SCHWARZACH

Ein Eiskraut trotzt der Hitze

Wenn es doch mal einen Tag und eine Nacht durchschütten würde - So 100 Liter auf den Quadratmeter wären gut. Der Schwarzacher Öko-Pionier Veit Plietz hat so einen Sommer in 32 Jahren noch nicht erlebt.
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Hitzegewinner: Veit Plietz in seinem Beet mit dem Neuseeländer Spinat. Das Eiskrautgewächs steht auf heiße Sommer. Foto: Fotos (2): Frank Weichhan
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Wenn es doch mal einen Tag und eine Nacht durchschütten würde! So 100 Liter auf den Quadratmeter wären gut. Meist guckt Veit Plietz vergeblich gen Himmel: Kein Wölkchen in Sicht. Irgendwie soll es nicht sein: Auf den heißesten Juli folgt ein ebenfalls knackig heißer August. „So was“, sagt der Schwarzacher Öko-Pionier und schüttelt den Kopf, „habe ich in 32 Jahren noch nicht erlebt!“

Gerade im Schwarzacher Becken scheint es gefühlt noch weniger zu regnen als anderswo – das macht sich auf den Feldern negativ bemerkbar. Die Hitze, so die Schätzung des Gärtnermeisters, dürfte für Ernteausfälle „um die 15 Prozent“ sorgen.

„So was habe ich in 32 Jahren noch nicht erlebt.“
Veit Plietz über die Hitze-Wochen

Bei 50 Grad plus im Boden ist nicht viel zu wollen. Da gingen so manche Anpflanzungen – der Blumenkohl etwa und der Brokkoli – komplett kaputt.

Es gibt aber auch noch andere Folgen – gerade für einen Bio-Anbauer: Seit vielen Jahren gibt es beispielsweise erstmals wieder Blattläuse im Salat. Die vermehren sich so explosionsartig, dass „kein Nützling hinterherkommt“.

Und dann war da vor vier Wochen auch noch dieser Mini-Tornado: Nachts gegen 23 Uhr war da plötzlich dieser Lärm. Einem Sturm, der scheinbar vergeblich ein Gewitter werden wollte, hatte es gefallen, in den Folien der Gewächshäuser zu toben. Das Gärtnerleben – in diesem Sommer ist es nicht wirklich lustig.

Seine Lust an Neu- und Wiederentdeckungen hat Veit Plietz dennoch nicht verloren. So gibt es auch in diesem Jahr wieder die geballte Sortenvielfalt in seiner kleinen Arche Noah: 85 verschiedene Tomaten reifen in den Gewächshäusern heran.

Es gilt auch weiterhin, alte Sorten neu zu entdeckt. Was vor einigen Jahren mit der Frage begann, wie viele hundert Tomatenarten es auf dieser Welt eigentlich gibt, hat sich längst zu einem generellen Saatgut-Experiment ausgewachsen.

Nach den Tomaten rückten die Salate, später die Gurken und Bohnen sowie Kräuterpflanzen in den Mittelpunkt der Neugierde des Schwarzachers. In diesem Jahr dreht sich vieles um die Artenvielfalt der Aubergine.

Dabei begann es wie so oft: Ein Bekannter brachte eine Entdeckung aus dem Ausland mit. In diesem Fall war es eine Aubergine von den Philippinen, die auf den schönen Namen „Thai long green“ hört und eine optische Offenbarung ist. Der Nachbar stammt aus Italien, kommt weißviolett und mit einem feinen Aroma daher und heißt „Violetta di Firenze“. Frankreich ist mit „De Barbentane“ vertreten, Kolumbien mit „Aubergine Ferdi“ und der Irak mit „Aubergine Ali“.

Ein echter Knaller auch die „Antigua“: Erst wollte es Veit Plietz erst gar nicht glauben, aber es stimmt: „Die schmeckt wie Kalbfleisch“. Insgesamt sind es 15 Sorten, die lang, rund, dick, dünn und als Aubergine oft gar nicht zu erkennen sind.

Die Auberginen sind dabei nicht die einzigen Entdeckungen. Ein paar Felder weiter liegt der Neuseeländer Spinat wie ein Teppich da. Von Hitzeschäden keine Spur.

Der sinnigerweise zur Familie der Eiskrautgewächse gehörende Spinat mag es aber schön warm und schießt selbst bei der größten Hitze nicht ins Kraut. Auch heiße Sommer haben ihre Gewinner.

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