HÜTTENHEIM/OBERNBREIT

Ein einvernehmliches Ziel: Blühpatenschaften

Vertreter von Aktionsbündnis und Landwirtschaft betonen nach einem Krisengespräch ihre Gemeinsamkeiten
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Bienen-Boom
Zum Erhalt der Artenvielfalt werden in ganz Bayern Blühpatenschaften angeboten. Zuletzt hat es Spannungen zwischen Landwirten und Vertretern des Volksbegehrens gegeben. Foto: Foto: Marius Becker/dpa

Es hat Ärger gegeben – und ein ernstes Gespräch hinter den Kulissen. Jetzt ist es zu einer einvernehmlichen Pressemitteilung gekommen. Landwirte und Unterstützer des Volksbegehrens „Rettet die Bienen“ sind sich näher gekommen.

„Landwirte, Imker und das lokale Aktionsbündnis zum Volksentscheid Artenvielfalt stehen gemeinsam hinter der Idee, Blühflächen anzulegen und über Patenschaften Menschen aktiv für die Artenvielfalt einzubinden.“ So steht es in der Pressemitteilung, die dieser Zeitung gestern zugekommen ist. Das klingt schon deutlich anders als vor einer Woche. Da hatten Jens Pauluhn (ödp) und Klaus Sanzenbacher (Landesbund für Vogelschutz) den Landwirten in einer Pressemitteilung noch vorgeworfen, dass sie mit den finanziellen Forderungen für eine Blühpatenschaft teilweise weit über eine angemessene Vergütung hinausschießen. Auf der anderen Seite stand der Vorwurf im Raum, dass sich die Unterstützer des Volksbegehrens nach der Unterschrift bequem zurücklehnen, anstatt sich aktiv für die Erhaltung der Artenvielfalt zu engagieren.

Emotionale Diskussion

Zu einem klärenden Gespräch hatten sich am Mittwochabend Pauluhn und Sanzenbacher mit den Blühpaten aus der Region getroffen: der Imkerfamilie Keil aus Hüttenheim und dem Landwirt Horst Schmidt aus Obernbreit. Letztere wurden begleitet vom Leiter des Kitzinger Amtes für Landwirtschaft und Forsten Gerd Düll, BBV-Kreisobmann Alois Kraus und BBV-Dienststellenleiter Wilfried Distler.

Nach einer teils emotionalen Diskussion wurde deutlich, dass das Ziel zur Stärkung der Artenvielfalt nur zusammen mit den Landwirten zu realisieren ist. „Darüber hinaus kann und muss aber auch jeder Einzelne seinen Beitrag leisten“, heißt es in der Pressemitteilung. Mähroboter, Laubbläser und Steinschüttungen finden alle Beteiligten wenig zielführend. Eine besondere Vorreiterrolle hätten außerdem die Kommunen – auch wenn diese oft schon gewissenhaft arbeiteten.

Konzepte und Auslagen

Sanzenbacher erwähnt als positives Beispiel die Stadt Mainbernheim, die in ihrem neuen Bebauungsplan unter anderem die Pflanzung eines heimischen Obstbaums pro Grundstück sowie das Anlegen von Hecken mit heimischen Gehölzen vorschreibt. Insektenfeindliche Steinschüttungen sind verboten.

„Es funktioniert nur gemeinsam“ , meint Sanzenbacher und betont, dass das Aktionsbündnis Landwirte ideell bei der Möglichkeit unterstützt, sich mit Artenschutzmaßnahmen einen neuen Produktionszweig zu erschließen. „Genau mit dieser Zielsetzung ist auch der Volksentscheid angelegt: Gemeinsam mit der Landwirtschaft den Arten zu helfen“, so Sanzenbacher.

Bei dem Gespräch am Mittwochabend stellten die Blühpaten Roland und Sabine Keil sowie Horst Schmidt ihre Konzepte und die notwendigen Auslagen vor. Pauluhn und Sanzenbacher halten aus ihren eigenen fachlichen und beruflichen Kenntnissen heraus Kosten für Patenschaften von maximal 40 Euro je 100 m2 mit regionalem Saatgut weiterhin für angemessen. „Aber es sind auch Konzepte möglich, die höhere Patenschaftspreise rechtfertigen“, heißt es in der Pressemitteilung. Landwirt Schmidt übernimmt beispielsweise kostenlos die Bewirtschaftung von Blühpatenschaften in größerem Umfang für Schulen und Kindergärten, was in seine Mischkalkulation einfließt. Selbstverständlich seien auch Führungen und der Verwaltungsaufwand zu honorieren.

Die Familie Keil aus Hüttenheim verfolgt noch ein anderes, wesentlich aufwendigeres Konzept. Ihre Blühpatenschaften sind zwar teurer (39 Euro für 50 Quadratmeter im ersten Jahr, 30 Euro im Folgejahr), bieten aber auch einen Mehrwert und sind individueller auf die einzelnen Paten abgestimmt. Direkt neben ihrem Hof, in Ortsnähe, versucht Familie Keil einen Platz zu schaffen, an dem man die Vielfalt der Insekten beobachten kann. Es wird ein Weg ins Feld führen, vorbei an verschiedenen Info-Tafeln zu einer Bank zum Verweilen und zum Informationsaustausch. In der Patenschaft ist eine personalisierte Urkunde enthalten. Eine kleine Info-Broschüre und ein Samenpäckchen für zu Hause runden dies ab. Als Dankeschön bekommt jeder Pate für 50 m2 pro Jahr 3 mal 250 g Honig mit eigenem Etikett. Auf Wunsch werden die Paten am Ackerrand auf einem Schild erwähnt. Aktionen wie beispielsweise ein Insektenhotel runden das Konzept dieser Blühfläche ab. In ihrer Kostenkalkulation gehen die Keils von einem Reingewinn in Höhe von gerade mal drei Euro pro 50 Quadratmeter aus.

In einem Punkt waren sich alle Beteiligten einig: Keinesfalls soll die Anlage von Flächen für Blühpatenschaften in Konkurrenz zur Herstellung von landwirtschaftlichen Nahrungsmitteln stehen. Bestehende landwirtschaftliche freiwillige Landschaftspflegeprogramme müssten aufrecht erhalten und durch neue Programme ergänzt werden. „Artenvielfalt bedeutet auch Vielfalt auf den Äckern“, so Jens Pauluhn.

Großes Interesse der Bürger

Ungeachtet der Diskussionen hinter den Kulissen haben sich die Bürger bereits für eine Unterstützung des Projektes entschieden. Für den ersten Acker der Familie Keil mit 1500 Quadratmetern sind jedenfalls genug Paten gefunden, die Familie überlegt schon, eine weitere Fläche auszuweisen. Und Horst Schmidt freut sich „über alle möglichen Leute“, die Patenschaften eingegangen sind – vom örtlichen Jäger über Banken bis hin zu Privatleuten. Zwischen 0,6 bis 0,7 Hektar kann er jetzt schon ansäen. Einen Satz hat Schmidt bei den Gesprächen mit den Interessenten allerdings immer wieder gehört: „Unterschrieben haben wir fei net.“

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