ABTSWIND

„Ein bisschen Chaos“ im Rathaus

Wer Abtswinds Bürgermeister Jürgen Schulz im Rathaus besuchen will, muss sich auf eine Baustelle gefasst machen. Das kostet Geld und Nerven, gut gelaunt ist er trotzdem.
Artikel drucken Artikel einbetten
So richtig gemütlich ist es derzeit im Amtszimmer von Bürgermeister Jürgen Schulz noch nicht. Böden und Wände sind freigelegt und werden komplett neu gemacht. Ende des Jahres könnte alles fertig sein.
+1 Bild

Wer derzeit Abtswinds Bürgermeister Jürgen Schulz in seinem Rathaus besuchen will, der muss sich auf eine Baustelle gefasst machen.

Die Amtsräume sind komplett entkernt. Das heißt, nicht nur ausgeräumt, sondern auch die Böden und Wände des 1741 errichteten Gebäudes sind zumindest im Erdgeschoss derzeit freigelegt.

Das Rathaus wird von oben bis unten auf den Kopf gestellt. „Das ist eine komplette Sanierung, für die wir insgesamt Kosten von 400 000 Euro eingeplant haben. Es war auf jeden Fall kein Fehler, das Ganze mal anzupacken“, erläutert der Bürgermeister.

Die letzte größere Renovierung im Inneren des schmucken Gebäudes an der Hauptstraße fand 1965 statt. Das hat Schulz anhand einer Notiz auf der Seite seines Schreibtisches abgeleitet, in dem sich der damalige Schreiner Hans Schilling mit dieser Jahreszahl verewigt hatte. Damals wurde das Haus, in dem früher eine Apotheke ihren Sitz hatte, zum Rathaus umfunktioniert.

Mieterin kurzzeitig ausquartiert

Im Moment herrscht drinnen „ein bisschen Chaos“, sagt Schulz. Aber das könne man für die paar Monate schon mal auf sich nehmen. Bis zum Jahresende hofft er, dass die Amtsräume wieder eingerichtet und ausgestattet sind. Eine der beiden Wohnungen, die sich im Obergeschoss befinden, ist aktuell trotz Baustelle bewohnt. Die Mieterin der anderen Wohnung wurde kurzzeitig ausquartiert, anders gehe es nicht.

In den Wohnungen wurden beispielsweise die seit 50 Jahren kaum veränderten Badezimmer modernisiert, die Versorgungsleitungen zum Teil neu gelegt. Beide Wohnungen haben nun eine Heizung, statt wie bisher einen Holzofen.

Einfach so loslegen mit der Renovierung durfte die Gemeinde nicht. Ein Restaurator nahm den Grundbestand des denkmalgeschützten Gebäudes auf. „Mit ihm müssen wir uns abstimmen – was wir machen, welche Farbe wir nehmen und so weiter“, erläutert der Bürgermeister. Der Fachmann redet vom Fundament bis zum Dachboden mit.

Wenn man derzeit die Eingangstüre öffnet, erinnert dahinter nichts an ein Rathaus. Im Gang und in den Räumen sind die Balken des Fachwerks, die sonst unter den Gipsplatten versteckt lagen, komplett frei gelegt. An manchen Stellen mussten Stücke ausgetauscht und ersetzt werden, weil sie durch die Feuchtigkeit im Gebäude verstockt und zum Teil sogar schon abgefault waren.

Nässe als großes Problem

Überhaupt stellte die Nässe ein großes Problem dar, gegen das zu allererst ein umfangreicher Schutz außen und innen angebracht werden musste. So wurde entlang der Außenwände des Hauses, das aus Abtswinder Sandsteinen errichtet ist, aufgebaggert und abgedichtet. In einem Raum waren die Holzbalken der Wände wegen Feuchtigkeit in ganz schlechtem Zustand, was erst unter dem Putz zum Vorschein kam. Sie mussten verstärkt werden.

Das Amtszimmer des Bürgermeisters bekam ein Fundament, auf dem in Kürze der Asphalt verlegt wird. Im Gang entstehen eine kleine Teeküche sowie ein behindertengerechtes WC. Der Sitzungssaal wurde gedämmt, mit Beamer und neuem Licht aufgerüstet, die alten Holz-Rollläden sind verschwunden.

Im Bereich zum Haus des Gastes hin will Schulz einen ebenerdigen Eingang einrichten, zudem bekommt dort künftig die Steuerung der Heizung ihren Platz. Vom Gewölbekeller unter dem Rathaus aus wurde die Wasserleitung zum Haus des Gastes neu eingezogen.

Einiges an Arbeit wartete zudem im Dachstuhl auf die Handwerker. Das Dach erhielt eine Dämmung, der Kamin wurde abgebaut, weil er nicht mehr benötigt wird. Einige Balken mussten raus, weil sie stark beschädigt waren und vieles mehr.

Ende der Renovierung in Sicht

Aber ein Ende der Renovierung ist in Sicht. „Das wird schon“, sagt Bürgermeister Schulz zuversichtlich. Bis zum Weihnachtsmarkt will er das Gerüst um das Rathaus herum weg haben, Ende des Jahres könnte alles fertig sein. Bis dahin sind die Ratssitzungen weiter im Haus des Gastes, seine Amtsstunden hält der Bürgermeister eben zuhause. Improvisieren ist in Zeiten der Baustelle gefragt.

Kommentare (0)

Für diesen Artikel wurde die Kommentarfunktion deaktiviert.