NORDHEIM

Divino Nordheim steigt beim Weinfest aus

Sofortiger Rückzug der Winzergenossenschaft schockt den Gemeinderat. Die Zukunft der Traditionsveranstaltung über Christi Himmelfahrt ist gefährdet.
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Prost: Ehrengäste in den 1980er Jahren beim Weinfest in Nordheim, dem nun das Aus droht. Gut gelaunt sind u. a. die damalige Weinprinzessin Monika Kram (Dritte von links) und Michael Glos (daneben). Foto: foto: W. Braun

Als Monika Kram vor fünf Jahren zum 50. Nordheimer Weinfest befragt wurde, geriet die ehemalige Fränkische Weinkönigin ins Schwärmen: „In meinen Augen ist es das Kultweinfest schlechthin, das ganze Dorf ist auf den Beinen“, erzählte die Winzermeisterin.

Und jetzt das: Veranstalter Divino Nordheim mag nicht mehr, hat vergangenen Freitag beschlossen, sich knapp fünf Monate vor der 56. Auflage komplett zurückzuziehen – mit sofortiger Wirkung.

„Das Fest ist so nicht mehr zeitgemäß“, erklärte der Vorstandsvorsitzende Günter Höhn gestern auf Anfrage am Telefon. „Wir wollten den Weg freimachen für etwas Neues, das aus der Gemeinde heraus entsteht.“ Divino wolle dabei unterstützend tätig sein, würde 2016 sogar noch einmal die Kosten für den Event-Manager übernehmen. „Aber jetzt sind andere gefordert.“

Höhn gesteht ein, dass eine ganze Reihe von Punkten zu dem Entschluss beigetragen hätten: Mehr Auflagen durch Gemeinde und Landratsamt, immer größere Probleme bei der Helfersuche, die Jugend sei oft nur von 23 bis 1 Uhr nachts gekommen, für sie sei das Fest „nur eines von vielen“ gewesen. Und wer Höhn gut zuhört, spürt auch, dass die Kritik an so gut wie jeder Änderung der letzten Zeit, zum Beispiel an Konzept, Zelten, Bands – zum Divino-Rückzug beigetragen hat.

Ein Paukenschlag, der den Nordheimer Gemeinderat am Montagabend unvorbereitet traf. Eigentlich war das Gremium auf eine ruhigen Jahresabschluss eingestellt. Kaum waren die hitzigen Diskussionen über zwei Bauanträge verklungen, ließ Bürgermeister Guido Braun die Katze aus dem Sacke: Unter dem Punkt „Verschiedenes“ teilte er die folgenschwere Divino-Entscheidung mit.

Konkret ging es um die Mitteilung von Divino-Geschäftsführer Wendelin Grass an den Bürgermeister, dass sich die Divino als Ausrichter des Nordheimer Weinfestes ab sofort komplett zurückzieht. Eine Entscheidung, die nicht nur die Nordheimer, sondern auch zahlreiche Touristen in den nächsten Wochen und Monaten beschäftigen wird. Schließlich waren der Ort und seine Umgebung an Christi Himmelfahrt immer stark nachgefragt – wegen des Weinfests.

Mit dem Ausstieg geht eine lange, erfolgreiche Ära zu Ende. War es doch die Winzergenossenschaft, die von Beginn an und seit nunmehr 55 Jahren die Kultveranstaltung organisierte. Wendelin Grass begründete die Entscheidung laut Braun mit einem mehrheitlichen Vorstandsbeschluss. Die Mitteilung stieß im Nordheimer Rat auf Unverständnis. Vor allem der Zeitpunkt verwunderte nicht nur den Bürgermeister. Markus Schneider sprach das aus, was andere dachten: „Ich kann doch nicht von heute auf morgen sagen, das Fest mache ich nicht mehr. Das finde ich krass.“ Markus Rudloff befand wie viele seiner Kollegen: „Man sollte das Weinfest nicht aussterben lassen.“

Allerdings benötige man Zeit, um bei einem Neustart des Weinfestes die Karten neu zu mischen, sprich, die neue Konzeption des Festes müsse Hand und Fuß haben. Im Klartext: Lieber ein oder zwei Jahre warten und dann mit etwas neu Strukturiertem an die Öffentlichkeit gehen.

Das Fest war über viele Jahre von der Winzergenossenschaft organisiert worden. 2015 war erstmals die Schweinfurter Agentur „Blues Agency“ von Ralf Hofmann mit im Boot, mit der auch die Stadt Volkach bei diversen Veranstaltungen zusammen arbeitet. Die Agentur hat für 2016 bereits Pläne ausgearbeitet und könnte einen neuen Veranstalter den Einstieg erheblich erleichtern.

Seitens der Gemeinde wird man in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Touristikrat in den kommenden Wochen nach Möglichkeiten suchen, um die Veranstaltung fortzuführen. Hierbei ist auch an eine Zusammenarbeit mit dem Volkacher Tourismuschef Marco Maiberger gedacht. Auf alle Fälle, so Markus Schneider, „muss etwas Gescheites passieren“.

Weinfest Nordheim

Seit 1961 war die örtliche Winzergenossenschaft, heute DIVINO, Motor des Nordheimer Weinfestes – angeführt von Ex-Geschäftsführer Hans Pokorny, dem langjährigen Aufsichtsratsvorsitzenden Josef Wiget (beide gestorben) sowie Rita Wendel, die über 30 Jahre als Festleiterin fungierte. „Als Kind gehst du hin wegen des Rummels, als Teenager wegen der vielen Gleichaltrigen und als Erwachsener oder Rentner, weil die Veranstaltung begeistert“, sagte Ex-Weinprinzessin Monika Kram 2010 zum 50. Jubiläum des Weinfestes. Wabr

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