IPHOFEN

Die Stadt trennt zwischen Kirche und Geschäft

Räume im Obergeschoss des neuen Geschäftszentrums will die Stadt Iphofen nicht an die katholische Pfarrgemeinde Sankt Veit vermieten.
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Mit Millionenaufwand wurde das Dienstleistungszentrum in Iphofen saniert und erweitert. Jetzt will die Stadt dafür auch entsprechend Mieteinnahmen kassieren. Foto: Foto: Eike Lenz

Der Gedanke lag nahe: hier die Iphöfer Stadtpfarrkirche, direkt daneben das neue Geschäftszentrum, wo im Obergeschoss derzeit Räume leer stehen. Die Stadt hat sie bislang nicht vermieten können. Für die katholische Pfarrgemeinde Sankt Veit war es angesichts ihrer Platznot durchaus einen Versuch wert, bei der Stadt einen Antrag zu stellen, um die 146 Quadratmeter für sich nutzen zu können. Doch der Stadtrat hat diesen Antrag am Montagabend einstimmig abgelehnt. Die Büroflächen sollen so rasch wie möglich vermietet werden: zum Preis von sieben Euro pro Quadratmeter.

Pater Adam Was, der als Pfarradministrator die verwaiste Pfarrstelle besetzt, hatte sich mit seinem Charme alle Mühe gegeben, das Gremium zu überzeugen, dass die Räume im neuen Dienstleistungsgebäude die „optimale Lösung“ für die Pfarrgemeinde wären. Sie seien sonntags nach dem Gottesdienst auf dem kürzesten Weg zu erreichen und könnten als Begegnungsstätte dienen. „Unsere lebendige Gemeinde hat nicht die Plattform, sich noch mehr zu verwirklichen“, so Was mit Blick auf die beschränkten Möglichkeiten.

Die Arbeitsgruppen innerhalb der Kirchengemeinde hätten derzeit nur den großen Raum des Pfarrzentrums zur Verfügung, da im ehemaligen Seniorenraum inzwischen eine Kindergartengruppe eingezogen sei.

Als Büroräume geschaffen

Bürgermeister Josef Mend, der zugleich Kirchenpfleger ist, sagte, es klinge hart, aber die Raumnot sei „zunächst kein Problem der politischen Gemeinde“. Natürlich wolle die Stadt im Interesse der Ortsgemeinschaft helfen. Aber er habe Zweifel, dass mit Bereitstellung der Räume im Geschäftszentrum der Königsweg beschritten werde. Sie seien von der Stadt geschaffen worden, um Mieteinnahmen zu erzielen, und schon deshalb ungeeignet für größere Zusammenkünfte, weil sie als Büroräume nur über eine kleine Toilette verfügten.

Auch Jörg Schanow wies als Dritter Bürgermeister darauf hin, dass es Ziel der Stadt war, dem „lokalen Gewerbe etwas Gutes zu tun“. Für die Kirche müsse eine „andere Lösung“ gefunden werden. Mend skizzierte, wie diese Lösung aussehen könnte. Die Gruppenarbeit könne in städtischen Räumen wie der Erwachsenenbildungsstätte des Altenbetreuungszentrums stattfinden – bis etwas Dauerhaftes geschaffen sei. Der Bürgermeister nannte hier die Sanierung einer Scheune, eigens für Belange der Pfarrgemeinde, jedoch nicht vor 2019.

Was er denn jetzt seinen Gemeindemitgliedern antworten solle, wenn sie fragten, was bei ihrem Antrag im Stadtrat herausgekommen sei, wollte Pater Adam Was am Ende von Mend wissen. „Sagen Sie Ihnen, dass wir die Geschäftsräume im Dienstleistungszentrum unter Abwägung aller Kriterien für nicht geeignet halten.“ Und: „Manch gute Lösung fängt mit einer Enttäuschung an.“ Das Thema wird den Stadtrat also noch eine Weile beschäftigen.

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