RÖDELSEE

Drei Schwalben machen einen schönen Sommer

Irmtraud und Helmut Fuchs päppeln ungewöhnliche Untermieter auf.
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Ein kleiner Vogel in einer großen Hand: Helmut Fuchs hält eine der drei winzigen Schwalben, die er mit seiner Frau großzieht. Foto: Fotos: Ralf Dieter
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Helmut Fuchs hält die Pipette fest in der rechten Hand. Mit seiner linken Hand muss er auch etwas festhalten. Etwas Kleines, Lebendiges. Helmut und Irmtraud Fuchs ziehen drei Schwalbenkinder groß.

Rödelsee, am Rande des Neubaugebietes: Hier leben Helmut und Irmtraud Fuchs. Ein schöner, eingewachsener Garten, ein kleiner Teich, Wasser sprudelt. An der Terrasse eine Hecke. „Schauen Sie“, sagt Irmtraud Fuchs. „Hier ist ein Amselnest.“ Etwas weiter ziehen Rotkehlchen ihren Nachwuchs groß.

Es ist nicht übersehen und nicht zu überhören. Die beiden Rödelseer lieben Vögel. Und deshalb haben sie auch keine Sekunde gezögert, als das Schwalbennest zerstört auf ihrem Gartenweg lag. Helmut und Irmtraud Fuchs haben sich mit allen Kräften dafür eingesetzt, dass ihre unerwarteten Zöglinge überleben.

Eineinhalb Wochen ist das jetzt her. Die beiden sind zunächst ganz schön erschrocken. Auf der rückwärtigen Seite ihres Hauses hatten Schwalben ein Nest unter den Giebel gebaut. „Wahrscheinlich war das Material zu trocken“, vermutet Helmut Fuchs. Zu wenig Lehm, zu viel Sand und Steinchen. Wie auch immer: Das Nest hielt nicht. Und eine kleine Schwalbe hat das Drama nicht überlebt. Die Eltern haben sich aus dem Staub gemacht. „Ein ganz natürliches Verhalten“, sagt Helmut Fuchs, der sich im Internet schlau gemacht hat.

Drei Schwalbenbabys lagen noch in dem Nest. Unversehrt. Ein kleines Wunder. Die beiden Rödelseer haben sich um den Nachwuchs gekümmert. „Die ersten Tage waren schon hart“, sagt Irmtraud Fuchs und muss schmunzeln. Alle halbe Stunde wollten die hungrigen Mäuler gestopft werden. Helmut Fuchs hatte einen Eimer mit lebendigen Mehlwürmern und einen mit lebendigen Heimchen im Fachhandel besorgt. Aber wie füttern? „Da muss man sich schon erst mal dran gewöhnen“, sagt er und lacht. Mittlerweile haben die beiden den Dreh längst raus: Die kleinen Mäuler mit der Pinzette vorsichtig öffnen, das lebendige Futter möglichst weit hineinschieben – und den Rest erledigt die Natur. „Die sind ganz schön hungrig“, sagt Irmtraud Fuchs und staunt nicht schlecht. Gerade der größte der drei Zöglinge verschlingt schon mal drei Mehlwürmer und drei Heimchen kurz nacheinander.

Die Aufzucht geht den beiden mittlerweile locker von der Hand. Die Fütterungszeiten haben sich längst entspannt. Dennoch gibt es genug zu tun: Alle zweieinhalb Stunden bekommen die drei Schwalben etwas zu essen. „Das haben wir uns von den anderen Schwalben am Haus abgeschaut“, erklärt Helmut Fuchs. An der Vorderseite des Giebels, direkt über dem Eingang, sind zwei weitere Schwalbennester angebracht. „Die halten gut“, sagt Irmtraud Fuchs. Dort werden etwa sechs kleine Schwalben von ihren Eltern hochgepäppelt.

„Wir wollen sie möglichst gut an das Leben in der Natur gewöhnen“
Irmtraud Fuchs „Schwalbenmutter“

„Wenn diese Kleinen das erste Mal ausfliegen, lassen wir unsere auch raus“, erklärt Helmut Fuchs. Seine Hoffnung: Die drei Zöglinge werden sich dann schnell an das Leben in der freien Natur gewöhnen. Noch kommen sie nach der Fütterung in eine geräumige Katzenbox, die Helmut Fuchs mit engmaschigem Draht ausgelegt hat. Ein kleines Holzstück hat er dort drinnen angebracht. Auf dieser „Stange“ ruhen sich die kleinen Schwalben von ihren ersten Flugversuchen in der Katzenbox aus. „Wir wollen sie möglichst gut an das Leben in der Natur gewöhnen“, erklärt Irmtraud Fuchs. Die Katzenbox mit den drei Vögeln hängt deshalb tagsüber an einem dicken Ast des Kirschbaums. „Damit sie den anderen Vogelstimmen lauschen können.“

Nachts kommt die Box in den kleinen Wintergarten auf der Rückseite des Hauses. „Sonst ist es ihnen zu kalt“, weiß Helmut Fuchs. Mit den ersten Sonnenstrahlen beginnen sich die drei flüggen Gäste dann schon wieder zu regen. Fütterungszeit. Helmut und Irmtraud Fuchs haben noch ein paar Tage zu tun, bis ihre kleinen Gäste hoffentlich wohlbehalten ausfliegen.

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