Laden...
NORDHEIM/MILTENBERG

Die Weinkönigin am Sudkessel

Für ein Novum hat Christina Schneider aus Nordheim gesorgt: Die Fränkische Weinkönigin hat in Miltenberg Bier gebraut. Wie es ihr erging, wie es dazu kam.
Artikel drucken Artikel einbetten
Verstehen sich blendend: Die Bayerische Bierkönigin Sabine Ullrich aus Bürgstadt (links) und die Fränkische Weinkönigin. Christina Schneider. Hier begutachten sie die suppenähnliche Brühe, die nach der Gärung zu einem Märzen wird. Foto: Foto: Norbert HOhler

Es tut sich Wundersames im Turm der Brauerei Faust in Miltenberg: Christina Schneider wiegt Hopfen mit ab, rührt per Muskelkraft im Sudkessel, läutert die heiße Brühe, aus der in wenigen Wochen ein Märzen wird. Kurzum, die Fränkische Weinkönigin wildert in fremdem Metier, hat sich ins Reich der Bierkönigin gewagt.

So etwas hat es wohl noch nie gegeben: eine Fränkische Weinkönigin beim Bierbrauen, das muss doch für Verwirrung sorgen, Ärger geben. Und um es vorweg zu nehmen: Es gab keinen, die 22-Jährige hat sich gut behauptet, „viel gelernt, richtig Spaß gehabt“, wie sie nachher strahlend erzählte. „Bis jetzt habe ich Bier eigentlich immer verschmäht. Doch seit dem Ausflug mit den Mädels auf die Michaelis-Messe weiß ich: Alkoholfreies Weizen, das ist ganz gut.“

Allesamt Bier-Expertinnen

Die Mädels sind allesamt Expertinnen in Sachen Bier: Eingeladen hat die amtierende Bayerische Bierkönigin aus Bürgstadt, Sabine Ullrich. Gekommen sind mit Franziska Sirtl, Barbara Hostmann, Tina-Christin Rüger und Marlene Speck vier ihrer sechs Vorgängerinnen, dazu die Hallertauer Hopfenkönigin Anna Roßmeier, die vor zwei Wochen ihr Amt weitergegeben hat.

Tja – und Christina, die im April der neuen Bierkönigin Sabine zu deren Wahlsieg gratuliert hatte, ihr seither bei zwei, drei Terminen begegnet ist. „Wir haben uns auf Anhieb gut verstanden, deshalb bin ich heute hier. Wenn alles wie geplant läuft, treffen wir uns im Herbst sogar bei einer Messe in Japan.“

Alle im Dirndl

Gebraut wird heute ein Märzen, haben die sieben jungen Frauen, allesamt im Dirndl, beim Weißwurst-Frühstück entschieden. Dann sucht Dorothea Lazar, die mit netten Anekdoten und locker vermitteltem Fachwissen den Tag gestaltet, Freiwillige für Arbeiten wie schroten und rühren, läutern, Sudprotokoll schreiben, heizen.

Heizen bei annähernd 30 Grad, das klingt nicht nach Traumjob. Doch Braumeister Paul Berberich, neben Dorothea der zweite Gästebetreuer, macht Mut: „Ich finde, das ist der schönste Job.“ Er muss es wissen: Mit 14 Jahren hat der Großheubacher bei Faust seine Lehre begonnen, 50 Jahre später mit 64 als langjähriger Braumeister aufgehört.

Nun ist er siebzig, wollte eigentlich nach diesem Tag mit den sieben jungen Damen auch mit der Nebentätigkeit als Seminar-Braumeister Schluss machen. „Aber noch ist kein junger Nachfolger gefunden. Und ich würde ihn natürlich noch gerne einlernen.“ Ansonsten wäre dieser Dienstag sein krönender Abschluss geworden. „So etwas habe ich noch nie erlebt, die Mädels sind super. Das treibt mir sogar Schweißperlen auf die Stirn.“

Frauen brauen besser

Vielleicht vergisst der Gute deshalb, den Deckel auf den Sud zu machen, der auf 64 Grad aufgeheizt werden soll, holt sich von Marlene einen nett gemeinten Rüffel ab. „Die Frauen sind einfach die besseren Brauer“, erklärt der Mann ohne Umschweife und erläutert die einstige Arbeitsaufteilung. „Die Frauen haben jahrhundertelang Bier gebraut. Die Männer haben es getrunken.“

Und bei den Brau-Seminayren, die es regelmäßig gibt, könne man das fast jedes Mal aufs Neue beobachten: Viele Männer haben schon nach dem Weißwurst-Frühstück so viel Bier intus, dass sie träge werden, manche auf der Bank einschlafen, wieder andere sich richtig zuschütten. „Die Frauen hingegen packen mit an, trinken dosiert, wollen den Tag genießen und etwas lernen.“

Ein Fünf-Liter-Fässchen

Das ist diesmal vollends geglückt. „So stelle ich mir einen Brautag vor“, bedankt sich Marlene in der Felsenkeller-Stube bei Paul und Dorothea. Und Chrstina Schneider nimmt neben Gemeinsamkeiten bei Bier- und Weinerzeugung wie Maische oder Gärung vor allem eines mit: „Ich dachte nicht, dass Bierbrauen so anstrengend ist“, fand die Nordheimerin.

Als Lohn der Mühen bekommt sie wie alle Anderen nach Gärung und Abfüllung in sechs bis sieben Wochen ein Fünf-Liter-Fässchen zugeschickt. Und, jede Wette: Das selbst gebraute Märzen „Die Royale 7“ wird dann so richtig schmecken. Außerdem weiß man ja, dass Winzer ihre Weinproben ohnehin am liebsten mit einem Bierchen beenden.

Kommentare (0)

Für diesen Artikel wurde die Kommentarfunktion deaktiviert.