SEGNITZ

Die Segnitzer Broträusch feiern Jubiläum

Segnitz feiert sich: 875 Jahre sind urkundlich belegt. Aber der Ort ist eigentlich viel älter und der Spitzname Broträusch hat ebenso seine Geschichte.
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Wein und Schwarzbrot – das steht für die Segnitzer Broträusch. Bürgermeisterin Marlene Bauer scheute sich nicht, mit leichter Selbstironie auf den Zusammenhang hinzuweisen. Foto: Foto: Robert Haass

Ein Laib Schwarzbrot und eine Flasche Wein –als Bürgermeisterin Marlene Bauer dies am Freitagabend bei der Auftaktveranstaltung zum Jubiläumsjahr in Segnitz aufs Rednerpult in der TV-Halle stellte, gab es erst einmal fragende Gesichter. Dann war aber schnell klar: Da kommt jetzt noch eine kleine Geschichte.

Wer viel Brot isst ...

Eine arme Gegend war das rund um Segnitz noch vor über einhundert Jahren. Karger sandiger Boden – da wuchs nur Roggen, für's Brot. Und an den Hängen der Wein. „Wer viel Brot isst, verträgt auch viel Wein“, so Bauer und schon hatten die Segnitzer ihren Spitznamen weg: die Broträusch.

Dann wurde entdeckt, dass der Sandboden sich ausgezeichnet zum Gemüseanbau eignet und es ging aufwärts in Segnitz. Doch noch heute hält sich hartnäckig das Gerücht, dass die Segnitzer gerne die eine oder andere Scheibe Brot zusätzlich verspeisen. Getestet werden konnte dies gleich im Anschluss an Bauers Worte beim Stehempfang.

Und damit hatte ein Abend ein Ende gefunden, der recht festlich begann: Denn Segnitz feiert in diesem Jahr sein 875-jähriges Jubiläum und die Gemeinde am Freitagabend, in der gut gefüllten Turnhalle, den Auftakt für ein Jahr mit etlichen Veranstaltungen.

Eine gefälschte Urkunde?

In ihrer Begrüßung vor vielen Gästen – CSU-Landtagsabgeordneter Otto Hühnerkopf war ebenso gekommen wie stellvertretender Landrat Paul Streng und Vertreter von umliegenden Gemeinden – sorgte Marlene Bauer schon für eine erste Überraschung: Die Urkunde, auf die sich das Segnitzer Jubiläum beruft, könnte eine Fälschung sein. Doch keine Angst: Das Jahr der Urkunde stimmt, nur inhaltlich wurde wohl gemogelt. Da wollte sich jemand mehr zuschanzen, als ihm zu stand.

Und: Segnitz ist viel älter, als diese Urkunde glauben lässt: Schon vor rund 3000 Jahren siedelten hier Menschen, wie ein Gräberfeld westlich des Ortes zeigt. Doch die erste wirkliche Siedlung dort, wo auch heute noch Häuser stehen, geht auf die Zeit des frühen Mittelalters zurück. Ein erster Fund in einer Baugrube 1953 ließ auf die Merowingerzeit vom 5. bis zum 8. Jahrhundert schließen. Nach weiteren Grabungen, 2005, war klar, die Franken haben um diese Zeit den Ort Segnitz gegründet. Dafür spricht die Lage und die Ausstattung des dort entdeckten Gräberfeldes, aber auch das Patronat der Kirche.

Das Leben der frühen Franken

Wie die Franken damals lebten, welche Bestattungsformen sie hatten, wie sie sich kleideten, was sie aßen, wie sie wohnten, ja lebten – das erführen die Besucher am Freitag aus dem Vortrag von Margarete Klein-Pfeuffer, der gleichzeitig in die aktuelle Ausstellung im Segnitzer Museum einführte. Die Ausstellung „Die ersten Franken im Maindreieck“ (wir berichteten) wurde denn auch im Anschluss an den Festakt eröffnet.

Sowohl Hühnerkopf, als auch Streng wiesen auf die Bedeutung der Kenntnis der Geschichte auf die Gestaltung der Zukunft hin. Und, da waren sich die Redner einig: Segnitz hat Zukunft. Das bestätigte auch Kreisheimatpfleger Hans Bauer, der einerseits die Veranstaltung in Segnitz lobte, andererseits ein falsches Kulturverständnis anprangerte, das nur den Umsatz im Blick habe, die Hintergründe aber im Verborgenen belasse.

Die Ausstellung „Die ersten Franken im Maindreieck“ läuft vom 15. Januar bis 19. März und ist jeweils sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet.

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