KITZINGEN

Die Zeitschenker von der Kitzinger Tafel

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Helfer aus Überzeugung: Arno Ewert und Klaus Ihrig engagieren sich für die Tafel. Foto: Fotos: Ralf Dieter
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Hochbetrieb im Keller des Kitzinger Bauhofes. Zehn bis 15 Menschen wuseln umeinander, tragen Kisten umher, lösen Gurken aus Plastikfolien und schichten Mohrrüben und Salate. Es ist Ausgabetag bei der Kitzinger Tafel. Bevor die ersten Kunden um 14 Uhr eingelassen werden, gibt es noch mehr als genug zu tun.

„Gute Gemeinschaft“

Arno Ewert bewahrt die Ruhe. Der Schriftführer bittet zum Gespräch in den kleinen Aufenthaltsraum. Seit etwa zehn Jahren engagiert sich der ehemalige Leiter des Frida-von-Soden-Hauses für die Kitzinger Tafel. „Ich habe nach der Pensionierung eine sinnvolle ehrenamtliche Beschäftigung gesucht“, erinnert er sich. Bei der Tafel hat er sie gefunden.

Am 4. Februar 2003 ist der Verein „Kitzinger Tafel e.V.“ gegründet worden. Helene Schamann gehört zu den vier verbliebenen Gründungsmitgliedern. Auch sie wollte mit Renteneintritt etwas Soziales tun, Menschen helfen. 81 Jahre ist sie mittlerweile. Den Schritt von damals hat sie nie bereut. Auch deshalb nicht, weil sie in einer „guten Gemeinschaft“ tätig ist.

In drei Gruppen sind die aktiven Helfer eingeteilt. So können sich die Helfer abwechseln. Helene Schamann macht in zwei Gruppen mit – und springt in der dritten ein, wenn Not am Mann ist. 183 Mitglieder hat der Verein, die Zahl der aktiven Helfer schwankt zwischen 50 und 60. „Das Alter unserer ehrenamtlichen Helfer reicht von 20 bis 85 Jahren“, berichtet Arno Ewert. Besonders freuen ihn die Schulgruppen, die immer wieder im Rahmen von Projektarbeiten mithelfen. Die meisten Helfer sind jedoch im Rentenalter. Rüstige Menschen wie Klaus Ihrig, der zusammen mit seiner Frau Aloisia Ihrig-Braune, die sich zudem als 2. Vorsitzende engagiert, am Start ist.

Viele Spender

Mit zwei eigenen Fahrzeugen sammeln die Vereinsmitglieder die Waren ein. Viele Bäckereien aus Stadt und Landkreis spenden Lebensmittel, die Firmen Rewe, Aldi, Lidl und Netto ebenso. Diese Waren werden abgeholt und im Keller des Bauhofes geprüft, sortiert und für die spätere Ausgabe in Kisten und Regale eingeräumt. Manchmal kommen auch Bürger ganz spontan vorbei und bringen eigene Spenden. Vor Weihnachten sammelten sich beispielsweise Schokoladenspenden im Bauhof an. „Es müssen halt geschlossene Waren sein“, nennt Ewert ein Kriterium. Und das Mindesthaltbarkeitsdatum sollten die Spender auch immer im Blick behalten. Vor zehn Jahren ist die Tafel in die Äußere Sulzfelder Straße umgezogen. Was als Provisorium begann, hat sich zu einer Dauereinrichtung entwickelt. Im letzten Jahr ist der Ausgaberaum umgebaut worden. „Jetzt bleiben wir auch hier“, sagt Arno Ewert.

Der Raum ist groß genug für die durchschnittlich 70 bis 80 Personen, die an den Ausgabetagen kommen. Zwischen 14 und 15.30 Uhr dürfen sie sich für zwei Euro die Taschen mit Lebensmitteln füllen. Voraussetzung: Sie haben einen Berechtigungsausweis, der neuerdings im Tafelbüro im Paul-Eber-Haus ausgestellt wird. Für die Überprüfung müssen die Kunden einen Personalausweis, ihre Meldebescheinigung, den Bescheid über das Arbeitslosengeld beziehungsweise den Rentenbescheid oder Unterlagen über andere Einkünfte mitbringen.

Die Tafeln werden wichtig bleiben

Wer die Berechtigung erhält, darf einmal die Woche zur Tafel kommen. Die Grundlagen für die Berechtigungen werden immer wieder neu überprüft. „Im Moment sind 1095 Bedürftige gemeldet“, berichtet Arno Ewert. Der Anteil von Familien ist hoch. 662 Erwachsene stehen 433 Kinder in der Statistik gegenüber. Der Ausländeranteil entspricht dem in anderen deutschen Städten. Er liegt bei rund 70 Prozent. Durch Fortbildungen und Besuche pflegen die Kitzinger Vereinsmitglieder Kontakt zu anderen Tafeln in Deutschland. Mehr als 940 davon gibt es in Deutschland. Etwa 60000 Menschen engagieren sich für die gute Sache.

Es sind Menschen wie Helene Schamann und Arno Ewert. Menschen, die eine gemeinsame Einstellung verbindet. „Das Wertvollste, das ein Mensch anderen Menschen schenken kann, ist seine Zeit“, sagt Ewert und geht davon aus, dass dieses Geschenk auch in den nächsten zehn bis 20 Jahren noch nötig sein wird. „Auch dann werden die Tafeln noch gebraucht“, prognostiziert er. Helene Schamann betont, dass das ehrenamtliche Engagement auch ein Gewinn für die Helfer darstellt. „Unsere Kunden sind sehr dankbar“, sagt sie und erzählt mit verschmitztem Lächeln von einem älteren Herrn, der jedem Helfer als kleines Dankeschön heimlich ein Bonbon zusteckt.

Die Kitzinger Tafel e.V.

Gründung: Am 4. Februar 2003 gründeten 13 Bürger die Kitzinger Tafel.

Ziel: Bedürftige, denen das Geld nicht zum Leben reicht, mit Lebensmitteln versorgen.

Standort: Seit 2009 befindet sich die Tafel samt Laden im Bauhof in der Äußeren Sulzfelder Straße. Das Tafel-Büro, in dem Ausweise beantragt werden können, ist im Paul-Eber-Haus untergebracht. Geöffnet ist jeden Donnerstag von 12 bis 16 Uhr.

Ausgabe der Lebensmittel: Jeder Ausweisinhaber ist berechtigt, entweder am Mittwoch oder am Samstag Lebensmittel gegen einen Beitrag von zwei Euro und der Vorlage des Tafelausweises abzuholen. Öffnungszeiten: jeweils von 14 bis 15.30 Uhr.

Die Tafel heute: Der Verein hat 183 Mitglieder, von denen etwa 50 bis 60 aktiv bei der Sammlung, Sortierung und Ausgabe der gespendeten Lebensmittel für rund 1100 Bedürftige mithelfen.

Ehrenamtliche Mitarbeiter werden ständig neu gesucht. Infos bei Aloisia Ihrig-Braune, Tel. (0 93 21) 54 55.

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