KITZINGEN

Ein Hund mit zwei Gesichtern?

Mit einem Vergleich zwischen dem Tierschutzverein und einer Kundin des Tierheims endete ein Verfahren vor dem Zivilrichter in Kitzingen. Es ging um ganz besonderen Hund.
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Das Tierheim in der Kaltensondheimer Straße in Kitzingen ist ganzjährig geöffnet, auch bei Frost und Eiszapfen. Als Anlaufstelle für nicht geliebte Weihnachtsgeschenke ist es in diesem Jahr noch nicht gebraucht worden. FOTO: Siegfried Sebelka Foto: Sebelka

Mit einem Vergleich zwischen dem Tierschutzverein und einer „Kundin“ des Tierheims endete ein Verfahren vor dem Zivilrichter in Kitzingen. Die Frau hatte den Verein wegen eines auf der Homepage des Tierheims erschienenen Artikels verklagt. Ziel: Die Zeilen, durch die sie sich als Hundehalterin verunglimpft fühlte, dürfen nicht mehr erscheinen. Das hat die Frau erreicht – auch ohne Urteil.

Nach langen Auseinandersetzungen und einem gescheiterten Mediationsversuch formulierte der Zivilrichter jetzt den Vergleich. Dem haben beide Seiten zugestimmt. Der Tierschutzverein sagt eine Erklärung zu. Die wird eine Woche lang auf der Startseite der Homepage des Tierheims gut sicht- und lesbar zu finden sein. Darin wird versichert, dass keine weiteren Artikel über die Vorbesitzer des Hundes auf der Homepage verfasst werden. Zudem wird klar gestellt, dass „es niemals Intention des Artikels war, die Vorbesitzerin als schlechte Hundehalterin darzustellen“. Nicht auf der Homepage, aber im Vergleich steht noch, dass mit der Erklärung alle Ansprüche der Klägerin erledigt sind. Genau das war das erklärte Ziel der Spitze des Tierschutzvereins.

„Wir wollen einen Schlussstrich.“
Rechtsanwältin des Tierschutzvereins Kitzingen

„Wir wollen einen Schlussstrich“, sagte die Rechtsanwältin des Vereins. Vorsitzender Gerd Menche sagte nach der Verhandlung: „Wir haben Besseres zu tun und brauchen unsere Zeit wirklich für Wichtigeres.“

Vorher war deutlich geworden, dass es über den Fall selbst weiter unterschiedliche Auffassungen gibt. Das gilt für das Wesen des im Herbst 2014 vermittelten Hundes ebenso wie für die Erziehungsmethoden. Ohne dass alles aufgerollt wurde, der Hund muss ein Besonderer gewesen sein. Je nach Sichtweise war der damals vierjährige Rüde ein „aggressiver Beißer“, der selbst vor einer laufenden Kettensäge nicht Halt gemacht hat. Auf der anderen Seite war und ist er ein Hund, der seit fast einem Jahr friedlich in seiner neuen Familie lebt – mit einem kleinen Kind und völlig problemlos.

Vermittelt worden war der Hund im Herbst 2014. Mit den in solchen Fällen im Tierheim üblichen Informationen. Die Klägerin ging von einem ausgeglichenen Tier aus. Es kam aber anders. Warum, wird nie geklärt werden. Jedenfalls kam die Frau mit dem Vierbeiner nicht zurecht. In ihren Augen entpuppte sich der Rüde als äußerst aggressiv. Ihre in den Augen der Tierschützer „gewöhnungsbedürftigen“ Erziehungsmethoden halfen nichts. Als sie auch noch gebissen wurde, gab sie den Hund zurück. Was folgte, war der Artikel auf der Homepage über die Rückkehr des Hundes. Der war so verfasst, dass sich die Frau „verunglimpft“ fühlte. Von einer „schallenden Ohrfeige für die Hundehalterin“, sprach ihr Rechtsanwalt. Die Tierschützer mit anderen Vorstellungen von Hundeerziehung hielten den Artikel durch die Meinungsfreiheit gedeckt.

Beide Seiten blieben bei ihrer Meinung. Die Klage wegen Unterlassung war die Folge. Der Richter versuchte den eleganten Weg über eine gemeinsame Erklärung. Mit der hätten alle auch ohne Urteil oder Vergleich leben können. Der Vorschlag: Beide Seiten betonen ihre Liebe zu und ihr Engagement für die Tiere als gemeinsames Ziel. Sie beschreiben aber auch, dass es unterschiedliche Wege zu dem Ziel gibt. Und sie bedauern, dass es zu den Auseinandersetzungen gekommen ist. Das war den Tierschützern offenbar doch zu viel der Gemeinsamkeit. Sie legten die eigene Erklärung vor, die dann zum Vergleich wurde. Was die Sache kostet, wird der Richter noch entscheiden.

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