Kitzingen

Ein heißes Jahr im Tourismus

Was den Gästen im Landkreis Kitzingen gefällt. Und was sie sich wünschen.
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Radtouristen sind im ganzen Landkreis zu sehen. Den Rathausplatz in Volkach bevölkern sie in diesem Jahr auch im Herbst. www.zudem.de Foto: Foto:
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Landkreis Kt

Die Tourismus-Saison im Landkreis Kitzingen befindet sich in ihrer heißen Phase. Im Herbst strömen die Gäste ins Weinland Franken. Ist der Herbst so warm und sonnig wie in diesem Jahr, kommen sie erst recht. Wir haben bei vier Tourismusbüros nachgefragt, wie die Saison bislang gelaufen ist.

Kitzingen:

Vanessa Feines freut sich über eine Hauptsaison, die sich deutlich erweitert hat. Von Anfang Mai bis Mitte Oktober hat die Sonne die Gäste in der Großen Kreisstadt verwöhnt. Die kamen vor allem per Rad, aber auch der Wohnmobilstellplatz war fast durchweg voll. Die Rückmeldung vieler Gäste: Kitzingen hat eine einzigartige Lage. Beide Mainufer sind ohne Autoverkehr zugänglich, gerade der Stadtbalkon auf Etwashäuser Seite wird von den Touristen gerne genutzt. Was bemängelt wird: Eine überschaubare Auswahl beim Mittagstisch und kaum Möglichkeiten, auch mal spontan bei einem Winzer vorbeizuschauen, um eine Kellerführung oder Weinprobe zu bekommen. „Der kulinarische Tourismus ist ein boomender Markt“, sagt Feines. „Hier könnte das Angebot in Kitzingen größer sein.“

Volkach:

„Normalerweise geht die Saison für Radtouristen und Wanderer Ende August zu Ende“, sagt Tourismusleiter Marco Maiberger. In diesem Jahr ist das anders. „Der Strom der Gäste ist ungebrochen.“ Das konstante Wetter über Monate hinweg hat unter anderem dafür gesorgt, dass der örtliche Camping-Platz nicht nur an den Wochenenden, sondern auch unter der Woche ausgebucht war. Der Kanuverleiher an der Mainschleife berichtet, dass er rund 13 000 Menschen in diesem Jahr aufs Wasser gebracht hat. Der klassische Wochenend-Tourismus ist längst abgelöst worden. „Viele Menschen suchen auch unter der Woche ein Freizeit- und Naturerlebnis“, weiß Maiberger. An der Mainschleife werden sie fündig. Die Kehrseite der Medaille: Manche Übernachtungs- und Gastronomiebetriebe klagen über zu wenig Personal. Im Winter will sich Maiberger mit den Verantwortlichen zusammensetzen und das Thema besprechen. Er kann sich eine Image-Offensive vorstellen, deren Ziel es ist, die Gastronomie in der Region auch für Arbeitnehmer attraktiver zu machen. Außerdem ist Maiberger bewusst, dass ein wachsender Tourismus nur mit und niemals gegen die Einheimischen funktioniert. Auch diesbezüglich will er sich Zeit nehmen, ein offenes Ohr für die Wünsche und Sorgen haben. „Alles, was wir angehen, müssen wir mit Ziel und Maß machen“, fordert er. „Letztendlich sollen sich nicht nur die Gäste, sondern auch die Einheimischen selbst in Volkach und Umgebung wohlfühlen.“

Iphofen:

Jede Menge Beratungen stehen für Claudia Bellanti und ihre Kolleginnen derzeit an. „Die Traumrunden sind ein großes Thema“, sagt sie. „Die werden absolut gut angenommen.“ Der Wunsch der meisten Gäste: Ankommen, Autoschlüssel aus der Hand legen und aktiv entspannen. Im Hochsommer stieg die Nachfrage nach schattigen Wanderwegen und Bademöglichkeiten. „Super, dass das Markt Einersheimer Freibad wieder aufgemacht hat“, freut sich die Leiterin der Tourist–Info. Den Radtouristen empfahl sie auch die Badebuchten am Main. „Die touristische Zusammenarbeit darf ja nicht an den Ortsgrenzen enden“, sagt sie. Am wichtigsten seien die Bedürfnisse der Gäste. Die kommen vermehrt als Tagestouristen aus dem Raum Nürnberg und fragen gezielt nach Wanderungen mit Start- und Zielpunkt Iphofen. „Daran wollen wir arbeiten“, kündigt Bellanti an. Außerdem will sie die Iphöfer Stadtteile künftig besser ins touristische Konzept einbinden. „Das ist unsere Hausaufgabe.“

Dettelbach:

Franziska Lichtenauer freut sich über einen großen Besucherandrang. Von Ende August bis Mitte Oktober waren die Wochenenden in Dettelbach so gut wie ausgebucht. Bis nach Ochsenfurt und Schweinfurt hat sie ihre Gäste weiter vermitteln müssen. Die kamen in diesem Jahr vermehrt aus dem Norden der Republik. „Sonst hatten wir viele Besucher aus Nordrhein-Westfalen.“

Zwei bis drei Nächte bleiben die Gäste in der Regel in Dettelbach, suchen vor allem Angebote rund um den Wein. „Die Traumrunden werden auch sehr gut angenommen“, freut sie sich. Tagsüber Wandern oder Radfahren und abends in eine Heckenwirtschaft oder eine fränkische Gastwirtschaft: So sehen die Vorlieben der meisten Besucher aus. Lichtenauer hofft, dass es künftig auch in Dettelbach ein Weinbistro geben wird. Und sie wünscht sich eine bessere Vernetzung des Öffentlichen Nahverkehrs. „Viele kommen mit dem Zug“, sagt sie. „Und kommen dann kaum weiter.“ Mit dem Bus nach Volkach oder an die Mainschleife zu kommen, sei kaum möglich, die Verbindungen zu selten und zu kompliziert.

Die Anregungen der Gäste will Lichtenauer zusammen mit ihren Kollegen sammeln und an die Gemeinden beziehungsweise das Landratsamt weitergeben. Ein Wunsch vieler Touristen wird dabei sicher auch kommuniziert: Mit dem Schiff von Dettelbach nach Volkach oder Kitzingen fahren und mit dem Rad zurück. „Wäre doch schön, wenn wir die Schiffsfahrten irgendwie in den ÖPNV einbinden könnten.“

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