Kitzingen

Down-Syndrom: Kein Grund, das Leben aufzugeben

Diagnose Down-Syndrom: Die Eltern von zwei erkrankten jungen Menschen warnen davor, dass ein neuer Bluttest Schwangere dazu bringen könnte, vorschnell abzutreiben.
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Nachdenken, Beratung suchen und nicht gleich handeln: Das ist der Appell der Familien Voit (links) und Rebitzer an werdende Mütter, die für ihr Kind die Diagnose Down-Syndrom erhalten. Foto: Robert Haaß

Was macht Lukas Voit, wenn Papa Günther auf Gemeinderatssitzung in Mainstockheim ist und Mutter Sabine als Zuschauerin im Rathaus sitzt? "Ich mach Party!", sagt der 23-Jährige selbstbewusst und auch mit ein wenig Selbstironie. Denn alleine Party machen ist auch nicht der Brüller. Das Besondere an Lukas: Er hat das Down-Syndrom (Trisomie 21). Und das ist auch der Grund für das Pressegespräch der Lebenshilfe mit den Familien Voit und Christina, Margret und Karl-Heinz Rebitzer aus Rüdenhausen.

Der Verein möchte werdenden Müttern Mut machen

Karl-Heinz Rebitzer und Günter Voit sind die Vorsitzenden der Lebenshilfe Kitzingen. Ein Verein, der sich um Menschen mit geistiger Behinderung im Landkreis Kitzingen kümmert. Das beginnt schon mit der Kindertagesstätte, geht über die Schule und weiter in die Erwachsenen- und Arbeitswelt. Und ein Verein, der Mut machen möchte, Mut auch dazu, bei einer entsprechenden Diagnose einer werdenden Mutter nicht vorschnell Entscheidungen zu treffen.

Denn schon heute werden Schwangerschaften, bei denen das Down-Syndrom diagnostiziert wird, zur 80 bis 90 Prozent abgebrochen. Seit einigen Jahren ist eine Frühdiagnose mittels eines Bluttests möglich und der könnte künftig von den Krankenkassen bezahlt werden. Und damit dürfte die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche wegen der Diagnose Down-Syndrom weiter steigen, befürchten Rebitzer und Voit.

Lebenshilfe-Vorsitzender spricht von "Selektion"

Natürlich ist es am Ende die Entscheidung der Mutter. Doch sollte vor einem solchen Eingriff innegehalten und nachgedacht werden sowie die verschiedenen Beratungsangebote wahrgenommen werden, so der Wunsch der Vorsitzenden der Lebenshilfe. Denn für Karl-Heinz Rebitzer ist es schon eine "Selektion". "Die Menschen wird es dann nicht mehr geben", sagt Günter Voit. Und für Sabine Voit ist klar: "Der liebe Gott wird sich schon was dabei gedacht haben."

Natürlich war es für beide Familien erst einmal ein Schock, als sie nach der Geburt ihrer Kinder die Diagnose Down-Syndrom erhielten. Aber: Sie haben die Herausforderung nach kurzer Zeit angenommen und sind sich sicher, dass sie davon bis heute profitieren. "Es kommt die Zeit, wo man sagen kann: Das Leben ist bereichert", so Günter Voit.

Das Aufwachsen zwischen gesunden Kindern war wichtig

Und wie geht es den "Betroffenen" selbst? Christina Rebitzer ist 29 Jahre alt, arbeitet in den Mainfränkischen Werkstätten und hat ein eigenes Zimmer, für sie ihre eigene Wohnung, im Wohnheim in Kitzingen. Ganz ohne Betreuung leben geht nicht. Sie hat aber ihr Taschengeld und so viel Selbstständigkeit als möglich. Das hat schon im Kindergarten begonnen, dem ganz regulären Kindergarten in Rüdenhausen. Was anfangs nicht einfach war, denn einige Mütter hatten Angst, ihre Kinder könnten sich anstecken, erzählt Margret Rebitzer. Doch das Aufwachsen mit anderen Kindern war wichtig und hat Christina auch Freundschaften und eine gehörige Portion an Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein gegeben. Und als die Freundinnen aus dem Heimatort fortgezogen sind, hat es sie auch nicht mehr zuhause gehalten. Schon bei der Besichtigung des Zimmers in der Wohngruppe war klar: "Das ist meins." Und ein Höhepunkt war sicher die Kreuzfahrt auf der Aida – ohne die Eltern.

Arbeit als Hausmeister bei den Mainfränkischen Werkstätten

Lukas Voit kann es fast nicht erwarten, bis er es erzählen darf: Dienstags Schwimmen und Donnerstags Fußball, das sind wichtige Termine in der Woche. Und seit fünf Jahren natürlich sein Job als Hausmeister in den Mainfränkischen Werkstätten: Die Post erledigen, aufräumen, Getränke auffüllen oder den Müll rausbringen sind nur einige der Aufgaben, die Lukas übernommen hat. Auf die Arbeit kommt er mit dem Bus und natürlich auch zurück nach Mainstockheim, wo er noch bei seinen Eltern lebt. Wohnheim? "Das ist langweilig", sagt er und man merkt, wie er sich bei den Eltern geborgen und akzeptiert fühlt. Und bei der einen oder anderen scherzhaften Spitze im Gespräch mit Vater Günter sieht man auch die Augenhöhe.

Raus aus der "Schmuddelecke" für Menschen mit geistiger Behinderung – das ist der Weg, den die Lebenshilfe versucht zu gehen, wie Geschäftsführer Manfred Markert sagt. Dazu gehört etwa der Abend der Lebenshilfe auf dem Casteller Weinfest oder Projekte des Armin-Knab-Gymnasiums in der St.-Martin-Schule. Und auch er appelliert an werdende Eltern vor einer Entscheidung gegen ein Kind, die vielfältigen Beratungsangebote zu nutzen.

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