GEISELWIND

Rettungsaktion im Freizeitland. Das war die Höhe

Was führte zu der Störung an dem Aussichtsturm im Freizeit-Land Geiselwind?

Auch am Tag danach blieb diese Frage zunächst unbeantwortet.

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Plattform hängt 60 Meter in der Luft: 23 Besucher per Hubschrauber gerettet
Sieht aus wie eine Übung, war am späten Dienstagnachmittag aber bitterer Ernst: Ein Mitglied der Höhenrettungsgruppe der Berufsfeuerwehr in Würzburg rettet einen von 21 Menschen aus dem „Gyro-Tower“ im Freizeit-Land Geiselwind. Fotos: Merzbach/News5 Foto: NEWS5 / Merzbach (NEWS5)
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Diesen Tag werden 21 Besucher des Freizeit-Landes Geiselwind nicht so schnell vergessen. Stundenlang saßen sie in einem der Wahrzeichen, dem „Gyro-Tower“, fest. Erst am Dienstagabend, kurz vor Einbruch der Dunkelheit, konnte die Rettungsaktion per Hubschrauber abgeschlossen werden. Verletzt wurde niemand. Der Mittwoch stand ganz im Zeichen der Fehlersuche, weshalb sich „Top of the world“ am Dienstag gegen 16.30 Uhr abgeschaltet hatte, warum die Aussichtsplattform in 60 Meter Höhe einfach stehen geblieben war? „Die Anlage wird geschlossen bleiben“, lautete die Presse-Information auf der Homepage des Freizeit-Landes für den Mittwoch. Zudem wurde erklärt, dass „ein Sicherheitsmechanismus den sofortigen Stillstand des Fahrgeschäftes veranlasst hat“. Ab da befand sich die Anlage „im Störungsmodus“. Danach hätten sich die Park-Verantwortlichen „in Absprache mit Technikern und dem TÜV für die höchstmögliche Sicherheitsstufe entschieden und die Höhenrettung zur Bergung der Besucher hinzugezogen“.

Schwindelfreier Techniker

Die Evakuierung begann dann gegen 18 Uhr. Zunächst war ein schwindelfreier Techniker mit Getränken im Rucksack zu der Gondel hinaufgeklettert. Danach folgten mehrere Bergretter, die sich von einem Hubschrauber abseilten und sich anschließend um die 21 Insassen der Gondel kümmerten. Die Entscheidung, ob Abseilen in Frage kommt oder die Rettung per Hubschrauber, wurde zusammen mit den Betroffenen, darunter elf Kinder, gefällt. Lediglich ein Kind entschied sich für das Abseilen, was nach dem erfolgreichen Ende der Hubschraubereinsätze dann auch geschah. „Das Kind wollte nicht in den Hubschrauber, hatte einfach Höhenangst“, sagte der Leiter der Höhenrettungsgruppe, Bernd Erlenbach, der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch. Ein selbstständiges Klettern kam nach Meinung der Experten für keinen Insassen in Frage. Dafür hing die Gondel viel zu hoch.

Dabei gab es in doppelter Hinsicht Glück im Unglück: Die Rettung war kurz vor Einbruch der Dunkelheit beendet, danach wäre zumindest die Bergung mit den Hubschraubern nicht mehr möglich gewesen. Und: Die Höhenretter von der Würzburger Berufsfeuerwehr kennen sich in dem Vergnügungspark mit den Gegebenheiten bestens aus. Seit Jahren wird an den größeren Fahrgeschäften geübt, regelmäßig auch an der jetzt betroffenen Aussichtsplattform. Erst vor wenigen Wochen war der Ernstfall nur wenige Meter entfernt geprobt worden, damals hatten die Helfer die Rettung aus dem 18 Meter hohen Looping der Boomerang-Achterbahn simuliert.

Ernstfall immer wieder trainiert

Brigitte Mahr, Pressesprecherin des Parks, betont denn auch auf Anfrage dieser Zeitung: „Genau für diesem Fall wurde immer wieder trainiert!“ Außerdem weist sie darauf hin, dass die Fahrgeschäfte im Park „auf 1000-prozentige Sicherheit eingestellt sind, damit nichts passieren kann“. Im Zweifelsfall würde also die Technik eher einmal mehr stoppen als zu wenig. Dies komme hin und wieder auch vor, zuletzt war dies am Cobra, einem Rollercoaster, passiert.

Der Park wurde übrigens am Tag nach dem Hubschrauber-Einsatz regelrecht gestürmt. Die Autos stauten sich fast bis zur Autobahn zurück und an den Kassen herrschte enormer Andrang. Auch die Reaktionen im Internet waren überwiegend gelassen: Manche sahen die Hubschrauber-Rettung sogar als zusätzliche Attraktion an und bedauerten, nicht dabei gewesen zu sein.

Mitarbeiter des TÜVs, die regelmäßig alle paar Wochen im Park unterwegs sind, begaben sich am Mittwochmittag auf Fehlersuche, das Ergebnis steht noch aus. Der Sprecher des TÜV Süd, Thomas Oberst, wertet die Tatsache, dass niemand zu Schaden kam, als Beleg dafür, dass das Sicherheitssystem hierzulande funktioniert. „Wir haben in Deutschland insgesamt ein sehr hohes Sicherheitsniveau bei Fahrgeschäften“, versichert er.

Der Turm steht zwar im Guinness-Buch der Rekorde als größter transportabler Aussichtsturm der Welt, richtig auf Reisen war die Anlage allerdings ab 1995 für nur drei Jahre. Seit 1998 steht der sogenannte Gyro-Tower – so nennt man die Vereinigung eines Aussichtsturmes mit einem Fahrgeschäft – als eines der Wahrzeichen am Rande des Parkes, das von der A 3 aus werbewirksam gesehen werden kann. Der Turm hat neben dem Eintrag im Buch der Rekorde auch einen eigenen Eintrag bei Wikipedia. Dort findet sich der Hinweis, dass es bei der Premiere des Turms auf dem Weihnachtsmarkt 1995 in Berlin einen Zwischenfall gab. Fehlerursache damals: Der Antrieb hatte blockiert.

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