MARKTBREIT

"Dreistigkeit ohnegleichen": Fenster ohne Absprache eingebaut

Empörung im Marktbreiter Bauausschuss: Eine Bauwerberin schaffte Fakten und baute gegen die Gestaltungssatzung Dachliegefenster in ihrem Anwesen ein.
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Dachfenster
Dachfenster (Symbolbild) Foto: Velux

Empörung im Marktbreiter Bauausschuss am Mittwochabend: Anstelle das vorgeschlagene Gesprächsangebot zu nutzen, schaffte eine Bauwerberin einfach Fakten und baute gegen die Gestaltungssatzung Dachliegefenster in ihrem Anwesen in der Schlossgasse ein. „Wenn wir das tolerieren, dann macht jeder, was er will, dann können wir unsere Gestaltungssatzung wegwerfen“, sagte Bürgermeister Erich Hegwein.

Der Hintergrund: Schon in der Junisitzung beschäftigte sich der Bauausschuss mit dem Antrag einer Bauwerberin, in ihrem Anwesen in der Schlossgasse drei Dachliegefenster einbauen zu dürfen. Zwar hatte eines der Fenster Bestandsschutz, doch widersprachen die beiden anderen Fenster der Gestaltungssatzung, die in ihrem Geltungsbereich im öffentlich einsehbaren Bereich nur kleine Dachliegefenster zum Ausstieg für den Kaminkehrer zulässt. Trotzdem stimmte der Bauausschuss mit knapper Mehrheit dem Antrag zu.

Hegwein kündigte an, den Beschluss nicht zu vollziehen und ihn dem Landratsamt zur Prüfung vorzulegen. Allerdings war beim Beschluss ein Formfehler unterlaufen, da er nicht positiv formuliert war und eh hätte wiederholt werden müssen.

Das sollte in der Sitzung am 18. Juli geschehen. Doch auch hier erfolgte kein Beschluss, denn es sollte erst ein Gespräch mit der Bauwerberin geführt werden. Dabei hätte unter anderem klar gestellt werden können, dass Dachgauben dank Bezuschussung durch die Stadt am Ende nicht teurer werden, als Dachliegefenster.

Daran wiederum hatte die Bauwerberin kein Interesse, denn nach ihrer Auffassung hatte der Ausschuss bereits im Juni die Dachfenster genehmigt. Die nicht erfolgte Weiterleitung ihres Antrags ans Landratsamt sah sie in einem weiteren Schreiben als Verzögerungshaltung an. Und schuf Fakten, denn zwischenzeitlich sind die Dachliegefenster eingebaut.

„Was mich stört, ist die Unverfrorenheit, mit der da vorgegangen wird“, sagte Christiane Berneth. Und Hegwein hielt das Verhalten des Architekten eine „Dreistigkeit ohnegleichen“. Denn rechtlich hatte der Bauausschuss bislang noch keine Entscheidung zum Bauvorhaben getroffen.

Lediglich Harald Kopp wollte den Bau genehmigen, um damit ein Zeichen für die Schaffung von Wohnraum im Altstadtbereich zu setzen. Den Widerspruch zur bestehenden Gestaltungssatzung löste er aber nicht auf, ein Antrag seinerseits zur Änderung der Satzung erfolgte nicht.

Am Ende fielen diesmal eindeutige Beschlüsse: Jeweils gegen die Stimme Kopps lehnten die Räte einer Befreiung von der Gestaltungssatzung ab und stimmten dem Einbau von Dachliegefenstern nicht zu. Jetzt geht das Verfahren an die Bauaufsicht des Landratsamts.

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