Mainstockheim

Ein Garten entfaltet weite Räume der Poesie

Zum Tag der offenen Gartentüren im Landkreis Kitzingen war ein Rarität geöffnet: der Bibelgarten in Mainstockheim.
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Der Bibelgarten in Mainstockheim lädt ein, innezuhalten und sich auf die Pflanzen wie den Brennenden Dornbusch einzulassen. Foto: Foto: Tessa Korber

Es gibt ihn tatsächlich, den Brennenden Dornbusch. Botanisch heißt er Dictamnus albus, steht zwar nicht in Flammen, strahlt aber intensiv rot, und wie Moses stellt sich der Betrachter davor und sagt: „Hier bin ich.“

Peter Goblirsch erwartet die Gäste bereits. Der Theologe und Pädagoge betreut seit seiner Verrentung den Garten, hat ihn mit konzipiert und aufgebaut. Wie all seine Mitstreiter arbeitet er ehrenamtlich. Tatsächlich haben sie gemeinsam ein kleines Paradies geschaffen.

Pflanzen erzählen Geschichten aus der Bibel

Im Jahr 2010 kam die Frage auf, was man mit dem nicht mehr genutzten Garten des Mesners anfangen sollte. Kirchenratsmitglied Helgard Grunert hatte die Idee, einen Garten anzulegen, in dem Pflanzen Geschichten aus der Bibel erzählen sollten. Volker Grunert renovierte die alte Kirchhofmauer, unter der das Areal liegt, Volker Lang steuerte die geschmackvollen Edelstahl-Schilder bei, auf der die Namen der Pflanzen vermerkt sind und das Bibelzitat, in dem sie erwähnt werden. Und Peter Goblirsch machte sich an die Arbeit. Schutt räumen, Graben, Pflanzen. Das kleine, langgezogene Areal erforderte einiges Nachdenken.

Für das schmale Endstück entschied man sich für eine künstlerische Lösung. Zwölf Edelstahl-Zylinder erinnern an die zwölf Stämme Israels und gleichermaßen an die zwölf Apostel. „So verbinden wir das Alte mit dem Neuen Testament“, ergänzt Peter Goblirsch. Er bietet Führungen für Erwachsene und Kinder an und lässt sein theologisches Wissen mit viel Freude einfließen. Man merkt ihm an, dass er jede Pflanze hier selbst gesetzt hat, dass jedes Zitat für ihn eine echte Bedeutung besitzt.

Im Weingarten des Herrn

Wie viele Pflanzen in der Bibel Erwähnung finden, das wird einem klar, sobald man sich umschaut. Noch ehe man die Schilder liest, strömen schon die Ideen: Ein Weinstock, natürlich: der Arbeiter im Weingarten des Herrn. Oder die Damaszener-Rose mit ihrer vollen Blüte: War da nicht was mit dem Hohen Lied? Salomon-Siegel, Jakobsleiter und Christusdorn sprechen für sich, ebenso der Judasbaum.

Anderes überrascht einen: „Rizinus“, verheißt eine Aufschrift. Und man erfährt: Er wuchs, um dem Haupte Jonas Schatten zu spenden. Dafür muss die einjährige Pflanze sich in diesem Sommer allerdings noch ein wenig strecken. Aus den Früchten der Malve, besser als Stockrose bekannt, ließ der Prophet Elija ein Gemüse kochen. Und was hat es mit dem Ysop auf sich? Es macht Spaß, näher zu treten, nachzulesen und die eigenen Eingebungen zu überprüfen. Peter Goblirsch mag vor allem die Erklärungsversuche der Kinder. Ihnen heißt die Pfingstrose Pfingstrose, weil sie während der Ferien blüht.

Begnadete Lage

Der Mainstockheimer Bibelgarten liegt sozusagen begnadet. Thematisch korrekt schmiegt er sich dicht an die alte Wehrmauer der Kirche, die mit ihrem Schutz und der abstrahlenden Wärme dafür sorgt, dass die teilweise mediterranen Pflanzen sich hier wohlfühlen. Allen voran der Feigenbaum, der sich dicht an den Stein hält und schon prächtig Früchte trägt. Aber auch der Granatapfelbaum gedeiht und die Aprikosen wachsen. Die St. Jakobus-Kirche und das alte Torhaus überragen den kleinen Flecken, die Fundamente einer alten Apsis aus dem 6. Jahrhundert, halbrund wie die Reste eines Brunnens, bestimmt das Profil, der alte Ortskern umgibt alles malerisch.

Meditativ ist das Wort, das einem einfällt, das beginnt schon mit den Platten des Weges, der, sich windend, in den Garten einlädt. Es ist kein Wunder, dass viele Touristen den Weg hierher finden.

Immer wieder kommt Neues dazu, manches von begeisterten Besuchern gespendet. Pünktlich zum Lutherjahr wurde noch ein Apfelbaum gepflanzt. Und zum ersten Mal war der Bibelgarten nun auch beim „Tag der offenen Gartentür“ am gestrigen Sonntag dabeigewesen, den der Landesverband für Gartenbau und Landespflege 2000 initiiert hatte.

Für die Zukunft sind ihm viele begeisterte Besucher zu wünschen. Oder, wie Jesaia es formuliert: „Berge und Hügel brechen in Jubel aus; alle Bäume auf dem Feld klatschen in die Hände. Statt Dornen wachsen Zypressen, statt Brennnesseln Myrten.“



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