Wie klingt das? Statt einem ruhigen Couch-Abend vor dem Fernsehgerät geht es am Freitagabend, 15. Juni, in die Alte Synagoge Kitzingen, um "gscheit zu essen". Und das kostenfrei.
Zu vier Stunden "Genuss mit Verantwortung" ist jeder eingeladen - je mehr Gäste kommen, desto mehr freuen sich Volkshochschul-Leiter Richard Arndt-Landbeck und seine Veranstaltungspartner. Sie alle wollen den sperrigen Begriff "nachhaltige Ernährung" mit Leben füllen - und mit Geschmack.
So holzig der Begriff, so lecker sein Inhalt: Nachhaltigkeit in Sachen Essen umfasst neben dem persönlichen Genuss auch ganz viele weitere positive Aspekte. Die gesamte Kette von der landwirtschaftlichen Erzeugung über Verarbeitung und Verpackung bis hin zum Transport und schließlich zum Verzehr wird beleuchtet. "Nachhaltige Ernährung berücksichtigt Klimaschutz, Ressourcenverbrauch, Regionalität und Saisonalität sowie Weltgerechtigkeit. Auch Genuss und Esskultur sind wichtige Elemente", zählt Arndt-Landbeck auf. Deshalb wurmt es den Vhs-Leiter, dass 20 Jahre, nachdem die Vereinten Nationen sich in Rio de Janeiro verpflichtet haben, die nachhaltige Entwicklung als Grundprinzip in der Politik zu verankern, nur wenig erreicht worden ist; vom CO2-Verbrauch bis hin zur Abfallbeseitigung sind viele Baustellen offen - weltweit.
Wenn die "große Politik" lahmt, müssen die Bürger aktiv werden - unter diesem Motto gibt es auch im Raum Kitzingen bereits eine Reihe von Organisationen, die neue - nachhaltige - Wege gehen. Vom Bund Naturschutz über den Eine-Welt-Laden bis hin zu den Öko-Kistlern aus Schwarzach hat die Volkshochschule viele Partner ins Boot geholt, die den Aktionstag zu einem Erlebnis für alle Sinne machen werden.
An den zahlreichen Info-Ständen im Foyer soll auch die physische Erfahrung nicht zu kurz kommen: Die Wir-für-Vielfalt-Frauen sorgen mit Fingerfood rund um das Thema "Bunt und g´sund mit Faceli, Bohnen und Co." fürs leibliche Wohl der Gäste, denen zudem allerhand weitere Kostproben, Apfel- und Traubensaftschorle aus ökologischer Produktion sowie Biowein aus dem Landkreis kredenzt wird. Im Saal der Synagoge werden unteressen Ausschnitte aus Filmen, etwa aus "Taste the Waste - Warum schmeißen wir unser Essen auf den Müll?" gezeigt. In Kurzvorträgen werden Aspekte wie "regional kochen in Großküchen" oder "ökologischer Gartenbau" beleuchtet und vertieft.

Ein wichtiges Element des Aktionstages ist auch eine Plakatausstellung des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten.

Sie passt perfekt zum inhaltlichen Schwerpunkt der UN-Dekade "Bildung für nachhaltige Entwicklung", die sich heuer speziell mit Ernährung befasst - im ökonomischen, ökologischen, sozialen, kulturellen und gesundheitlichen Zusammenhang.
"Jeder einzelne Mensch kann dazu beitragen, dass sich in der Welt etwas zum Guten verändert", ist Richard Arndt-Landbeck sicher. Petra Haas-Weiglein ("Wir für Vielfalt") ergänzt: "Viele kleine Schritte bewegen die Welt - und ermögliche spannende und äußerst leckere Erfahrungen."
Wen das trotzdem nicht die Bohne interessiert, für den hat Haas-Weiglein diese Botschaft: "Die Bohne ist ein altes, vielseitiges Gemüse, mit dem man unheimlich viel anstellen kann." Als Fleischersatz und Brotaufstrich oder auch als Bohnenkuchen munde der kleine Verwandlungskünstler hervorragend. "Wir probieren Altbekanntes neu aus!" Gerda Will aus Albertshofen und ihr Mann werden zudem Gemüse mitbringen, das nicht "in die Norm passt" - "die Leute werden staunen, was laut Norm als Abfall gilt!"
Auch der BN will für große Augen sorgen. In einen Einkaufskorb sollen die Waren gelegt werden, die umweltverträglich und tiergerecht erzeugt worden sind. Auch Gentechnikfreiheit ist ein großes Thema. "Wir sind gespannt und freuen uns darauf, mit vielen Menschen ins Gespräch zu kommen", stellt Klaus Petter vom BN fest.

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