KITZINGEN

Ein echter Schatz für das Papiertheater

Der Blick geht nach unten, konzentriert führen die Kinder die dünnen Stäbe. Selbst gebastelte Figurinen – Mädchen und Jungs, Zauberer und Piraten, Könige und Drachen aus Papier – sind daran befestigt. Sie sind die Hauptdarsteller kurzer Theaterstücke, die sich die Kinder der 3c der St. Hedwig-Schule ausgedacht haben. Mit ihren Vorführungen beeindruckten sie nicht nur ihre Mitschüler, sondern auch Gabriele Brunsch vom Papiertheater Kitzingen.
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Klara Lilly (Mitte) hat sich das Stück „Die Schatzpalme“ ausgedacht und die Figurinen gebastelt, bei der Aufführung wird sie von Annika Schuster (links) unterstützt, die auch beim Bau der Bühne geholfen hat. Erzählerin Eli Christou liest die Geschichte vor. Foto: Foto: Daniela Röllinger
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Der Blick geht nach unten, konzentriert führen die Kinder die dünnen Stäbe. Selbst gebastelte Figurinen – Mädchen und Jungs, Zauberer und Piraten, Könige und Drachen aus Papier – sind daran befestigt. Sie sind die Hauptdarsteller kurzer Theaterstücke, die sich die Kinder der 3c der St. Hedwig-Schule ausgedacht haben. Mit ihren Vorführungen beeindruckten sie nicht nur ihre Mitschüler, sondern auch Gabriele Brunsch vom Papiertheater Kitzingen.

Heimatkunde in Kitzingen, da gehört Hadeloga mit ihrem Schleier natürlich dazu. Sie hat ihn geworfen und wo er gefunden wurde, ließ sie ein Kloster bauen, so erzählt es die Sage. Das müssen Kitzinger Grundschüler wissen und so schauten sich die Drittklässler der St. Hedwig-Schule Anfang Mai bei Gabriele Brunsch deren Papierttheaterstück „Hadeloga – Auf der Suche nach einer sagenumwobenen Gestalt“ an.

Mit dem Besuch war die Begeisterung fürs Papiertheater geweckt. Kurz darauf erhielt Gabriele Brunsch eine Einladung. Ob sie nicht mal vorbeikommen wolle bei der 3c? Sie kam – und war begeistert. „Die Kinder hatten in kleinen Gruppen in Eigeninitiative Geschichten geschrieben und dazu gezeichnet, Figurinen und kleine Theaterbühnen gebaut.“ Viele Stunden hatten sie darauf verwendet, nicht nur in der Schule, sondern auch am Nachmittag zuhause.

Allerdings hatten sich die Schüler zunächst die schwierigste Spielart ausgesucht, die es laut Brunsch gibt: das Spiel von unten. Die Spieler liegen auf dem Boden, unter den Bühnen, in die sie Schlitze geschnitten haben, durch die sie ihre Papierfiguren stecken – sie können also nicht sehen, was sie spielen. Weil das außerordentlich schwierig ist, zeigte ihnen Gabriele Brunsch eine Alternative, das Spiel von oben, wie es von vielen Profis im Bereich Papiertheater ausgeübt wird. Und die Fachfrau gab noch weitere Tipps: Werden die Figurinen mit kleinen Klötzchen stabilisiert, sind sie leichter zu führen und können stehen.

Alle Hände voll zu tun

„Ich finde es wunderbar, wenn Kinder selbst Wege finden, sich kreativ auf so großartige Weise zu betätigen“, war Gabriele Brunsch voll des Lobes über die Mädchen und Jungen. Als sich vergangene Woche schließlich die Vorhänge der kleinen Bühnen zur Aufführung hoben, war nicht nur sie unter den Zuschauern. Die Schüler hatten auch andere Klassen eingeladen und auch mehrere Lehrer schauten vorbei, um die Theaterstücke mitzuerleben. Die kleine Lilly, die von Piraten entführt wird, gemeinsam mit ihnen auf Schatzsuche geht und den Schatz dann tatsächlich entdeckt, steht im Mittelpunkt der Geschichte „Die Schatzpalme“. Autorin ist Klara Lilly, sie hat zudem die Bühne, die Bühnenbilder und die Figurinen gestaltet und führte gemeinsam mit Annika Schuster die kleinen Papiermenschen und das große Piratenschiff. Eli Christou übernahm die Rolle der Erzählerin.

Wie sich Harry Potter im trimagischen Turnier schlägt, erzählte Jonathan König, der seine Bühne und Figuren ebenfalls selbst gestaltet hatte. Harry und seine Freunde Ron und Hermine, Professor Dumbledore, die Weasley-Zwillinge und Hagrid sowie den Drachen kann natürlich nicht einer alleine führen und noch dazu das Bühnenbild ändern und den Vorhang heben und senken. Deshalb hatte sich Jonathan die Unterstützung einer Mitschülerin geholt – die Rolle des Erzählers übernahm er selbst und der Text saß ganz ohne Nachlesen aus dem Effeff. Die anderen Kinder widmeten sich dem Märchen „Her mit den Prinzen!“ von Heinz Janisch. Sie nutzten zwar die Bühne von Klara Lilly, doch die Figurinen und Bühnenbilder hatte auch diese Gruppe selbst gebastelt.

Gabriele Brunsch war begeistert vom einzigartigen Engagement der 3c und hat stolz davon in der Welt der Papiertheater erzählt. Die Resonanz ließ nicht lange auf sich warten: Das Magazin European Paper Theatre, das alljährlich in Dänemark gedruckt wird, möchte über die Nachwuchs-Papiertheater-Künstler aus Kitzingen berichten. Wenn das mal keine Auszeichnung ist – genauso wie der lange Applaus, mit dem die Zuschauer die Aufführungen quittierten.

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