WÜRZBURG

Die Kraftpunkte der Erde

Elke Kronmüller beschäftigt sich mit dem uralten Wissen der Geomantie.
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Einer von vielen besonderen Orten in Unterfranken für überzeugte Geomanten: Über die Alte Mainbrücke in Würzburg führt eine Ley bis zum Dom. Was es damit auf sich hat, erklärt Elke Kronmüller. In der Hülle steckt das wichtigste Werkzeug für ihre Arbeit: ein Eschenstab. Foto: Foto: Ralf dieter
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Die meisten kennen das: Ein bestimmter Ort ist mit einem bestimmten Gefühl verbunden. Mal ist es positiv, mal negativ. Manchmal auch neutral. Mitunter überkommt uns dieses Gefühl auch an Orten, an denen wir niemals zuvor waren. „Das ist kein Zufall“, versichert Elke Kronmüller. Die Würzburgerin ist seit einem Jahr ausgebildete Geomantin.

Das Wort Geomantie setzt sich aus den altgriechischen Begriffen Geo (Erde) und mantaia (Weissagung oder Interpretationskunst) zusammen. Vereinfacht ausgedrückt geht es dabei um die Wirkung von der Landschaft, von Orten und Gebäuden auf die menschliche Seele und den physischen Körper. „Es geht darum, wie ich diese Wirkung optimal nutze und in Einklang bringe“, erklärt Kronmüller.

Aber so einfach ist es mit der Geomantie nicht, wie ein Gespräch mit Elke Kronmüller zeigt. Viele überlieferte Kenntnisse spielen in diese Wissenschaft mit hinein – die alles andere als neu ist. „Schon die Etrusker und die Römer haben die Geheimnisse und Vorteile der Geomantie gekannt“, sagt Kronmüller. „Leider auch die Baumeister des Dritten Reiches. Adolf Hitler und sein Architekt Albert Speer.“ Im Nachkriegsdeutschland seien die Erkenntnisse der Geomantie deshalb lange Zeit verschwiegen worden. „Das hat sich in den letzten Jahrzehnten zunehmend geändert.“

Warum der Broadway in New York so eine Sogwirkung hat

Warum der Limes auch fast 2000 Jahre nach seiner Errichtung noch in Teilen sichtbar ist? Warum so viele Menschen auf der Alten Mainbrücke in Würzburg fröhlich feiern? Weshalb der Broadway in New York so eine Sogwirkung entfaltet? Drei Fragen, die vordergründig nichts miteinander zu tun haben – für Geomanten schon.

Der Limes ist auf einem energetischen Netz errichtet worden, der Broadway mündet in einer Kultstätte, die schon die Indianer genutzt haben, und die Alte Mainbrücke in Würzburg liegt mittendrin in einer Ley. Aber der Reihe nach.

Elke Kronmüller hat Friseurin gelernt, sie besitzt ein Geschäft in der Würzburger Innenstadt. Ihre eigentliche Berufung hat sie viele Jahre vernachlässigt. „Schon als kleines Kind habe ich mich für Formen, Räume und Plätze begeistert“, erinnert sie sich. Als Erwachsene hat sie Möbel entworfen, ihr Umfeld immer wieder neu gestaltet. Sie reiste durch Wüsten und andere spezielle Orte und spürte immer wieder eine besondere Kraft. „Irgendwann wollte ich diese Kraft nicht nur fühlen, sondern auch benennen können“, sagt sie. Eine Kundin brachte sie auf die richtige Spur. Vor vier Jahren hat Elke Kronmüller eine Ausbildung zur Geomantin begonnen. Endlich bekam sie Antworten auf ihre Fragen.

Der Limes steht auf einem Gitternetz der Macht

Drei Jahre dauerte ihre Ausbildung in der axis-mundi-Akademie von Hans-Jörg Müller in Mühldorf. Seit rund 30 Jahren beschäftigt er sich mit dem uralten Wissen der Geomantie – und übersetzt es in die Neuzeit. „Schon die Urvölker haben Symbolik, Mythologie aber auch eine bestimmte Maßeinheit in ihre Bauwerke gebracht“, erzählt Elke Kronmüller. Tempel und Klosteranlagen sind weltweit an besonderen Orten entstanden – so wie später auch Schlösser oder die Machtzentren des Dritten Reiches. Sie alle hatten und haben schon aufgrund ihres Standortes eine besondere Wirkung auf die Menschen. Eine Wirkung, die zum Teil eng mit dem innersten Kern der Erde verknüpft ist.

Dessen Schwingungen wirken sich bis an die Erdoberfläche aus. Feine Ätherstrukturen bilden sich, so genannte Gitternetze, die den gesamten Erdball überziehen. „Viele Kulturen haben ihre besonderen Bauwerke danach ausgerichtet oder auf den Kreuzpunkten dieser Gitter errichtet“, sagt Kronmüller. Der Limes steht beispielsweise auf einem „Gitter der Macht“. Die letzten Kilometer des Pilgerweges nach Santiago de Compostela liegen hingegen auf einem anderen Phänomen der Geomantie, einer hoch energetischen Ley – einer Verbindung von Kraftfeldern.

Was im menschlichen Körper die Meridiane, sind – bezogen auf die Erde – die Leys: Informationsträger, die auf die jeweilige Stimmung Einfluss nehmen. „Deshalb werden die Menschen an bestimmten Stellen ganz wach und kribbelig“, sagt Kronmüller. Und können beispielsweise trotz eines kräftezehrenden und oft Monate dauernden Fußmarsches bis zur Kathedrale in Compostela laufen.

Die Alte Mainbrücke in Würzburg liegt für Geomanten mittendrin in einer Ley. Schon die alten Baumeister hätten das gewusst. Das Rosettenfenster im Dom gilt für sie jedenfalls symbolisch als einer der Eintrittsorte für so eine Ley. Die zieht sich über die gesamte Domstraße hin. „Deshalb funktionieren die Geschäfte dort auch so gut“, sagt Kronmüller. Dass sich Gäste und Einheimische jahrein, jahraus gerade über dem rauschenden Wehr treffen, um zu schöppeln, wundert sie ebenso wenig. „Hier sprudelt es sprichwörtlich“, erklärt sie schmunzelnd. Die Luft ist ionisiert, im Blut kann sich mehr Sauerstoff bilden. Ein Ort zum Feiern.

„Im Muschelkalk pulsiert das Leben“

Das Gestein, der genaue Ort, die Proportionen des Bauwerks, die Materialien, die Formensprache der Landschaft: All das spielt in die Wissenschaft der Geomantie hinein. Wir Franken haben es grundsätzlich gut getroffen. „Im Muschelkalk pulsiert das Leben“, sagt Kronmüller. Auch die Berliner leben auf und mit ihrem Sandstein gut. Leichtigkeit und Kreativität gehen mit diesem Untergrund einher. Ganz anders die Erzgebirgler oder diejenigen Menschen, die in einem tiefen und dunklen Alpental leben. Der Fachbegriff für dieses Phänomen lautet Bioresonanz. Elke Kronmüller erklärt es leichter: „Der Körper geht in Resonanz mit dem Boden. Es entsteht eine Wechselwirkung.“ So gesehen erschließt es sich, dass nicht jede Stadt und jede Region für jedermann gleich geeignet ist.

Noch vor zehn Jahren hat Elke Kronmüller mit esoterischen Themen rein gar nichts anfangen können. Jetzt hat sie ein klar umrissenes Ziel: Sie will den Menschen in der heutigen Zeit ihre unmittelbare Umgebung (be)greifbar machen, ihnen Möglichkeiten der Interaktion aufzeigen und die jeweils passende Stimmung im Raum schaffen.

„Man kann gute Sphären schaffen“, ist sie überzeugt und nennt als Beispiel das Kloster Oberzell. Wie abgeschottet von der lauten Umgebung ist man dort. Ein geschlossener Raum mit einer beinahe mystischen Atmosphäre ist dort entstanden – eine Umhegung. „Sicher nicht zufällig“, sagt Kronmüller. Die Steine seien nach geomantischen Gesichtspunkten gesetzt worden. Mit einem Hammer sei dann auf die Steine geklopft und ein beschützender Energiekreislauf in Bewegung gebracht worden, der auch heute noch wirkt.

So weit geht es bei ihren Beratungen für Privat- und Firmenkunden in der Regel nicht. Die meisten wollen wissen, wie sie ein einzelnes Zimmer oder ein ganzes Haus am besten ausrichten und in die Umgebung einbetten sollen. Eines ist für die 50-Jährige dabei ganz klar. Räume wirken physisch und psychisch. Ein Haus spiegelt die Menschen, die darin leben – und umgekehrt. „Der innere Raum macht den äußeren“, sagt sie. „Und der äußere den inneren.“

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