GEROLZHOFEN

Echter an allen Ecken und Enden

Fürstbischof Julius Echter hat der Gerolzhöfer Innenstadt das Gepräge mitgegeben. Eine Führung zu den markantesten Bauten.
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Im Anwesen Häfnergasse 7 war zur Zeit Julius Echters das Zentgericht untergebracht. Hier wütete der berüchtigte Hexenverfolger Valentin Hausherr. Das Haus war eine Station auf der erlebenswerten Führung „Wappen – Schnecken – Echter-Helme, eine renaissancezeitliche Spurensuche“ mit Stadtführerin Heike Bauer. Foto: Foto: Norbert Finster

Alle paar Meter blieb Stadtführerin Heike Bauer stehen und wusste etwas zu noch sichtbaren Spuren von Fürstbischof Julius Echter zu berichten.

Den zwölf Teilnehmern einer auf Echter bezogenen Stadtführung mit der Überschrift „Wappen – Schnecken – Echter-Helme, eine renaissancezeitliche Spurensuche“ wurde schnell klar, dass der kirchliche und weltliche Herrscher aus der Renaissance das Bild der Altstadt auch heute noch prägt.

Wuchtige Wappen an den Hauswänden

Dem eiligen Passanteen fällt es kaum auf. Doch wer am Donnerstagabend dabei war, hat gesehen, dass an allen Ecken und Enden der Innenstadt wuchtige Echter-Wappen an den Hauswänden prangen. Der Fürstbischof legte nämlich großen Wert darauf, auch die Nachwelt auf seine baulichen Leistungen hinzuweisen.

Echter scheidet die Geister. Er fasziniert und irritiert. Die Heutigen müssen ihm keinen roten Teppich ausrollen, sich aber auch nicht für ihn schämen, zitierte Heike Bauer zunächst Professor Wolfgang Weiß, der in Gerolzhofen bereits seine neuen Erkenntnisse zu Echter vorgetragen hat.

Echter und diee Renaissance

Echter lebte in der Renaissance, einer Epoche, die das einfache Gedankengut des Mittelalters beiseite schob und sich dafür der Denkweise der Antike annäherte. Julius Echter passte in die Renaissance. Er war für die damalige Zeit ungewöhnlich weitgereist und hatte einen entsprechend weiten Horizont. Schon mit 28 war er Fürstbischof von Würzburg, obwohl die Untergrenze für den Amtsantritt eigentlich bei 30 Jahren lag.

Das Bistum glich einem Scherbenhaufen, als Echter antrat. Er baute wieder die Zentgerichte auf und sorgte dafür, dass jeder an Abgaben zahlte, was er zu zahlen hatte.

Konkret wurde es dann an der ersten Station, dem Anwesen Bahnhofstraße 3. Dieses Haus beherbergte wohl die Zolleinnahmestation. Zahlen mussten alle, die durch das Centtor und vorbei an der zweiten Verteidigungsbastion, dem Türmersturm, in die Stadt wollten.

Gerolzhofen war dem Fürstbischof wichtig

An den starken Befestigungen zeigt sich, dass Gerolzhofen für Echter eine – auch wirtschaftlich – wichtige Stadt war. Wie alle anderen Stadttore wurde auch das Centtor abgebrochen. „Hätten wir diese Tore heute noch, hätte Gerolzhofen ein Stadtbild wie Rothenburg“, bedauerte Heike Bauer den Verlust.

Das durch die Familie Braun prächtig renovierten Anwesen Häfnergasse 7 war das Zentgrafenhaus und das Zentgericht, vor dem größere Delikte verhandelt wurden. Dort lebte auch der berüchtigte Valentin Hausherr, der die Hexenverfolgung im Namen von Julius Echter intensiv betrieb. Vieles geschah dabei wohl hinter dem Rücken des Fürstbischofs.

Vom Verhör in den Faulenturm

Wieder nur ein Steinwurf weiter: In der Bürgermeister-Weigand-Straße baute Echter die neue Amtsvogtei. Dort waren die Verhöre der der Hexerei angeklagten Menschen. Im gegenüberliegende Eulenturm (eigentlich Faulenturm) mussten sie auf ihr Urteil warten.

Am Stadtmodell an der Nordseite der Stadtpfarrkirche zeigte Heike Bauer noch einmal plastisch auf, wo Echter überall gebaut hat.

Wie im gesamten Bistum lag auch in Gerolzhofen vieles im Argen. Julius Echter stellte Stadt- und Kirchenrecht wieder auf ordentliche Füße. Eins seiner großen Ziele war es daneben, das Bistum zu rekatholisieren. Drei Tage lang war Echter persönlich in Gerolzhofen, um die Bürger einzeln aufzufordern, zum katholischen Glauben zurückzukehren. Wer das nicht tat, musste die Stadt verlassen. Es gab aber Ausnahmen. In der Stadt standen Anwesen, die Ansbachisch und damit protestantisch waren. Die Bewohner durften bleiben. Der Grund: Der weltliche Landesherr konnte bestimmen, welche Konfession in seinem Herrschaftsbereich maßgeblich war (Cuius regio, eius religio).

In der Kirchgasse hat Julius Echter das alte Pfarrhaus neu errichten lassen. Es trat an die stelle des heruntergekommenen Vorgängerbaus. Eine Ausnahme: Heute ist von diesem Echter-Bau im Gegensatz zu den meisten andern nichts mehr zu sehen.

Julius Echter wollte, dass die Kirchtürme in seinem Bistum alle gleich aussehen. Deswegen bekam auch die Stadtpfarrkirche ihre beiden Julius-Helme.

Spindeltreppen mit gleichen Steinmetzzeichen

Das Haus nördlich der Stadtapotheke gehörte Julius Echters Bruder Valentin. Im Innern befindet sich eine Spindeltreppe, die die gleichen Steinmetzzeichen birgt wie die Treppe in der Amtsvogtei und im Echter-Hof in der Weiße-Turm-Straße 16 (Anwesen Mößlein).

Das Oberamtshaus von 1580, heute Rathaus der Stadt und Sitz der Verwaltungsgemeinschaft, ist das nächste markante Echter-Gebäude.

Echters Wohlfahrtsgedanke

Letzte Stationen waren dann der einstige Standplatz des Spitaltors mit dem dahinter liegenden Bettelturm, ebenfalls eine Doppelanlage. Am Bürgerspital schließlich lässt sich der soziale Aspekt in Echters Politik festmachen. Der Wohlfahrtsgedanke war ihm ein großes Anliegen. Dazu gehörte auch das Spitalwesen, das vielen alten und gebrechlichen Menschen letztes Obdach bot, auch wenn sie fünfmal am Tag für ihren Förderer beten mussten.

Nach gut eineinhalb Stunden verabschiedeten die leider nur wenigen „Mitläufer“ Heike Bauer mit dankbarem Applaus. Heike Bauers Erläuterungen beruhten im Übrigen auf den Recherchen der Museumsleiter Klaus Vogt und Bertram Schulz, erklärte Tourist-Info-Leiterin Beate Glotzmann für die ausrichtende Stadt.

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