlegen wird. Verloren ist es trotzdem nicht, findet auch ihre Mutter Katja: „Sie nimmt von diesem Jahr bestimmt ganz viel mit.“ Sie spricht aus eigener Erfahrung, hat selbst als junge Frau einige Monate im Ausland verbracht. „Das hat mein Leben sehr bereichert.“

Dass der Schulbesuch in Amerika nicht angerechnet wird, hat sogar einen besonderen Reiz, findet Maxime: „Dort sind nicht viele Fächer vorgeschrieben, ich kann deshalb ausprobieren, was ich will“, freut sie sich.

Und sie wird viele Leute kennenlernen. Nicht nur die Gasteltern, die Mitschüler und Lehrer. Die Stipendiaten müssen auch eine gewisse Anzahl an Sozialstunden leisten, im Kindergarten beispielsweise, oder in einer Senioreneinrichtung. „Das kann man dann auch ausweiten, wenn man will. Das wird bestimmt eine wertvolle Erfahrung.“

Jedem Stipendiaten ist außerdem ein Pate vom Kongress zugeteilt. Bei einem einwöchigen Aufenthalt in Washington können die jungen Leute in den politischen Alltag in der Hauptstadt schnuppern. Dass während ihres USA–Aufenthaltes die Vorwahlen zur Präsidentschaftswahl stattfinden, gibt dem Ganzen noch einen besonderen Reiz.

„Cool“, „toll“, „spannend“, „wunderbar“ – wer sich mit Maxime unterhält, merkt ihr die Freude darüber an, zur Völkerverständigung beitragen zu können. Ihre Eltern, die dem Austausch von Beginn an positiv gegenüberstanden, hat sie mit ihrer Begeisterung angesteckt: Im Juli kommt für fünf Wochen ein junges Mädchen aus den USA in die Marktstefter Familie und wird mit Maxime gemeinsam zur Schule gehen, erzählt Katja Haag. „Ohne Youth For Understanding wären wir da nicht draufgekommen.“

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