Ebersbrunn

Ein DFB ganz ohne Krise

Mitten im Wald, am alten Drei-Franken-Stein, probieren Unter-, Mittel- und Oberfranken erstmals ihr grenzübergreifendes Gebräu.
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Impressionen vom Drei-Franken-Bier-Zwickeln am alten Drei-Franken-Stein. FOTO Diana Fuchs
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Die Geiselwinder Störche drehten in luftiger Höhe ihre Runden am Himmel und die Abendsonne legte einen goldenen Schimmer über die Landschaft. Zum „Zwickeln“ des ersten Drei-Franken-Bieres (DFB) hätte es keine bessere Zeit und keinen besseren Ort geben können. Nach einer launigen Wanderung vom Geiselwinder Ortsteil Ebersbrunn hinein in den Wald, zum alten Drei-Franken-Stein, schmeckte das DFB weltmeisterlich.

Zwickeln – was ist das eigentlich? Ursprünglich war mit „Zwickelbier“ der erste Probeschluck gemeint, den der Braumeister mit einem so genannten „Zwickelhahn“ vom neuen Bier entnahm. Meist hatte nur der Braumeister selbst und keiner der Gesellen einen Schlüssel zum „Zwickelhahn“, so dass ihm das Zwickeln allein vorbehalten war. Zum Glück ist David Hertl kein Egoist. In der Braustube seiner Braumanufaktur in Thüngfeld bei Schlüsselfeld ist Anfang Mai das erste gesamtfränkische Bier entstanden. Neben den Bürger- und Braumeistern, die den Spezialtrunk erschaffen haben, ließ er auch die Stadt- und Marktgemeinderäte der Drei-Franken-Gemeinden Schlüsselfeld, Burghaslach und Geiselwind einen ersten Schluck probieren.

Die Kommunale Allianz Drei-Franken-Eck, deren Geschäftsleiter Josef Körner selbst hobbymäßig Bier braut, organisierte das „Zwickeln“ im Quellgebiet der Reichen Ebrach. Die meisten Gäste kamen in weiser Voraussicht mit dem Fahrrad oder in Fahrgemeinschaften an den Treffpunkt in Ebersbrunn. In Begleitung des Labrador-Rüden Sam machten sich etwa 35 Zwickelwillige zu Fuß auf zur früheren fränkischen Gemarkungsgrenze, die von einer Sandstein-Säule mit unter-, mittel- und oberfränkischer Gravur gekennzeichnet ist.

Nach der abendlichen Wanderung kamen die Franken durstig im Flurstück Sandhügel an, einige hundert Meter westlich von Kleinbirkach (Markt Ebrach) und östlich von Ebersbrunn (Markt Geiselwind). Sie wurden nicht enttäuscht. Ein 20-Liter-Fässchen DFB und – weil man mit dem wertvollen Getränk ja sparsam umgehen muss – ein weiteres Fass „normales“ Bier warteten direkt neben dem historischen Drei-Franken-Stein. David Hertl zapfte und überreichte jedem ein Glas Premieren-DFB zum großen, gemeinsamen Anstoßen.

„Aaaaa!“, „Oooo!“: Nach ein, zwei Sekunden Stille drangen diese beiden Vokale aus vielen Kehlen gleichzeitig – die Waldtiere werden sich über den seltsamen Chor gewundert haben. Gerhard Haubenreich, Marktgemeinderat aus Geiselwind, leckte sich die Lippen und urteilte: „Schmeckt fantastisch, wenn die drei Teile Frankens zusammenarbeiten.“ Tatsächlich hatten sich für das DFB sowohl die Bürgermeister Ernst Nickel (Geiselwind), Armin Luther (Burghaslach) und Johannes Krapp (Schlüsselfeld) ins Zeug gelegt, als auch die Brauer Hertl, Günter Scheubel (Stern Bräu Schlüsselfeld) und Helmuth Bodenstein, Hobbybrauer aus dem mittelfränkischen Diespeck. Früh um 6 Uhr hatten sie im Mai in Hertls Hof den ersten Sack Malz aufgeschnitten. Am Nachmittag waren sie müde, aber zufrieden: Sie hatten rund 180 Liter DFB angesetzt.

Rund sechs Wochen später warteten sie nun gespannt auf die Reaktionen der Tester. „Der erste Schluck ist gewöhnungsbedürftig“, befand Helmut Wiesinger aus Burghaslach, „aber ab dem zweiten schmeckt das Bürgermeisterbier schon wirklich gut.“ Sein Ratskollege Johannes Steinbrecher widersprach grinsend: „Ich find' es seit dem ersten Schluck wunderbar!“ Lob kam auch aus Unterfranken: Christel Velte aus Hohnsberg, die das „Picknick“ im Wald vorbereitet hatte, beschrieb das DFB als „lieblich, mit schöner Restsüße“ und Bürgermeister Nickel meinte nach dem ersten Glas: „Meine Ohren sind schon aweng warm worn!“ Aus Oberfranken hieß es: „Des sträubt sich nicht im Hals!“– und das, obwohl Rainer Herdegen, Gemeinderat aus Schlüsselfeld, eigentlich lieber Pils mag. „Läuft gut!“, sprach auch sein Ratskollege Georg Stütz und hielt den Daumen hoch.

Die Experten selbst waren ebenfalls zufrieden. „Unser DFB hat einen etwas anderen, karamelligen Geschmack – ganz so, wie wir das wollten“, analysierte David Hertl, der einige Malzproben zum Kosten mitgebracht hatte. „Das ist wie beim Kaffee: Auf die Röstung kommt es an.“ Das DFB sei ein süffiges Gebräu, ähnlich wie ein Kirchweihbier. Dass es mit 5,7 Prozent Alkohol etwas gehaltvoller ist als geplant, begründet Hertl so: „Da hat wohl irgendein Bürgermeister 'ne Schippe mehr 'nei.“

Rund 160 Liter DFB sind nach dem Zwickeln nun noch übrig. Sie werden am 29. Juli am neuen Drei-Franken-Stein ausgeschenkt. Wenn das Bier dort ebenso gut ankommt, ist es nicht ausgeschlossen, dass die Drei-Franken-Gemeinden mal wieder gemeinsam brauen. Die genaue Rezeptur jedenfalls haben sich die Beteiligten notiert. Krise beim DFB? Darüber kann man am Drei-Franken-Eck nur lachen.

Drei-Franken-Treff: Am Sonntag, 29. Juli, laden Geiselwind (Unterfranken), Burghaslach (Mittelfranken) und Schlüsselfeld (Oberfranken) zum gesamtfränkischen Frühschoppen am neuen Drei-Franken-Stein ein – dort, wo die drei Regierungsbezirke aneinandergrenzen. Wie der Stein soll auch das DFB (Drei-Franken-Bier) ein Symbol der Zusammengehörigkeit aller Franken sein. Um 10 Uhr ist Bieranstich.

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Mehr Bilder/Videos unter www.inFranken.de



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