Kitzingen
Hallenbau

Diskussion um die Zukunft der Deuster-Turnhalle

Einfeld halle, Doppelsporthalle, Mehrzweckhalle: Viele Varianten sind wieder einmal im Gespräch. Fakt ist: Die Deuster-Turnhalle ist abgewirtschaftet.
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Hinter der St.Hedwig Schule (gelbes Gebäude) könnte in Zukunft eine größere Turnhalle entstehen.  Die alte ist jedenfalls sanierungsbedürftig. Denkbar ist aber auch eine kleine Lösung oder eine ganz große auf dem Deustergrundstück. Der Stadtrat berät.  Foto: Streit
Hinter der St.Hedwig Schule (gelbes Gebäude) könnte in Zukunft eine größere Turnhalle entstehen. Die alte ist jedenfalls sanierungsbedürftig. Denkbar ist aber auch eine kleine Lösung oder eine ganz große auf dem Deustergrundstück. Der Stadtrat berät. Foto: Streit
Von der letzten historischen Chance war die Rede und davon, dass der Wahlkampf schon begonnen hat. Eines ist am Donnerstagabend im Finanzausschuss klar geworden: Das Thema Veranstaltungshalle in Kitzingen erregt die Gemüter. Und das seit vielen Jahren.

Die Turnhalle an der St.Hedwig- und Paul-Eber-Schule kann im jetzigen Zustand nicht mehr benutzt werden. Bei Starkregen läuft Wasser durch die Decke und tropft auf den Fußboden, die Duschräume verströmen den Charme einer längst verlassenen Haftanstalt. Die Frage lautet also, ob die Halle generalsaniert wird oder ob ein Neubau die bessere Lösung ist. Doch die Diskussion lässt sich nicht nur auf die Halle an der St.-Hedwig-Schule reduzieren. Es geht um ganz Kitzingen. Und die Frage, ob die Stadt eine Veranstaltungshalle braucht.

Die UsW hat sich diesbezüglich festgelegt. Sie spricht sich für eine Mehrzweckhalle auf dem Deustergelände aus. Eine Sanierung der kleinen Halle mache keinen Sinn, kommentierte Fraktionsvorsitzender Karl-Heinz Schmidt. Die sei viel zu klein und nicht behindertengerecht. Ein Neubau auf dem benachbarten Hartplatz kommt für ihn ebenfalls nicht in Frage. "Darunter befinden sich riesige Keller", erinnerte er. Da sei selbst der Untergrund desDeuster-Geländes mit seinen Kellergängen besser. "Man muss dort nicht unbedingt in den Untergrund", meinte der Architekt und Stadtrat.


Wie Karl-Heinz Schmidt ist auch Andreas Moser (CSU) der Meinung, dass ein Mittelzentrum wie Kitzingen eine größere Halle braucht. Es könne nicht sein, dass gesellschaftliche Veranstaltungen, wie beispielsweise Abiturbälle, in den Landkreis ausgelagert werden. "Der Bedarf ist auf jeden Fall da", meinte Moser.

Andere Fraktionen haben vor einer Entscheidung noch offene Fragen. Astrid Glos (SPD) möchte beispielsweise die Abrisskosten für die alte Halle genannt haben, Jutta Wallrapp (Freie Wähler-FBW) brachte zwei andere Standorte ins Gespräch. Im Innopark, den ehemaligen Larson-Barracks, steht noch eine Halle, die - nach einem notwendigen Umbau - genutzt werden könnte. Der Betreiber des Innoparks hat bereits signalisiert, dass er für Gespräche offen ist.

Wie komplex das Thema ist und wie unterschiedlich die Meinungen, zeigte die Aussage von Werner May (fraktionslos). Der ehemalige Sportreferent und Vorsitzende des TV Etwashausen kennt den Grund, warum die Kitzinger Sportvereine nicht so gerne in den Innopark wollen. "Es ist zu weit. Eltern müssten ihre Kinder fahren." Auch deshalb wäre eine innenstadtnahe Halle zu befürworten. Mays Nachfolger als Sportreferent, Manfred Marstaller (UsW) sprach sich aus diesem Grund für eine Mehrzweckhalle aus. "Die muss ja auch keine Luxuslösung sein", betonte er.

Die Stadtverwaltung hatte im Vorfeld der Sitzung die groben Kosten für unterschiedliche Varianten berechnen lassen. Demnach würde die Sanierung der bestehenden Halle auf rund 1,86 Millionen Euro kommen. Der Abbruch der bestehenden Halle und der Neubau einer Einfeldhalle käme auf rund 2,195 Millionen Euro. Eine neue Doppelsporthalle als Mehrzweckhalle auf dem Deustergrundstück würde zuzüglich Parkflächen und Freisportfläche rund 5,2 Millionen Euro kosten - die Abbruchkosten für die alte Halle nicht eingerechnet.

"Das sind alles nur grobe Kostenberechnungen", betonte OB Siegfried Müller, der den Donnerstagabend dazu nutzen wollte, ein Stimmungsbild bei den Fraktionen abzufragen. Müller war es auch, der vor einem zweiten historischen Fehler warnte. Als vor rund 20 Jahren eine Mehrzwecklösung an der Florian-Geyer-Halle bereits in der Schublade lag, hatte der Stadtrat das Ansinnen abgelehnt. "Mitten im Wahlkampf", erinnerte Müller, der Parallelen zur aktuellen Situation sah. "Jetzt stehen wir möglicherweise vor der letzten historischen Chance, eine solche Lösung zu bekommen."

Eine ganz andere Parallele machte Klaus Christof (KIK) in der Diskussion aus. Für ihn hat der Wahlkampf - zirka eineinhalb Jahre vor der nächsten OB-Wahl - bereits begonnen. "Jedes Mal kocht das Thema Veranstaltungshalle kurz vor einer Wahl hoch", monierte er und lieferte gleich die Erklärung dazu. "Man will halt mit etwas Neuem in der Öffentlichkeit glänzen." Gelächter aus allen Fraktionen erntete er mit seiner Analyse, dass UsW und CSU bereits eine Allianz geschmiedet hätten.

Christofs Haltung zum Thema ist eindeutig: "Wir brauchen keine große Halle." Der Abbruch der bestehenden Halle und der Neubau einer Einfeldhalle würden ausreichen. Eine Meinung, der sich Andrea Schmidt (ödp) anschloss - zumal der demografische Wandel berücksichtigt werden müsse. "Es werden immer weniger Kinder."
Das Meinungsbild der Fraktionen war damit noch nicht abgeschlossen. Franz Böhm (ProKt) erinnerte an ein Schreiben der Regierung von Unterfranken, nach dem eine Zweifachsporthalle in Kitzingen erforderlich wäre.

Deshalb müssten - zumindest nach der groben Kostenberechnung des Bauamtes - rund 3,75 Millionen Euro auf jeden Fall ausgegeben werden. "Dann könnten wir den Rest für eine Mehrzweckhalle auf dem Deustergrundstück auch noch drauf satteln", meint er. Eine große Lösung sei in der Großen Kreisstadt notwendig. "Sonst fahren unsere Kinder in der Zukunft mit dem Sonderzug zum Abiball nach Würzburg oder Iphofen."

Eine Entscheidung ist an diesem Donnerstagabend nicht gefallen, nicht einmal eine Vorentscheidung. Wenn sich der gesamte Stadtrat das nächste Mal zusammen setzt, dürfte es noch mehr Meinungen zum Thema Veranstaltungshalle in Kitzingen geben.
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