Marktbreit

Ein Festival für die Zukunft

Musik, Info-Stände und Open-Air-Kino: Bei „We for Future“ ist der Name Programm
Artikel drucken Artikel einbetten
IMG_0978
Schild in der Manocmanoc-Elementary-School auf Boracay. Foto: Knöchel
+10 Bilder

Wieso machen sich zwei gestandene Männer, selbstständig und gut situiert, ganz intensiv Gedanken um die Zukunft unserer Welt? Weshalb machen sie es sich nicht in ihren Liegestühlen gemütlich, mit einem Bierchen in der Hand, und lassen es sich gut gehen? Warum setzen sie stattdessen viel Zeit und auch einiges an Geld ein, um ein „Zukunfts-Festival“ auf die Beine zu stellen? Sind das „Spinnerte“? Oder vielleicht die Initialzünder einer großen Bürgerbewegung? Die Redaktion hat Wolf Demel (54) und Achim Knöchel (51) befragt.

Frage: Was seid Ihr? Gutmenschen? Träumer? Macher?

Achim Knöchel: Vielleicht ja von allem etwas? Jedenfalls sind wir in der glücklichen Lage, dass es uns gut geht. Und wir möchten, dass auch andere Menschen das von sich sagen können. Am besten überall auf der Welt. Das treibt uns an.

Angesichts der großen globalen Probleme wie Überbevölkerung, Klimaerwärmung oder der Kluft zwischen Arm und Reich muss die Frage erlaubt sein: Wie soll ein Festival in einem kleinen Städtchen überhaupt etwas bewegen?

Knöchel: Gegenfrage. Wie soll überhaupt je etwas bewegt werden, wenn jeder nur mit seiner eigenen, begrenzten Kraft arbeitet? Es geht nur gemeinsam. Wir wollen Kräfte bündeln, bestehende Initiativen zusammenbringen und möglichst viele Menschen für diese Idee begeistern. Es gibt in unserer Region schon viele Einzel-Initiativen, aber eben keine gemeinsame Plattform.

Was sind Eure ganz konkreten Ziele?

Knöchel: Wir wollen Armut bekämpfen und soziale Ungerechtigkeit. Wir wollen Natur- und Umweltschutz-Projekte fördern, mit dem Ziel, möglichst vielen Menschen dieser Erde eine faire, friedliche und nachhaltige Zukunft zu ermöglichen. Mit „We for Future“ wollen wir Menschen dafür begeistern, sich an den anstehenden Veränderungen zu beteiligen und sich für unsere Mitmenschen, für Umwelt und Zukunft zu engagieren.

Ihr habt beim Festival zahlreiche Partner im Boot, etwa den ökologischen Verkehrsclub Würzburg, die Wasser-Initiative „Viva con Aqua“ oder die Umweltschutzorganisation Bergwald-Projekt. Waren die alle gleich angetan von Eurer Idee?

Knöchel: Ja, als wir mit der Organisation angefangen haben und die Gruppen gefragt haben, ob sie mitmachen wollen, hat die Begeisterung uns richtig überrollt. Das hat eine ganz eigene Dynamik bekommen – und uns bestärkt, auf einem guten Weg zu sein.

Wer steht hinter Eurer Organisation „We for Future“?

Knöchel: „We for Future“ ist Anfang des Jahres aus dem Hilfsprojekt „You can help“ hervorgegangen, mit dem meine Frau und ich Hilfsprojekte auf den Philippinen verwirklicht haben. Die Familie unserer Schwägerin Analou lebt dort, daher haben wir hautnah mitbekommen, wie die Menschen nach dem Supertaifun Haiyan 2013 gelitten haben. Spontan haben Freunde und Verwandte gespendet, so dass wir nachhaltig helfen konnten, zum Beispiel Schulprojekte zu verwirklichen.

Habt Ihr „You can help“ aufgegeben?

Knöchel: Nicht aufgegeben! Sondern überführt in die umfassendere Organisation „We for Future“, mit der wir einfach breiter aufgestellt sein wollen. Wir wollen nicht nur im Ausland helfen, sondern uns auch in unserer Region engagieren. Immer, wenn ich Donald Trump sehe, habe ich das Gefühl, ich muss etwas unternehmen, dieser Entwicklung etwas entgegensetzen. Mit dem neuen Namen „We for Future“ möchten wir ausdrücken, dass wir nicht warten wollen, ob die Politik die drängenden Probleme löst, sondern dass wir von unten, von der Basis her, gemeinsam Druck aufbauen können.

Ihr zeigt zwei Filme, beide weit weg vom Mainstream, aber doch völlig unterschiedlich. Warum habt Ihr einen Piratenfilm und die Doku „Tomorrow“ fürs Open-Air-Kino ausgesucht?

Wolf Demel: „...und ewig fließt der Mee“ ist ein Piratenepos aus unserer fränkischen Heimat, ziemlich crazy und polarisierend. Wir haben den Film 1992 mit einfachsten Mitteln und 70 Laiendarstellern gedreht. Die Darsteller wurden jeweils am Vortag in der Kultkneipe Tamtolli rekrutiert, die Erich „Solo“ Schuller in Marktbreit betrieb und die Requisiten stammten zum großen Teil von Schullers Dachboden, die Kostüme und Waffen von der Stadt Marktbreit. Der Film enthält alles, was großes Kino ausmacht: Intrige, Kampf, Leidenschaft, Liebe, die Standesschranken überwindet. Er ist eine eigenwillige Interpretation der Vorgänge im 18. Jahrhundert, als vom Main aus Soldaten nach Übersee verschifft wurden, um für England gegen die aufständischen Siedler zu kämpfen. Das Thema haben wir emotional und geografisch heruntergebrochen auf die Gegend und die Menschen des Maindreiecks. Ich bin sicher, dass Disney manche Outfit-Idee für „Pirates of the Carribean“ von uns abgeschaut hat!

Wie kommt's, dass dieser Kultfilm Euch nach 25 Jahren wieder bewegt?

Demel: Volker Schlegelmilch von der Tourist-Info Marktbreit hat 2016 nach einer Wiederaufführung gefragt. Kurz darauf starb Regisseur und Schauspieler Erich (Solo) Schuller, ohne den der Film nie verwirklicht worden wäre. Die Wiederaufführung soll nun eine Hommage an ihn sein, ein gemeinsames Erinnern an eine schöne Zeit.

Knöchel: Als klar war, dass wir ein Open-Air-Kino veranstalten, haben wir gedacht, dann können wir auch gleich ein ganzes Festival-Wochenende draus machen. Mit dem Samstagsfilm „Tomorrow – Die Welt ist voller Lösungen“ wollen wir zeigen, dass aus einem Traum die Realität von morgen werden kann, sobald Menschen aktiv werden. Für mich war „Tomorrow“ ein echter Mind-Changer. Ich hoffe, er wird auch unsere Gäste inspirieren.

Benefiz-Open-Air-Kino und „We for Future“–Festival

Zukunfts-Festival: Am Freitag und Samstag, 28. und 29. Juli, laden die Initiative „We for Future“ und Wolf Demels „Debo Productions“ zum Zukunfts-Festival und Benefiz-Open-Air-Kino rund um den Alten Kranen in Marktbreit ein (bei schlechtem Wetter im Lagerhaus). Der Erlös geht zu 100 Prozent an Benefiz-Aktionen auf den Philippinen und an ein regionales Kinderhilfsprojekt.

Freitag, 28. Juli: Von 19 bis 24 Uhr lässt eine Ausstellung hinter die Kulissen der Dreharbeiten des vor 25 Jahren produzierten Piratenfilms „…und ewig fließt der Mee“ blicken. Auf der Kinobühne gibt es ab 20.30 Uhr ein „Meet & Greet“ mit Regisseuren und Darstellern. Der „Director?s Cut“ des Films läuft ab 21.30 Uhr, Eintritt 5 Euro.

Samstag, 29. Juli: Ab 16 Uhr „We for Future“-Festival bei freiem Eintritt mit buntem Programm aus Infos, Gesprächen und Genuss. An Info-Ständen, mit Info-Talks und Videos (Bühne Lagerhaus) stellen engagierte Menschen und Organisationen ihre Initiativen und Projekte vor, es gibt Mini-Workshops und vieles mehr. Mit von der Partie sind unter anderem die Artenvielfalts-Initiative „Wir für Vielfalt“, das Bergwaldprojekt e.V., der Bund Naturschutz, das Wasserprojekt „Viva con Aqua“, ein Streuobstwiesenprojekt und der ökologische Verkehrsclub. Ab 19 Uhr spielt die Kultband „Monday Socks“ Pop- und Rock-Coversongs. Um 21.30 Uhr beginnt die Film-Doku „Tomorrow – die Welt ist voller Lösungen“, Eintritt 8 Euro.

Infos und Kartenreservierung: www.we-for-future.org

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren