SEGNITZ

Die Wiedergeburt des Turnvereins

Der Turnverein Segnitz kann heuer auf sein 70. Gründungsjahr zurückblicken.
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Die Segnitzer Turnerjugend 1919 beim ersten Nachkriegsturnfest anlässlich des 20. Gründungsjubiläums des Turnvereins. Foto: Foto: aRCHIV nORBERT bISCHOFF

Der Turnverein Segnitz kann heuer auf sein 70. Gründungsjahr zurückblicken. Allerdings handelt es sich dabei mehr um die Wiedergeburt des traditionsreichen Vereins, der nach dem Zweiten Weltkrieg am 18. April 1946 ein zweites Mal aus der Taufe gehoben wurde. Die eigentliche Gründung liegt nämlich viel weiter zurück: Sie fand bereits am 13. August 1899 statt.

Damals konnte der gebürtige Obernbreiter Christof Siebert seine neue Heimat Segnitz für den Turnsport begeistern und den TV Segnitz von 1899 ins Leben rufen. Sehr schnell hatte sich das Turnen neben dem Singen als weitere Freizeitmöglichkeit im Ort etabliert. 1906 konnte die erste Vereinsfahne geweiht werden und 1909 veranstaltete man zum zehnjährigen Bestehen das Gauturnfest. Spätestens seit 1915 flog dann in Segnitz der Faustball, zunächst aber lediglich als Ausgleich zum Turnen.

Zehn seiner aktiven Turner verlor der Verein durch den Ersten Weltkrieg. Nach dem Krieg schloss sich den Segnitzer Turnern und Faustballern der Radler- und Zimmerstutzenklub von 1906 an. Im Jahr 1919 gab es zum 20. Vereinsbestehen wieder ein Turnfest. Inzwischen hatte sich auch eine Wettkampffaustballmannschaft gebildet, die bald in die höchste fränkische Liga, die A-Klasse, aufsteigen sollte. 1921 veranstaltete der TV Segnitz ein weiteres Turnfest, diesmal „über Gauebene“ und zum 25. Gründungsjubiläum im Jahr 1924 trafen sich wiederum Turner und Spieler aus dem Turnbezirk Kitzingen in Segnitz. 1929 konnte die lang ersehnte und selbst gebaute Turnhalle eingeweiht werden. Allerdings hatte man mit diesem Projekt einen denkbar ungünstigen Zeitpunkt gewählt. Die Wirtschaftskrise, einhergehend mit Arbeitslosigkeit, Geldentwertung und Not, ließ den Verein auf seinen Bauschulden sitzen.

Desolate Trainingsbedingungen

Letztlich musste die Gemeinde einspringen und die Halle im Jahr 1935 im Vergleichsverfahren übernehmen. Damit konnte aber ein anderes Problem gelöst werden: Die neuen Machthaber forderten nämlich von den Gemeinden die Einrichtung von Kindergärten und dafür bot die Turnhalle ideale Voraussetzungen. Damit war zwar Beiden geholfen, die Turner aber sahen sich künftig als Mieter im eigenen Haus.

Seit der Einführung der NS Vereinsgesetzgebung im Jahr 1933 waren auch dem TV Segnitz die Hände stark gebunden. Der Vereinsvorstand wurde nicht mehr gewählt, sondern auf Vorschlag eingesetzt. Er hatte sich nun „Vereinsführer“ zu nennen. Die letzte Turnratssitzung am 4. Mai 1940 behandelte die Einführung der neuen „Einheitssatzung“ und ein Gedenken an „die im Felde stehenden Turnkameraden“.

Zwischen 1940 und 1946 schweigt das Protokollbuch des Turnvereins Segnitz – bis Paul Lukas, einst Zögling in der Gründermannschaft, nach Aufhebung des amerikanischen Versammlungsverbotes am 18. April 1946 wieder zu den Sportgeräten rief. Die Verhältnisse waren katastrophal. Auf dem Sportplatz stand seit den Bombenangriffen eine Barackensiedlung, die „Düsseldorfer Siedlung“ und die Turnhalle hatte mittlerweile ein strapaziöses Dasein als Kindergarten, Wehrmachtsdepot und Flüchtlingslager hinter sich. Sie war weitgehend demoliert und ausgeräumt. Vorherrschendes Thema der nächsten Jahre war deshalb die Schaffung geeigneter Sportstätten.

Neben zunächst noch bescheidenen Übungsmöglichkeiten in der Turnhalle stand ein neuer Sportplatz, der 1947/48 in Eigenleistung der aktiven Sportler am nördlichen Ortsrand angelegt wurde, auf dem Programm. Das 50. Vereinsjubiläum im Juli 1949 durfte schließlich wieder in Verbindung mit einem Gauturnfest gefeiert werden. Zwei Jahre später kaufte man sich die Turnhalle zurück, nachdem der Kindergarten in eine Baracke der „Düsseldorfer Siedlung“ umgezogen war. Allmählich vollzog sich ein Wandel vom Turnen hin zum Faustball als Aushängeschild des Vereins. Grund war wohl unter anderem auch die Anlage eines neuen Sportplatzes am Main. Zunächst waren es unterfränkische Bezirksmeisterschaften, die Grund zum Feiern boten, dann kamen bayerische und sogar deutsche Meistertitel hinzu, die Segnitz zu Abonnementssiegern werden ließen.

Keine Nachwuchssorgen

Daneben stellte man zahlreiche Talente für die internationalen Auswahlmannschaften, die als Europa- und Weltmeister empfangen werden konnten. Im Gegenzug musste man sich allmählich vom Turnen verabschieden. Auch mit der neuen, im Jahr 1961 gebauten Turnhalle konnten die Turner mit den immer höheren Leistungs- und Trainingsanforderungen bald nicht mehr mithalten.

So gehen in Segnitz heute nur noch die Faustballer wettkampfmäßig an den Start – das aber in den höchsten deutschen Spielklassen. Daneben bietet der TV Segnitz mit Kleinkinderturnen, Volleyball, Gymnastik, Aerobic, Sportabzeichen und Yoga ein ansehnliches Breitensportangebot. Mit 460 Mitgliedern, darunter 150 Kinder und Jugendliche, ist auch die Nachwuchsarbeit in Segnitz deutsche Spitzenklasse und so muss sich die stark verjüngte Vorstandsriege um die sportliche Zukunft keine Sorgen machen.

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