RÜDENHAUSEN

Ein Graf und seine Leidenschaften

Meine kleine Blasmusik – der Titel des Buches passt. Denn klein sind die Objekte auf jeden Fall, die Karl Graf zu Castell-Rüdenhausen in seinem neuen Buch auf 112 Seiten präsentiert: Musiker-Figuren aus aller Welt, die der Adelige in fünf Jahrzehnten gesammelt hat.
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Meine kleine Blasmusik – der Titel des Buches passt. Denn klein sind die Objekte auf jeden Fall, die Karl Graf zu Castell-Rüdenhausen in seinem neuen Buch auf 112 Seiten präsentiert: Musiker-Figuren aus aller Welt, die der Adelige in fünf Jahrzehnten gesammelt hat.

Wie kommt man dazu, Blasmusikkapellen im Mini-Format zu sammeln?

Karl Graf zu Castell-Rüdenhausen: Ich denke, das hat mit meiner großen Liebe zur Blasmusik zu tun. Als ich zirka zehn Jahre alt war, fuhr ich mit meinem Vater nach München. In einem Schaufenster entdeckte ich eine winzig-kleine Musikkapelle aus Holz. Mein Vater schenkte sie mir – und legte damit unbewusst den Grundstein für meine große Sammlung.

Die kleinen Musikanten haben also eine große Sammelleidenschaft in Ihnen ausgelöst?

Castell-Rüdenhausen: Ja, das Sammeln ist in unserer Familie weit verbreitet. Meine Urgroßmutter hatte eine beachtliche Sammlung schönster Porzellanvögel und Elefanten meist aus namhaften Manufakturen. Meine Tante Monika – Gräfin zu Solms-Laubach, verheiratete Prinzessin von Hannover – spezialisierte sich auf altes Spielzeug und sammelte vor allem historische Puppenstuben. Ihre Sammlung kann man heute in einem „Puppenstuben-Museum“ in Laubach besichtigen. Das Sammeln liegt also in meinen Genen. Ich wollte immer schon etwas Ausgefallenes, was nicht jeder sammelt. Ich kenne auch weit und breit niemanden, der sich auf dasselbe Sammelgebiet spezialisiert hat.

Wo finden Sie Ihre Sammelobjekte?

Castell-Rüdenhausen: Nachdem Freunde und Verwandte von meinem Spleen erfahren hatten, schenkten sie mir im Lauf der Jahre die unterschiedlichsten Mini-Musikanten. Außerdem bin ich ein leidenschaftlicher Antik- und Flohmarkt-Gänger! Auch im Internet bestelle ich musikalische Figuren.

Wie viele Kapellen haben Sie mittlerweile – und wo kommen die alle her?

Castell-Rüdenhausen: Von den berühmten Engeln aus dem Erzgebirge über Militärkapellen aus Zinn, Blei oder Plastilin bis hin zu wertvollen Tierfiguren aus „Wiener Bronze“ spannt sich der Bogen weit. Über 500 Gruppen stehen bei mir zuhause in großen Vitrinen, wobei die Figuren teilweise nur wenige Millimeter klein, aber nie größer als zehn Zentimeter sind. Neben musizierenden Drachen, Schweinen, Bären, Schmetterlingen, Mickymäusen, Hunden, Kühen, Osterhasen, Fliegenpilzen, Katzen, Elefanten, Fröschen, Maikäfern und Eulen befinden sich dort auch Schlümpfe, Mönche, Nonnen, Schneemänner, Nikoläuse, Clowns und Zwerge in lustigen Formationen.

Das klingt, als stünde echte Kunst auch gern mal neben echtem Kitsch?

Castell-Rüdenhausen: Egal ob wertvoll oder billig – ich sammle alles, da gehören auch Plastikfiguren aus den Überraschungseiern dazu. Meine Musikanten stammen nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus den USA, aus Schottland, England, Portugal, Finnland, Italien, Holland, Dänemark, Österreich und der Türkei sowie aus Indien, Peru, Australien und Mexiko.

Haben Sie unter den 500 Kapellen einen besonderen Liebling?

Castell-Rüdenhausen: Zu den besonderen Raritäten zählt eine kleine Nachbildung der „original Egerländer Musikanten“ aus Zinn. Diese Figuren entdeckte ich vor vielen Jahren im Büro von Ernst Mosch, dem legendären Leiter und Gründer des erfolgreichsten Blasorchesters der Welt. Ich erzählte Mosch von meiner Sammelleidenschaft, doch leider wollte er sich nicht von den Miniaturen trennen. Jahre später bekam ich zum Dank für meine Moderationen einiger Mosch-Erinnerungskonzerte eben diese Gruppe von der Blaskapelle Altmannshausen geschenkt!

Worum geht es in Ihrem Buch „Meine kleine Blasmusik“ genau? Erzählen Sie zu jedem Objekt eine Geschichte?

Castell-Rüdenhausen: Nein, das würde zu weit führen. Die kleinen Figuren habe ich zusammen mit meinem Schulfreund Josef Röll vom Röll-Verlag in Dettelbach sehr aufwändig fotografiert. Alleine diese Bilder sollen im Buch wirken. Es sind ein paar Erläuterungen zu den Uniformen der Soldaten geschrieben. Bei der Identifizierung der Soldaten half mir übrigens Jan K. Kube vom Spielzeugmuseum in Sugenheim. Er ist absoluter Fachmann für Militaria und bekannt aus der Fernsehsendung „Kunst und Krempel“. Ihm und auch Ernst Hutter, dem Dirigenten der original Egerländer Musikanten, bin ich für die begleitenden Worte im Buch dankbar.

Wen könnte Ihr Buch über die Sammelobjekte interessieren?

Castell-Rüdenhausen: Das Buch ist das ideale Geschenk für Musikanten, Musiker und musikliebende Menschen, die die Freude an den kleinen Dingen im Leben nicht verloren haben. Es ist ein musikalisches Bilderbuch, in dem es viel zu entdecken gibt.

Derzeit verwahren Sie Ihre umfangreiche Sammlung bei sich zuhause? Wäre es nicht sinnvoll, einen öffentlich zugänglichen Ort zu finden?

Castell-Rüdenhausen: Je älter ich werde, desto mehr mache ich mir Gedanken darüber, was wohl einmal mit meiner außergewöhnlichen Sammlung wird. Sie in einem Museum zu wissen, wäre schon schön, aber momentan möchte ich mich noch zuhause daran erfreuen. Vielleicht finde ich noch einen geeigneten Ort?

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