Kitzingen

Die Suche nach dem fränkischen Pfefferacker

Wenn die Fastenaktion geschmacklos wird: Mit regionalen Gewürzen schaut es im Winter düster aus.
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Es ist zum Haareraufen: Die 75 Gramm gratis bekommen für Nina Grötsch plötzlich eine ganz neue Bedeutung. Foto: Foto: Nina Grötsch
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Kitzingen

Die zweite Woche ist geschafft. Die ersten Durchhänger sind nicht zu übersehen. Was durchaus am Kleingedruckten auf dem Nutella-Glas und am fehlenden fränkischen Pfeffer liegen könnte. Aber wir haben auch Erstaunliches entdeckt: Eigentlich ist Schafkopf Hochleistungssport.

Nina Grötsch (Weniger Kohlenhydrate): Maximal 100 Kohlenhydrate pro Tag sind erlaubt. Das sagt mein neues Kochbuch, auf dessen Titel mein Fastenmotto prangt: Low Carb. Noch nie in meinem Leben hab ich dem klein gedruckten Zahlenwirrwarr auf Lebensmittel-Verpackungen Beachtung geschenkt. Jetzt schon! Und ich wünsche, ich hätte es nie getan! 8,6 Gramm Kohlenhydrate hat eine Portion Nutella. Wobei die Portion auf 15 Gramm definiert ist. Ich brauche keine Waage, um zu wissen, dass meine Portion schwerer ist... deutlich schwerer... Mehr als die Hälfte des für mich lebenswichtigen Aufstrichs besteht also aus Kohlenhydraten. Demnach ist also schon nach dem Frühstück rund ein Drittel meines Tagesbedarfs gedeckt, wenn man bedenkt, dass ich das Nutella ja nicht pur aus dem Glas löffle (wobei auch das ein verlockender Gedanke ist), sondern dazu auch noch zwei Scheiben Eiweißbrot esse, die 8,4 Gramm auf mein Punktekonto bringen. Als Alternative zur 100er Tages-Grenze schlägt mein Buch übrigens vor, nur Lebensmittel zu essen, deren Kohlenhydrat-Angabe für 100g bei maximal 10 liegt. Ich kann Ihnen sagen: Diese Woche war für mich schon ein bisschen wie Ostern.

Daniela Röllinger

(Nichts Süßes): Irgendwie läuft das heuer nicht so richtig. Nicht, dass es mir allzu schwer fallen würde auf Süßes zu verzichten. Das habe ich im Griff und selbst die Kaubonbons, die ich geschenkt bekommen habe und wirklich gern esse, in den Schreibtisch gelegt, statt sie sofort zu vernaschen. Zumal ich mir ja auch vorgenommen hatte, nicht mehr zu grasen – also nicht mehr über den Tag verteilt vor mich hin zu essen, ohne groß darüber nachzudenken. Das ist schon etwas schwieriger als der Verzicht auf Süßes. Der Gedanke ans Essen schleicht sich auch nach Woche zwei noch häufig in meinen Kopf. Um Schokolade geht es da nicht mal unbedingt, eine Scheibe Gelbwurst täte es auch, sogar ein paar Karottensticks. Irgendwas zu kauen halt. Aber nix gibt's, es ist Fastenzeit. Ich bleibe hart – und könnte deshalb eigentlich stolz auf mich sein. Bin ich aber nicht. Von Euphorie keine Spur. Ich bin nicht mal zufrieden. Es ist alles so zäh, so uäh, so lala, so nix Gscheits halt. Sieht so die Folge von Zuckermangel aus? Dann mach ich das nie mehr.... Jetzt bleibt mir erst mal, täglich in meine Schreibtischschublade zu schauen. Da liegen sie und warten auf mich, meine Kaubonbons. Ostern naht.

Diana Fuchs (nur regionale Produkte): Heute gibt es lieber kein Foto von mir. Ich schau‘ nämlich ziemlich blass aus, um nicht zu sagen fad und – jawohl – würzlos. Die ollen Bazillen, die derzeit über viele Menschen herfallen, haben das auch bei mir gemacht. Was aber auch seine gute Seite hat. Immerhin hab‘ ich keinen Appetit. Dadurch muss ich mich aktuell nicht über ungewürzten Kartoffelbrei und geschmackloses Omelett ärgern.

Die härtesten Kritiker kommen ja oft aus dem eigenen Haus, heißt es. Das kann ich bestätigen. Während ich letzte Woche Abendessen kochte – Lauch-Tarte, sämtliche Zutaten aus Unterfranken –, meinte mein Kleiner plötzlich: „Mama, das darfst du doch eigentlich gar nicht nehmen, oder?“ Sein Blick streifte das Gewürzregal. Daran hatte ich bis dato keinen Gedanken verschwendet. Doch die Überprüfung ergab: Mein weißer Pfeffer – aus fairem Handel, was jetzt aber nichts nützt – stammt aus Sri Lanka, der schwarze aus Malaysia, was man selbst bei wohlwollender Betrachtung kaum der Region zurechnen kann. Das Curry kommt aus Indien – dito. Zumindest das Salz ist ein deutsches Produkt, allerdings liegt Bad Reichenhall auch nicht im 50-Kilometer-Radius. Hätte ich letztes Jahr geahnt, womit ich mich heuer in der Fastenzeit beschäftige – dann hätte ich zumindest mal ein paar Gartenkräuter eingefroren. Aber jammern gilt nicht. Sobald ich einigermaßen gesund bin, werde ich mich auf die Suche machen: nach einem fränkischen Salzbergwerk oder einem Kitzinger Pfefferacker...

Ralf Dieter (Mehr Sport). Na Ja. Es gab schon erfolgreichere Wochen. Aber was soll ich machen? Nicht richtig krank, aber auch nicht ganz gesund. Und dann raus in diese Kälte und Sport treiben? Mann muss es ja nicht gleich übertreiben. Natürlich habe ich trotzdem mein Fastengelübde im Blick gehabt. Keine Schokolade, (fast) kein Alkohol. Eine kleine Ausnahme habe ich mir genehmigt. Ein Schafkopfabend ohne Bier ist schließlich wie eine Fastenzeit ohne Abnehmen. Und überhaupt: Schafkopf spielen bis nach Mitternacht ist für Körper und Geist eine echte Herausforderung. Eine Art Hochleistungssport, vergleichbar mit einer Schach-Weltmeisterschaft oder dem Forelle-Angeln.

Ich habe diese sportliche Herausforderung gemeistert und bereite mich jetzt körperlich und seelisch auf die nächsten Schritte vor. Für kommende Woche ist ein „Männersport-Abend“ in meinem Heimatort eingeplant. Mit Gymnastik und Volleyball halten sich dort Männer im fortgeschrittenen Alter fit und haben mich dazu eingeladen. Ich hoffe sehr, dass danach noch eine Runde Schafkopf gespielt wird.

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