WIESENBRONN/LANDKREIS KT

Ein paar Haufen Ärger

Hunde sind der Deutschen liebste Tiere, ihre Hinterlassenschaften mag niemand.
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Beutel für die Hinterlassenschaften gibt es. Aber sie werden halt nicht immer genutzt. In Wiesenbronn gibt es eine Diskussion über Hundehaufen, die manche Bewohner mächtig ärgern. Foto: Foto: Ralf Dieter

Eines stellt Mario Hofmann gleich am Anfang klar: Er hat nicht als Weinbauvorsitzender gesprochen. Sondern als Privatperson. Zum Inhalt seiner Kritik steht er aber nach wie vor: Zu viele Hundehaufen in Wiesenbronn.

Große Aufregung im eher kleinen Weinort: Das Hundehaufen-Thema spaltet den Ort – zumindest sorgt es für hitzige Diskussionen. Mario Hofmann hat sie in Gang gesetzt. Mit einem Antrag, den er inhaltlich ernst gemeint hat. Aber nicht im Detail.

„Hiermit beantrage ich, die Hundesteuer auf 1000 Euro pro Hund zu erhöhen“, heißt es in seinem Schreiben vom 21. Oktober. „Um die Flut an Hunden einzuschränken beziehungsweise Personal anzustellen, das einmal pro Woche die Hinterlassenschaft beseitigt.“

1000 Euro! Das kam in Wiesenbronn nicht gerade gut an. Theo und Andrea Paul formulierten es in einem Leserbrief an diese Zeitung so: „Wir sind dem Gemeinderat sehr dankbar, dass er die irrsinnige Forderung abgelehnt hat“. Mario Hofmann relativiert: Die 1000 Euro seien weder zielgerichtet noch realistisch. „Ich wollte die Hundebesitzer halt sensibel machen für das Thema. Sie aufrütteln.“

„Ich hätte nie gedacht,

dass das Thema solche Ausmaße annimmt.“

Mario Hofmann, Hundehaufen-Kritiker

Das ist ihm ganz offensichtlich gelungen. In der Gemeinderatssitzung Mitte November wurde sein Antrag behandelt, seither wird das Thema in dem Weinort kontrovers diskutiert. „Scheinbar fühlen sich doch manche Hundebesitzer im Ort angegriffen“, sagt Mario Hofmann. „Ich hätte nie gedacht, dass das Thema solche Ausmaße annimmt.“

Bürgermeisterin Doris Paul erinnert daran, dass die Gemeinde schon aktiv wurde. Fünf neue Hundekotbeutelbehälter sind aufgestellt worden, im Mitteilungsblatt wurden entsprechende Hinweise veröffentlicht. Sie weiß aber auch, dass sich nicht alle Hundebesitzer an die Regeln halten. Manche würden es drauf anlegen, so nach dem Motto: Wenn wir schon Hundesteuer bezahlen, dann kann die Gemeinde auch die Hinterlassenschaften wegräumen. Die große Mehrheit im Ort würde sich allerdings korrekt verhalten.

Eine Erhöhung der Hundesteuer von derzeit 28 Euro pro Hund oder ein Bußgeldverfahren für Missetäter hält sie für den falschen Weg. „Es bräuchte ja jedes Mal einen Zeugen, der einen Hund beim Geschäfte machen beobachtet und sein Herrchen an die Gemeinde meldet.“ Doris Paul, die selbst einen Hund hat, appelliert deshalb lieber an alle heimischen und auswärtigen Hundebesitzer: „Nehmt halt a Tütla mit und räumt die Hinterlassenschaften weg. Dann kehrt Ruhe ein.“

Ob das so stimmt? Immer wieder poppt das Thema in Gemeinden in ganz Deutschland auf. In Oberasbach im Landkreis Fürth hatte die örtliche CSU Ende November sogar angeregt, DNA-Proben von allen Hunden nehmen zu lassen. Tatsächlich gibt es Firmen, die einen entsprechenden Service anbieten. Der Stadtrat lehnte ab.

Die Hundesteuer ist Sache der Gemeinde. Entsprechend unterschiedlich fallen die Gebühren aus. Biebelried und Albertshofen verlangen 20 Euro für den ersten Hund und das Doppelte für den Zweiten. Die Stadt Kitzingen erhebt 36 Euro für den ersten Hund, 72 Euro für den zweiten und 133 Euro für jeden weiteren Hund. Kampfhunde werden mit 307 Euro besteuert. In Geiselwind werden Hundebesitzer mit 50 beziehungsweise 100 Euro (für den Zweiten) zur Kasse gebeten.

„Nehmt halt a Tütla mit und räumt die Hinterlassenschaften weg. Dann kehrt Ruhe ein.“
Doris Paul, Bürgermeisterin

An einer Erhöhung der Steuer hatte der Wiesenbronner Gemeinderat dieses Mal kein Interesse. Die 1000 Euro waren selbst von Mario Hofmann nicht ernst gemeint – mehr als Weckruf gedacht. Und tatsächlich: In den letzten Tagen habe er viel Zuspruch erhalten, sagt er. Aber auch Kritik. Ob das tatsächlich sein Ernst sei, hätten ihn einige Hundebesitzer im Ort gefragt. Bis auf die Höhe des Hundesteuer ist es Mario Hofmann ernst. „Ich will natürlich niemanden anzeigen“, sagt er. „Aber ich will auch keine schwammigen Lösungen.“

Die Gemeinde habe zwar einige Behältnisse mit Beuteln im Ort aufgestellt. Deren Benutzung stellt er aber in Frage. Mehrmals am Tag sehe er beispielsweise Hundebesitzer in der Schlossgasse laufen. Nur einer habe eine Tüte dabei. Hundehaufen seien nach wie vor zu sehen – sowohl inner- als auch außerorts. Bei Führungen durch den Weinkunstweg müsse er die Besucher immer wieder vor Hundehaufen warnen. Im Schlossgraben ist er selbst schon zweimal mit den Rädern des Kinderwagens über Hundehaufen gefahren. Und direkt vor seiner Haustür hat er auch schon einen Haufen entdeckt.

Im Wiesenbronner Mitteilungsblatt sollen weitere Aufrufe an die Hundebesitzer ergehen, Bürgermeisterin Paul spricht selbst von einer „unschönen Situation“. Eine Situation, die übrigens nicht neu ist, wie ein Blick ins Archiv zeigt. Vor fast genau 20 Jahren informierte der damalige Bürgermeister Gerhard Müller das Gremium über Klagen aus der Bevölkerung. Straßen und öffentliche Plätze würden vermehrt von Hunden verschmutzt. Die Hundehalter sollten in die Pflicht genommen werden. Der Gemeinderat beschloss damals, die Hundesteuer von 20 Mark auf 50 Mark zu erhöhen – und damit mehr als zu verdoppeln.

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