Kitzingen
Zuckerrübenkampagne

Die Zuckerrüben bei Westheim werden geerntet

Ein Löffel Zucker für den Tee oder Kaffee? Einfach aus der Packung Zucker nehmen und reinstreuen. Das ist einfach und bequem. Aber bis wir Konsumenten den fein gemahlenen Zucker im Regal stehen haben, ist es ein langer Weg. Am Anfang steht zuerst einmal die Zuckerrübe.
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Konstantin Röther fährt einen Roder - so heißen die riesigen Zuckerrüben-Vollernter, die derzeit rund um die Uhr in Betrieb sind.    Statt ins Bett geht's nachts auf den Rübenacker.
Konstantin Röther fährt einen Roder - so heißen die riesigen Zuckerrüben-Vollernter, die derzeit rund um die Uhr in Betrieb sind. Statt ins Bett geht's nachts auf den Rübenacker.
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Seine Nachtruhe war nicht gerade ausgeprägt. Aber das sieht man Konstantin Röther nicht an. Der 25-jährige grinst. "Bin topfit!" Ganz offensichtlich ist er voll in seinem Element. In gut zwei Metern Höhe sitzt er am Lenkrad, Bordcomputer und Überwachungskamera direkt neben seiner rechten Hand. Der junge Agrar-Ingenieur lenkt einen 550 PS schweren und zwölf Meter langen Zuckerrüben-Vollernter über ein riesiges Feld.

Die Luft ist frisch, die Erde nur ein kleines bisschen feucht, es riecht herrlich nach Herbst. Die Abenddämmerung lässt die Konturen langsam verschwimmen. Der Waldrand bei Westheim und das Ende des Ackers scheinen ineinander zu fließen. Ehe es richtig dunkel wird, schaltet Konstantin Röther die stattliche Beleuchtung seines ratternden Riesen an.


Blitzschnell und automatisch


Der drei Meter breite Rübenbunker-Roder - so heißt die Maschine, weil sie die Rüben aus dem Boden zieht und danach in einer Art Bunker zwischenlagert - erntet sechs nebeneinander liegende Pflanzreihen gleichzeitig ab. Im Flutlicht tanzen die grünen Blätter einen letzten Tango, um Sekunden später im breiten Maul des Roders zu verschwinden. Dort drinnen wartet eine exakt eingestellte Maschinerie: Entblättern, Blattansatz entfernen, Reinigen, Bunkern - alles läuft automatisch und blitzschnell ab. Pro Stunde kann ein Hektar abgeerntet werden.



Von dem gleichmäßigen Rattern und Dröhnen, das die Abendstille auf dem Acker zerreißt, ist im Steuerhaus nur noch ein leises Brummen wahrzunehmen - und ein angenehmes Schaukeln, während der Roder durch die Rübenreihen krault. Die Heizung sorgt für wohlige Wärme, aus den Boxen dringt die Lieblingsmusik und auf dem Bildschirm liegt - für den kleinen Hunger - ein Twix bereit.

So kann man´s aushalten, oder? Konstantin Röther lacht. "Ja. Ich fahre gern Roder, auch nachts. Aber trotzdem: So eine Nacht kann auch lang werden. Man muss sich schon konzentrieren." Der Vollernter soll laufen, wann immer es das Wetter zulässt - man weiß ja nie, wann der Winter zuschlägt. "Wir wollen so viel auf Vorrat roden, wie nur möglich."


Gute Qualität bringt Prämien


Die Rüben, die nicht gleich in der Zuckerfabrik abgeliefert werden können - dafür gibt es nämlich einen genau festgelegten Zeitplan -, werden am Feldrand zu so genannten Mieten aufgestapelt. Wenn die Temperatur unter minus 5 Grad fällt, werden die Mieten mit einem Vlies abgedeckt - entweder per Hand oder maschinell. So kann die Qualität der Rüben auch bei Regen und Frost über Wochen erhalten werden. "Und darauf kommt es an. Nur wer gute Qualität abliefert, verdient auch gut."

Konstantin Röther hat nach der Landwirtschaftslehre auf der FOS sein Abitur nachgeholt und acht Semester Landwirtschaft studiert. Er träumt von einem eigenen Betrieb. "Landwirt ist einfach ein Traumberuf." Derzeit ist er für den Schwarzacher BBV-Obmann Bruno Kieser und dessen Agro-Service tätig - und schon im fünften Jahr bei der Zuckerrübenernte im Einsatz. Jeder verfügbare Mann ist als Fahrer willkommen, denn die Kampagne dauert mehr als drei Monate - das kann schlauchen.

Heuer dürfte das Roden an Silvester/ Neujahr zu Ende gehen. "Mengenmäßig wird 2012 etwas schlechter als das Vorjahr, aber der Zuckergehalt ist besser", betont Dr. Klaus Ziegler, Vorsitzender des Verbandes Fränkischer Zuckerrübenbauern. "Das wird ein süßes Jahr." Vor dem Zuckerschlecken ist allerdings harte Arbeit auf dem Roder und schließlich mit der "Maus" angesagt - einer elefantengroßen Maschine, die die Rübenmieten auf Laster verlädt. Konstantin Röther hat noch einige Nachtschichten vor sich.

Die Zuckerrübenkampagne, die seit 14. September läuft und wohl um Neujahr herum beendet sein wird, ist voller beeindruckender Zahlen:

603 Zuckerrüben-Anbauer gibt es im Landkreis Kitzingen. Sie bewirtschafteten heuer 3800 Hektar Fläche - etwa genauso viel wie im Vorjahr, aber etwas mehr als 2010.

550 PS hat ein Zuckerrüben-Roder, je nach Marke, im Durchschnitt. Moderne Vollernter können in einer Stunde einen Hektar Rüben roden - das sind bis zu 100 000 Pflanzen.

15.000 Tonnen Zuckerrüben werden in der Ochsenfurter Zuckerfabrik verarbeitet - pro Tag. Das sind täglich 500 Tonnen mehr als im Vorjahr - laut Rübenverband "eine gute Tagesleistung".


Gute Vorarbeit ist die halbe Miete


Hoch droben auf dem Roder "ist man der König der Straße", stellt Konstantin Röther lachend fest. Und der König der Felder. Der junge Agrar-Ingenieur und Landwirt freut sich alljährlich auf die Zuckerrüben-Kampagne, auch wenn die gut drei Monate ganz schön anstrengend sein können und er oft auch nachts rausmuss - "entweder zum Roder-Fahren oder zum Reparieren".

Dass die riesigen Zuckerrüben-Vollernter mit ihren vielen Metallteilen, Schläuchen, der ausgefeilten Technik und elektronischen Steuerung im Dauereinsatz stark gefordert werden und deshalb nicht selten etwas kaputt geht, "das ist eben so", meint der 25-jährige Schwarzacher und zuckt mit den Schultern. Sauer wird er eher, wenn Zuckerrübenbauern schlecht gesät haben, Unkraut nicht gut beseitigen oder zu wenig Platz zum Wenden des Roders lassen. "Aber das kommt nicht so oft vor. "Die allermeisten Rübenbauern können zu Recht stolz auf ihre Äcker sein."
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